28. Swiss Open
Finalspiele versprechen feinste Badminton-Kost: Vier von fünf Favoriten kämpfen um den Titel

Nur gerade im Männer-Einzel hat es die Turnier-Nummer 1 nicht ins Endspiel geschafft. In den vier anderen Wettbewerben könnten sich die Turnierfavoriten als Sieger der 28. YONEX Swiss Open eintragen lassen.

Georges Küng
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Angekommen: Die Swiss Open in Basel haben sich in der nationalen Sportszene als Grossanlass etabliert. (Archiv)

Angekommen: Die Swiss Open in Basel haben sich in der nationalen Sportszene als Grossanlass etabliert. (Archiv)

KEYSTONE

Einen ersten Vorgeschmack, was man heute Sonntag an den Finalspielen erwarten darf, bekamen die Zuschauer bereits im ersten Samstagsspiel zu sehen. Im ersten Halbfinale des Frauen-Einzels stand sich ein japanisches Quartett gegenüber, das sich während 74 Minuten (eine ungewöhnlich lange Spieldauer für ein Badminton-Match) duellierte.

Die vier Japanerinnen Ayako Sakuramoto, Yukiko Takahata, Nami Matsuyama und Chiharu Shida zeigten alles, was Badminton so einzigartig-faszinierend macht und den Besuchern vor Augen führt, wie gross der Unterschied zum Federballspiel von Hinz und Kunz im Garten oder in der „Badi“ ist... Alle drei Sätze endeten mit 21:18 – mit dem besseren Ende für die Paarung Sakuramoto/ Takahat.

Publikumslieblinge aus Bulgarien

Im Finale treffen die beiden Japanerinnen aber auf die Schwestern Daniela und Gabriela Stoeva, welche die Setzliste anführen. Die beiden Bulgarinnen sind Stammgäste in Basel und haben Aura, Charisma und Spielstärke, um zu absoluten Publikumslieblingen zu werden.

Die Osteuropäerinnen gewannen ihren Halbfinal gegen die französische Paarung Emilie Lefel und Anne Tran, obwohl diese über eine ansehnliche, lautstarke Fangemeinschaft verfügten. Das finale Skore von 21:16 und 21:12 widerspiegelt aber die Dominanz der „Sisters“, welche für den erneuten Finaleinzug nur gerade 39 Minuten benötigten.

Japanisches Frauen-Finale

Kaum hatten nach dem ersten Spiel die vier Japanerinnen den Center Court (gestern und heute Sonntag wird nur noch auf einem Feld gespielt) verlassen, betrat Sayaka Takahashi die hell erleuchtete Bühne. Und die als Nummer 1 gesetzte Japanerin wurde ihrer Reputation gerecht und gewann das Duell gegen die Bulgarin Evgeniya Kosetskaya klar mit 21:6 und 21:18. Nach einer Machtdemonstration im ersten Satz konnte die Osteuropäerin wenigstens im zweiten Set die Asiatin mehr herausfordern.

Nach 34 Minuten war aber der Finaleinzig der Turnierfavoritin Tatsache. Ihre Rivalin wird aber nicht die Nummer 2 und Landsfrau Minatsu Mitani sein, sondern Natsuki Nidaira, die ebenfalls aus ... Japan kommt. Mitani hatte wegen einer Blessur Forfait geben müssen.

Ein Thailändisches Semi-Finale

Auch im Männer-Doppel setzten sich im einem Halbfinale die Favoriten durch. Das Duo Mathias Boe/Carsten Mogensen (Dänemark) schlug die Briten Marcus Ellis/ Chris Langridge (Nummer 3) sicher 21:15 und 21:14. Die Gegner der Skandinavier kommen aus Asien, nicht jedoch aus Japan. Im zweiten Semi-Finale, das eine rein thailändische Angelegenheit war, gewannen Tinn Isrinayet/Kittisak Namdash über Maneepong Jongji und Nanthakarn Yordphaisong in drei Sätzen, wobei vor allem Satz 1 ein stetes „Up and Down“ war und ein Wechselbad der Gefühle war.

Nahezu 30 Minuten duellierte sich das thailändische Quartett, bis der 27:25-Satzgewinn für die späteren Finalisten feststand. Die beiden anderen Sätze endeten 16:21 und 21:16.

Hitchcock über drei Sätze

Ebenfalls über drei Sätze ging die Partie zwischen Sameer Verma (Indien) und Kantaphon Wangscharoe aus Thailand. Das finale Skore von 21:14, 11:21 und 21:12 zeigt, dass jeder Satz einen klaren Dominator hatte.

Im Männer-Einzel war ja bekanntlich bereits in der 1. Hauptrunde (am Donnerstag) der als Nummer 1 gesetzte Rajiv Ouseph - ein Brite indischer Abstammung - gegen den Japaner Koki Watanabe ausgeschieden. Sein Endspielgegner wird Jan O Jorgensen (Weltnummer 102) sein, der sein Spiel gegen den favorisierten Lucas Corvée (Nummer 60 im BWF-Ranking) in drei Sätzen mit 21:14, 12:21 und 21:18 gewann. Nur gerade im zweiten Satz zeigte der Franzose, wozu er fähig ist.

Dramatisch verlief der Entscheidungssatz, der anfangs ausgeglichen verlief. Erst mit Fortdauer der Partie konnte sich der Däne absetzen und, etwas überraschend, den Finaleinzug schaffen. Die letzte Partie vom Samstag, welche 55 Minuten gedauert hatte, unterhielt die zahlreichen Badminton-Freunde in der St. Jakobshalle jedenfalls bestens.

Endspiel ohne Asiaten

Keine Asiaten wird man im Mixed-Finale sehen. Dort werden sich die Deutschen Mark Lamsfuss und Isabel Herrtrich sowie die britische Paarung Marcus Ellen und Lauren Smith gegenüber stehen. Beide Finalisten mussten im Halbfinale gegen Landsleute bestehen, um das Endspiel zu erreichen. Lamsfuss/Herrtrich (Nummer 1) taten dies in zwei Sätzen (21:16, 22:20) über Jones Ralfy Jansen und Carla Nelte, wobei namentlich der zweite Umgang die Zuschauer von den Sitzen riss, denn die Sieger mussten zuerst einen Satzball ihrer Rivalen abwehren.

Das britische Duell zwischen Ellis und Smith (Nummer 7) gegen Ben Lane und Jessica Pugh (Nummer 6) verkam zu einer gar einseitigen Angelegenheit. Das Resultat von 21:8 und 21:4 könnte glauben lassen, dass Lane/Pugh absolut inferior waren.

Vier Japaner in den fünf Finalspielen

Doch dem war nicht so, denn die Ballwechsel waren lang – aber den Punkt holten stets Marcus und Lauren, die selber ob der Leichtigkeit des Sieges überrascht waren. „Das war nicht unser Tag, so hatten wir uns dies gar nicht vorgestellt“, erklärten Ben und Jessica, ziemlich ratlos, beim „Auslaufen“ und der Pflege gegenüber der bz Basel.

In den fünf Finalspielen werden vier Akteure aus Japan, drei aus Dänemark, je zwei aus Bulgarien, Deutschland, England und Thailand sowie ein Inder stehen. Und eine garantierte Gewinnerin aus Japan wird es nur im Frauen-Finale geben; ansonsten konnten die besten Europäer die Phalanx der Asiaten einigermassen in Schranken halten.