Amateurfussball
Finanzielle Auswirkungen: Congeli und OB leiden wegen den Folgen von Corona

Den beiden grossen Amateurvereinen entgehen wertvolle Einnahmen. Doch nicht nur das Finanzielle schmerzt. Die unterbrochene Ausbildung und das fehlende Vereinsleben machen den beiden Präsidenten Sorgen.

Simon Leser
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Die Pandemie trifft den FC Concordia sportlich und finanziell.

Die Pandemie trifft den FC Concordia sportlich und finanziell.

eh-Presse

Kauft sich ein Fan im Joggeli eine Wurst, unterstützt er den FC Concordia Basel. Denn der kleine Nachbar des Super Ligisten betreibt im Stadion 13 Verkaufsstände und sechs mobile Satellitenstationen, sogenannte mobile Biercorner. Die Pandemie trifft das Catering-Geschäft von «Congeli» hart. Denn mit den 1000 Fans, die zwischen Mai und Oktober ins Stadion strömten, entgingen dem Traditionsverein wertvolle Einnahmen. «1000 Fans sind ein klares Verlustgeschäft», sagt Thomas Steinemann, Präsident des Traditionsvereins. «Der Aufwand, den wir betreiben, ist verhältnismässig viel zu hoch.» Dazu zählen etwa die Personalkosten, die Corona-Sicherheitsvorlagen und die Beschaffung der Lebensmittel. In der ersten Hälfte des aktuellen Jahres wies der Verein Mindereinnahmen von 250000 Franken auf. Die Existenz sei aber nicht bedroht.

Als die Begrenzung von 1000 Zuschauern aufgehoben wurde, war eine Verbesserung der Lage in Sicht. Doch die Hoffnungen zerschlugen sich. Nur gegen den FC Luzern durften anfangs Oktober knapp 10000 Fans ins Stadion. Auch das ist eine Zahl, mit der das Geschäft nicht profitabel ist. «Dazu braucht es mindestens 12000 Zuschauer», sagt Steinemann, der betont, dass die Catering-Einnahmen in die Junioren-Abteilung fliessen. Seit Oktober dürfen gar nur noch 50 Leute ins Joggeli. Daraufhin hat «Congeli» entschieden, vorerst keinen Verkaufsstand mehr zu betreiben. Weil dadurch die Aufwandkosten entfallen, ist das zumindest finanziell besser als mit einer reduzierten Zuschauerzahl.

1000 Fans sind ein klares Verlustgeschäft.

(Quelle: Thomas Steinemann, Präsident Concordia Basel)

Im zweiten Halbjahr rechnet Steinemann nochmals mit Einnahmenausfällen in der Höhe von 200000 Franken. Im Jahresbudget decken die Catering-Gelder rund die Hälfte der jährlichen Ausgaben. Deswegen ist der Verein auf staatliche Unterstützung angewiesen. Für das erste Halbjahr hat «Congeli» einen Antrag auf Unterstützungsgelder beim Schweizer Fussballverband gestellt. Steinemann hofft auf mindestens 120‘000 Franken – ein Betrag, der dem Verlust entspricht, den der Verein im Juni ausgewiesen hat. Auch für das zweite Halbjahr überlege man sich, die Catering-Ausfälle mit Unterstützungsgeldern abzufedern. «Wir haben ein Anrecht auf diese Gelder», so der Präsident. Auch für das erste Halbjahr 2021 sind Unterstützungsgelder möglich.

Old Boys beklagen fehlende Einnahmen durch Turniere

Auch der BSC Old Boys spürt die Folgen der Corona-Pandemie, auch wenn der Verein nicht mit fehlenden Catering-Einnahmen konfrontiert ist. Bei OB fallen besonders die entgehenden Jugend-und-Sport-Gelder ins Gewicht, da die Mannschaften zurzeit nicht ins Training kommen dürfen. Zudem musste der Verein das geplante Sommerturnier und das Hallenturnier absagen. «Finanziell sind die Auswirkungen wohl ähnlich wie bei den Klubs der Super League, einfach mit ein paar Nullen weniger hintendran», lässt sich Christian Schmid, Präsident der Old Boys, auf der Homepage des FC Basel zitieren.

Die Folgen gehen aber über das Finanzielle hinaus. Genauso ist das Vereinsleben betroffen. «Das Fussballerherz blutet in erster Linie, weil die Teams nicht mehr trainieren und spielen können», so Schmid. Auch Steinemann schmerzt es am meisten, dass ambitionierte Junioren einen Bruch in ihrer Ausbildung erhalten und so keine Möglichkeiten bekommen, sich für höhere Aufgaben bei anderen Klubs zu empfehlen. «Die Langzeitauswirkungen für gewisse Spieler, die in wichtigen Jahren keinen Schritt vorwärts machen können, ist verheerend», so der Präsident von Concordia.

Beide Vereine haben Kurzarbeit beantragt. «Congeli» konnte dadurch im ersten Halbjahr 35000 Franken einsparen. Schmid spricht von einer «minimalsten Unterstützung» durch den Kanton. Aktuell rechne er nicht mit weiteren Geldern für den Breitensport. «Es könnte auch ein Grund sein, warum der Bund im Moment zögerlich ist betreffend eines Lockdwons, weil dann wohl wieder Gelder fliessen müssten», so der OB-Präsident. Er ist enttäuscht darüber, dass die Amateursaison unterbrochen wurde: «Es gibt Verständnis dafür, es ist aber auch Frust vorhanden.»