Als am letzten Samstagnachmittag kurz vor 18 Uhr der Abstieg des BSC Old Boys aus der 1. Liga auch rechnerisch Tatsache war, wirkten alle im Stadion Schützenmatte sehr gefasst. Ob Spieler, Staff oder Vereinsverantwortliche – sie alle hatten seit zwei Wochen und der 2:3-Heimniederlage gegen den FC Bassecourt mit diesem Szenario gerechnet.

Ein Szenario, das in den Monaten davor aber nahezu unvorstellbar schien. Denn die Leistungen der Mannschaft und das Renommee vieler Spieler waren deutlich besser als die Ergebnisse. Irgendwann musste die Resultatwende ja kommen ... doch sie kam nicht!

Wohl auch aus diesen Gründen konnte niemand echte Erklärungen für die Relegation in die 2. Liga interregional finden. «Ich weiss nicht, was ich sagen soll», seufzte Trainer Marco Walker im Wissen, dass er seinen Kickern zum wiederholten Male ausser fehlendem Wettkampfglück wenig vorwerfen konnte.

Rolle als Ausbildungsverein

Auch Rafet Öztürk wollte das Wort Pech nicht in den Mund nehmen, bemühte ab das Sprichwort «Wenn du die Seuche hast, hast du einfach die Seuche». Der Sportchef übte nach 16 Niederlagen in 24 Partien aber auch Selbstkritik: «Unter dem Strich war zu wenig Qualität da – dafür bin ich verantwortlich und es wurmt mich!»

Vor einem Jahr hatte OB sportlich den Ligaerhalt in der Promotion League geschafft, doch der Verein zog die erste Mannschaft freiwillig in die 1. Liga zurück. Zu gering war das allgemeine Interesse, das Budget des Fanionteams wurde von 180 000 auf 120 000 gesenkt, man wollte sich auf seine Rolle als Ausbildungsverein besinnen.

Und so tauschten zahlreiche Leistungsträger das gelbschwarze Leibchen gegen ein anderes, Öztürk versuchte die Lücken mit Talenten aus dem Kanton Solothurn zu füllen. «Ich wollte die Vereine aus der Region in Ruhe lassen.»

Hoffnung nicht erfüllt

Die Mannschaft, mit der die Basler in die Saison gestartet waren, bezeichnet der Sportchef als Kombination von «Null Erfahrung, wenig Qualität und viel Talent». Die Hoffnung, dass das viele Talent möglichst schnell in Qualität umgewandelt werden könnte, erfüllte sich zumindest resultatmässig nicht.

Deshalb wurde im Winter eine Handvoll gestandener Spieler geholt, um das Team zu stabilisieren. Dennoch hielt die Ergebniskrise an, OB fand nicht aus der Negativspirale und holte mit der nominell besseren Equipe deutlich weniger Punkte (4) als die unerfahrene Truppe aus der Vorrunde (12). «Unsere Rückrunde ist eine grosse Enttäuschung», nimmt Öztürk kein Blatt vor den Mund.

Selbst der von aussen nicht wirklich nachvollziehbare Trainerwechsel von Aziz Sayilir zu Marco Walker Ende März brachte keine Besserung. Die FCB-Legende fand wie sein Vorgänger einen guten Draht zur Mannschaft, die Serie an unglücklichen knappen Niederlagen riss aber nicht ab.

«Wir hatten die Hoffnung, dass der eine oder andere einen Leistungssprung macht, wenn ein bekannter Name an der Linie steht», erklärt Rafet Öztürk die damalige Massnahme, die übrigens gemeinsam mit Sayilir getroffen worden war.

Am 28. Mai wird es spannend

Die gelbschwarzen Zukunftsplanungen sind schon länger in vollem Gange. Wegen des sich anbahnenden Rückzugs des jahrzehntelangen Mäzens Paul Suter und diverser ausbleibender Solidaritätsbeiträgen ist ein finanzielles Loch von rund 200 000 Franken entstanden.

«An der letzten Generalversammlung wurde deshalb eine Findungskommission gebildet, um alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu finden», erklärt Tobias Meier. Gemäss dem Vizepräsidenten will der Verein längerfristig nicht mehr von Einzelpersonen abhängig sein.

Auch die Frage, ob der Vorstand in seiner jetzigen Form noch zeitgemäss ist, wird geprüft. Der ausserordentlichen GV am 28. Mai blickt Meier jedenfalls optimistisch entgegen: «Wir sind auf sehr gutem Weg, eine ausgeglichene Rechnung zu präsentieren, ohne die Mitgliederbeiträge zu erhöhen. Die erste Mannschaft dürfte mit dem gleichen Budget in die neue Saison gehen.»

Mission Wiederaufstieg

Auch im sportlichen Bereich laufen die Maschinen heiss. Walker, dessen Engagement ohnehin bis zum Saisonende begrenzt war, wechselt zum FC Naters. Sein Nachfolger kommt vom SC Binningen und heisst Jonas Uebersax. Rafet Öztürk gibt nach acht Jahren das Amt des Sportchefs an den bisherigen Assistenztrainer Pepe Rafuna weiter und nimmt eine Auszeit.

Von Spielerseite hat ein Grossteil der Leistungsträger Bereitschaft signalisiert, im OB-Dress die Mission Wiederaufstieg in Angriff zu nehmen. Dazu sollen mehrere Talente aus der zweiten Mannschaft (2. Liga regional) ins «Eins» integriert werden.

Auch die Rückkehr einiger ehemaliger Spieler, die aus monetären Gründen derzeit anderswo kicken, hält der Sportchef für denkbar: «Ab einem gewissen Alter wird die Möglichkeit, in Ruhe Fussball zu spielen, zu einem nicht zu unterschätzenden Faktor.»

In verfrühten Optimismus will Rafet Öztürk vor den «Transfermonaten» Juni und Juli aber nicht verfallen, hofft aber, dass der Traditionsverein mit der tollen Nachwuchsarbeit gestärkt aus dem Abstieg hervorgeht: «Denn OB gehört einfach in die 1. Liga!»