Und dann wird einem plötzlich bewusst, was man eigentlich an der alten Liebe hatte. Wie viel Verständnis er doch für die nächtlichen Eskapaden aufbrachte. Oder wie wohltuend ihre Massagen nach einem langen Tag mit den Kindern jeweils waren. Der schöne Urlaub, die intensiven Diskussionen, das Gefühl der Vertrautheit – was auch immer. Manchmal merkt man erst, was man aneinander hat, wenn man es eben nicht mehr hat. So oder so ähnlich muss es auch Thorsten Fink ergangen sein mit dem FC Basel.

2011 verliess er den FCB, das Joggeli, die Stadt. Um im Norden Deutschlands den nächsten Schritt zu machen. Den Schritt in die Bundesliga zum HSV. Trotzdem war er nach rund zwei Jahren Geschichte. Nach einem Abstecher nach Zypern heuerte er dann in Wien an. Platz 3 und Platz 2 holte er mit der Austria, wurde Trainer des Jahres in Österreich, flirtete kurz und heftig mit dem FCB im Sommer des Umbruchs 2017. «Ich liebe diesen Klub, die Menschen, die Stadt, den Morgestraich noch heute», sagt er im «Blick». Und er hätte sich keine FCB-Klausel in den Austria-Vertrag schreiben lassen, wenn dem nicht so wäre.

Unterdessen ist Thorsten Fink Trainer bei GC, dem Schweizer Rekordmeister, dem einst grossen Klub. Und er sprach davon, dass er mit YB und Basel um die internationalen Plätze spielen will. Derzeit dümpelt sein Team jedoch auf dem zweitletzten Platz herum, sechs Punkte hinter dem FC Basel. Seit Fink im Frühling bei GC das Sagen hat, hat er doppelt so oft verloren wie gewonnen, in 18 Spielen im Durchschnitt nur gerade einen einzigen Punkt geholt. Derzeit genügen Fink und sein Team nicht den Ansprüchen, die man selbst hat.

Wer weiss, ob das in Basel anders wäre. Doch trotz der Entlassung Raphael Wickys: Fink war nie ein Thema. Auch, weil er bei GC keine FCB-Klausel mehr hatte. Vielleicht auch, weil man die Vergangenheit irgendwann ruhen lassen soll. Zwar war Fink nirgends so erfolgreich wie in Basel – seine einzigen Titel (zweimal Meister, einmal Cupsieger) als Trainer gewann er hier, nirgendwo sonst holte er so viele Punkte im Schnitt –, aber ob er mit dem aktuellen Team ähnlich erfolgreich wäre? Man darf zweifeln, ob das Fink’sche Selbstvertrauen allein genügen würde. Logisch, Fink und der FCB, das geigte. Aber das war einmal, jetzt ist alles anders – nur die Gefühle sind noch immer da. Weil wir dazu neigen, die Vergangenheit zu verklären, nur das Gute erinnern. Wie bei der alten Liebe.