Fussball
Fischt der FC Basel einmal mehr im heimischen Teich?

In den letzten Jahren verpflichteten die Basler immer wieder Spieler aus der heimischen Liga. Sind Michael Lang und Mario Gavranovic nun die Nächsten, die aus der Super League zum FCB wechseln?

Sebastian Wendel
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Luca Zuffi (r.) hat sich beim FCB auf Anhieb einen Stammplatz ergattert – ihm gleichtun könnte es bald GC-Profi Michael Lang.

Luca Zuffi (r.) hat sich beim FCB auf Anhieb einen Stammplatz ergattert – ihm gleichtun könnte es bald GC-Profi Michael Lang.

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Goethe schrieb einst: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Das Gleiche fragt man sich auch beim FC Basel: Warum Spieler aus der Ferne verpflichten, wenn die guten sind so nah? Auch wenn sich ein Klub mit den finanziellen Möglichkeiten von Rot-Blau sein Kader im Ausland zusammenkaufen könnte, verfolgt der FCB bewusst eine andere Philosophie: Lokal, regional, national, international – nacheinander auf diesen Ebenen wird das vorhandene Material beobachtet und werden interessante Spieler angesprochen.

Dabei zieht der FCB immer wieder einen dicken Fisch an Land. Wie zuletzt im Sommer 2014 Luca Zuffi und Shkelzen Gashi: Der eine (Zuffi) zieht bereits im ersten Jahr als FCB-Spieler im Mittelfeld die Fäden, der andere hat in 32 Saisonspielen (alle Wettbewerbe) sagenhafte 25-mal getroffen.

Von 77 Neuzugängen seit 2005 (ohne eigene Junioren) sind 28 von einem Schweizer Klub zum FCB gestossen. Die meisten davon haben sich ohne Anlaufschwierigkeiten zu Leistungsträgern entwickelt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Super-League-Spieler lassen sich einfacher beobachten, viele von ihnen sprechen Deutsch oder Französisch und sind an den hiesigen Alltag gewöhnt. Und: «Spieler mit Super-League-Erfahrung wissen, was es bedeutet, für den FC Basel zu spielen. Das erleichtert die Integration», sagt Basels Sportdirektor Georg Heitz.

Ein Telefonat genügt nicht

So werden auch während der kommenden Transferperiode Spieler von Basler Ligakonkurrenten die Seiten wechseln. Meistgenannter Kandidat ist Michael Lang, dessen Vertrag beim heutigen Gegner GC ausläuft. Seit seiner Ankunft in Basel schwärmt FCB-Coach Paulo Sousa intern von Lang, der genau in das Anforderungsprofil des Portugiesen passt: polyvalent, teamfähig und als 24-Jähriger mit Potenzial zur Weiterentwicklung.

Ein weiterer Kandidat auf der Liste ist FCZ-Stürmer Mario Gavranovic, der vor allem bei FCB-Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz hohes Ansehen geniessen soll. Wer nun meint, ein Telefonat genüge, und Lang sowie Gavranovic stehen in Basel auf der Matte, der täuscht sich. Was nicht unbedingt am mangelnden Willen der Spieler liegt. Georg Heitz: «Nach unserer Erfahrung ist in der Schweiz kein Spieler verärgert darüber, wenn der FCB anruft.»

Nicht nur des Spielers Wille zählt

Vielmehr wehren sich die Noch-Klubs der vom FCB umschwärmten Spieler mit Händen und Füssen, um einen Transfer zum Ligakrösus zu verhindern. Stattdessen verkaufen sie lieber ins Ausland. Oder dann grätschen Drittklubs dazwischen und locken die Spieler mit Fantasielöhnen. «Wir sind immer wieder überrascht, welche Ablösesummen und Löhne Schweizer Vereine angeblich bezahlen», sagt Heitz.

Hätte allein der Wille von Veroljub Salatic, Milan Vilotic, Renato Steffen oder Yassine Chikhaoui gezählt, wäre die Chance gemäss Informationen der «Nordwestschweiz» gross, dass sie heute in einem rot-blauen Dress statt für Sion (Salatic), YB (Vilotic/Steffen) oder weiterhin für den FCZ spielen. Namen will Heitz keine kommentieren. So oder so – lange nachgetrauert hat man beim FCB den genannten Spielern nicht. Heitz: «Die Super League ist besser als ihr Ruf: Sie bringt immer wieder spannende Spieler hervor.»

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