Disziplin, Ordnung und Integrität – das sind bis heute Werte, mit denen sich Werner Leuthard identifiziert. Er sagt von sich selbst, dass er eine «forsche Art» habe. Dass er in diesem Beruf landete, heute Fitnesscoach des FC Basel ist, hätte wohl kaum jemand gedacht, als Leuthard noch Klein-Werner war. Er sagt: «Ich war ein kränkliches, schwächliches Kind. Meine ganze Wirbelsäule war praktisch ausser Takt.»

Er habe zwar durchaus sportliches Talent gehabt, vor allem im koordinativen Bereich, doch der Körper wollte einfach nicht. Mit zwölf Jahren hat er sich dann seine ersten Hanteln gekauft. Wegen des Kampfsports. Erst Taekwondo, später auch Kickboxen. Er war fasziniert von der körperlichen Leistungsfähigkeit der Kämpfer. Also trainierte er – und plötzlich schwanden die Probleme, die Schmerzen, das Leiden.

In der Bundeswehr half er den Kameraden bei der Zusammenstellung des Trainings. Auch dort konnte er dem einen oder anderen helfen. Er war fasziniert von der Funktionsweise des Körpers, wie alles ineinander spielt, fast wie bei einem Uhrwerk. Nach sechs Jahren in der Bundeswehr studiert er in München, erwirbt sich physiologische und sportwissenschaftliche Kenntnisse.

Er beginnt seine zweite Karriere nach dem Militär in einem Fitnessstudio in Bad Gögging, einem Kurort in Niederbayern. Hier kommt er erstmals in Kontakt mit Medizinern. Er erinnert sich: «Am Anfang war das natürlich nicht so leicht, weil das nicht einfach so akzeptiert wird, wenn da einer daherkommt in Turnschuhen und Turnhose.»

Hand in Hand mit Magath

Doch die Resultate überzeugen, die Zusammenarbeit funktioniert immer besser. Irgendwann kontaktiert ihn Klaus Hofsäss, damals Bundestrainer der deutschen Tennisdamen. Leuthard zieht nach Marbella, arbeitet unter anderem jahrelang mit den ehemaligen Spitzen-Spielerinnen Steffi Graf und Anke Huber.

1997 kehrt er zurück nach Deutschland, zwei Jahre später kommt er durch Fredi Bobic – damals Profi beim VfB Stuttgart, heute Vorstand bei Eintracht Frankfurt – erstmals in Kontakt mit dem Fussball. Er lebt in Winterbach im Remstal, arbeitet erst mit Lorenz Köstner (damals Trainer von Unterhaching), folgt später dem heutigen Bundestrainer Jogi Löw nach Österreich zu Tirol Innsbruck und landet letztlich wieder in Stuttgart. Bei Felix Magath.

Die «Bild» verpasst Magath den Spitznamen «Quälix», aber eigentlich meinten sie damit Leuthard, Magaths Konditionstrainer. Fortan sind die Karrieren der beiden aufs Engste verbunden. Stuttgart, Bayern, Wolfsburg, Schalke, wieder Wolfsburg, Fulham – Magath und Leuthard gibts nur im Doppel-Pack.

Bis letzten Sommer. «Heusler und Heitz haben mich im Gespräch vollkommen überzeugt», sagt Leuthard heute. Er sagt zu. Angetan von der ihm angebotenen Aufgabe als Fitnesscoach, als Koordinator zwischen medizinischer Abteilung, Leistungsdiagnostik und Trainerstab. Seine bisher vielschichtigste Aufgabe. Wenig später meldet sich Magath, möchte ihn nach China lotsen. Doch Leuthard steht zu seinem Wort, freut sich auf die neue Herausforderung.

Man holte ihn, weil der FCB in der letzten Saison von Muskelverletzungen heimgesucht wurde wie von einer Seuche. Allein in der Vorrunde fielen deswegen elf Spieler aus. «Bei einer grossen Mehrheit der Verletzungen im Fussball gibt es keine gegnerische Einwirkung. Man kann in diesem Bereich sehr grossen Einfluss nehmen», ist Leuthard überzeugt.

Prävention ist das Zauberwort. Individuelle Übungen. In Deutschland war er berühmt für seine Trainings mit Medizinbällen. Spaniens Superstar Raúl der in Schalke unter ihm seinen zweiten Frühling erlebte, sagte einst: «Die Medizinball-Trainings haben mich fünf Jahre jünger gemacht.» Leuthard schmunzelt, wenn man ihn auf die Medizinbälle anspricht, sagt: «Das Trainingsmittel ist nicht entscheidend, sondern was ich damit mache. Ich kann ein Training mit einem Aschenbecher machen, wenn es sein muss.»

Leuthard wirkt. Die Muskelverletzungen sind drastisch zurückgegangen. Einzig Marc Janko und Kevin Bua fielen deswegen aus. «Die Verletzung von Bua hat mich getroffen. Es ärgert mich, dass ich das nicht verhindert habe», sagt Leuthard.

Er hat das letzte Wort, wenn es um den Einsatz von Spielern geht. Da geniesst er das volle Vertrauen des Klubs und insbesondere von Urs Fischer. «Er hat ein unheimliches Wissen und die Zahlen sprechen für sich», sagt der FCB-Trainer. Zufrieden ist Leuthard dennoch nicht. Der «General» geht mit sich mindestens so hart ins Gericht, wie er die Spieler bei Bedarf rannehmen kann.