Am Mittwoch ist Flaminia Straumann wie gewohnt aus Deutschland an den Heim-CSI angereist. Die 21-Jährige trainiert seit einigen Jahren bei ihrem Coach, dem Iren Denis Lynch. Neu war in dieser Woche die Route. Sie führte die beiden nicht wie bisher von Münster in die Schweiz, sondern aus Eschweiler bei Aachen nach Basel.

Denis Lynch musste sich nach der Trennung von seiner Frau nach neuen Räumlichkeiten umsehen. Fündig wurde er auf der Anlage bei Helena Stormans, der erfolgreichen deutschen Springreiterin, besser bekannt unter ihrem früheren Namen Weinberg.

Ideale Bedingungen

Flaminia Straumann hat sich in ihrer neuen Umgebung bestens eingelebt. «Die Bedingungen hier sind ideal», schwärmt die Tochter des Unternehmers Thomas Straumann. Der Umzug führte dennoch zu einschneidende Veränderungen. Straumann hat momentan kein festes Zuhause. Sie pendelt – mit dem Flugzeug regelmässig zwischen Basel und Düsseldorf. «Das soll nur eine Übergangslösung sein.» Straumann und Lynch halten nach einem Gestüt in der Nähe der Schweizer Grenze Ausschau.

Einen dauerhaften Platz will sich die ehrgeizige Reiterin auch in der nationalen Spitze sichern. Eine erste, massgebende Hürde hat Straumann genommen. Sie gehört seit dem 1. Januar zum erlesenen Kreis des Schweizer Elitekaders. «Das fühlt und hört sich sehr gut an», gesteht sie. Vor allem deshalb, weil Straumann selbst von Zweifeln umringt war, ob sie die Selektionskriterien erfüllen würde.

Straumann muss ihr Können beweisen

Die Skepsis war vermutlich auch damit verknüpft, weil sie sich immer wieder anhören muss, «nur» die Tochter des reichen Unternehmers zu sein, der ihr die besten Pferde zur Verfügung stellt. Der Schweizer Equipenchef Urs Grünig teilt diese Auffassung nicht und findet, man tue ihr damit Unrecht. «Flaminias Resultate kommen nicht einfach aus dem Nichts. Dahinter steckt harte Arbeit.»

Grünig schätzt an Straumann die Beharrlichkeit, mit der sie ihre Ziele verfolgt. Für ihn ist aber auch klar: Mit der Aufnahme in die Belle Etage der Schweizer Springreiter wird Flaminia Straumann mittelfristig beweisen müssen, zu was sie fähig ist. «Nicht heute und morgen, aber in spätestens zwei Jahren muss sie sich unter den Besten des Landes etabliert haben», so Grünig.

Ziel: Olympia-Teilnahme

Straumann bringen Grünigs Aussagen nicht aus der Ruhe, im Gegenteil, sie spornen sie zusätzlich an. «Natürlich will ich im neuen Umfeld zunächst Erfahrungen sammeln.» Danach will sie angreifen. Sie macht kein Geheimnis daraus, dass sie an den Olympischen Spielen teilnehmen will. Nicht an irgendwelchen, sondern in zwei Jahren in Rio. «Ich traue mir das zu», sagt sie selbstbewusst.

Was auf den ersten Blick überheblich klingen mag, ist bei näherer Betrachtung nicht abwegig. Schweizer Top-Reiter, darunter die Bubendorferin Janika Sprunger (Palloubet d'Halong), haben in den vergangenen Monaten ihre Top-Pferde verloren. Dadurch hat sich eine Lücke aufgetan. Flaminia Straumann wird zu jenen gehören, die versuchen, diese zu schliessen.