Da investiert der 23-Jährige aus Zeglingen im Sommer so viel in seinen Sport wie noch nie, reist zum Training sogar für drei Wochen nach Neuseeland, wird bei den Leistungstests in Magglingen mit persönlichen Bestmarken offensichtlich dafür belohnt und kann auch im zweiwöchigen Vorbereitungstraining im winterlichen Norwegen mit den Besten mithalten.

«Flasche leer»

Aber dann kommt der erste von zwei Testwettkämpfen des Schweizer Kaders. Dolder stellt fest: «Flasche leer!» Er hat keinen Saft im Körper und kein Auge beim Schiessen. Siebter Platz unter acht Gestarteten, geschlagen selbst von den jungen Newcomern. Am nächsten Tag läuft es wieder wie geschmiert, wie eigentlich immer seit Wochen. Diesmal steht er in der internen Schweizer Hackordnung dort, wo er seinem Selbstverständnis nach auch hingehört – auf Platz 3, im Weltcupteam, auf gutem Weg ins olympische Sotschi.

Doch die Summe der beiden Leistungen reicht nicht für einen Weltcupplatz. Es geht bereits vor dem ersten internationalen Wettkampf der Saison in die Strafrunde zum IBU-Cup, dem Europacup der Biathleten. Vier andere Athleten reisen an die ersten beiden Weltcup-Veranstaltungen. «Zuerst war ich schon sehr enttäuscht», sagt Dolder, der vor allem mit sich selber haderte. «Ich habe es mir anders vorgestellt», gibt er zu. Es bleibt ihm ein Stück weit ein Rätsel, wieso er im entscheidenden Moment seine Leistung nicht abrufen konnte.

Batterien aufladen

Doch spätestens der viertägige Zwischenstopp zuhause im Oberbaselbiet, bevor es gestern Mittwoch zurück in den hohen Norden ging, reichte aus, um auch die mentalen Batterien wieder aufzuladen. Denn Dolder weiss, dass es keinen Grund gibt, die Zuversicht über Bord zu werfen. Er ist vom Leistungsvermögen her so gut wie noch nie. Auch das Feintuning zwischen noch schnelleren Runden in der Loipe und trotzdem nicht allzu hohem Puls am Schiessstand funktionierte im Training bereits ordentlich. Und dank forciertem Mentaltraining will er auch «in den 30 Sekunden, wenn es im Schiessstand zählt, bereit sein».

Vielleicht sei es ja ganz gut, die Saison im IBU-Cup zu beginnen, «denn dort ist der Druck von aussen wesentlich kleiner als bei einer Weltcup-Veranstaltung», sagt der Baselbieter und fügt an, «auch wenn ich doch ziemlich grosse Erwartungen an mich selbst habe. Ich will beweisen, wohin ich gehöre.»

Das Ziel ist klar: Olympia-Teilnahme in Sotschi. Und die Reise ins schwedische Idre zu den ersten IBU-Rennen am Wochenende muss nicht einmal ein Umweg sein. Mit einem fünften Platz im Europacup gibt es die halbe Selektionsnorm. Dazu braucht es noch einen 25. Rang im Weltcup oder dann zwei 25. Plätze im Weltcup oder einen Rang unter den ersten 15.

Nicht besser, aber konstanter

Nimmt man die letzte Saison als Massstab, dann wäre die Olympiaqualifikation für Mario Dolder eine Punktlandung gewesen. Zwei 25. Plätze bedeuteten die bisher beste Weltcup-Rangierung. Für die neue Saison hat er sich nicht in erster Linie bessere Positionierungen, sondern vor allem mehr Konstanz vorgenommen. «Ich will regelmässig in diese Region der Rangliste laufen», sagt er; wenn er sich beim IBU-Cup bewährt, ab der dritten Weltcup-Veranstaltung vom 6. bis 8. Dezember in Hochfilzen. Für Sotschi selektioniert wird dann am 19. Januar nach den Rennen in Antholz.

Dolder hat nicht nur sportlich grosse Fortschritte gemacht, sondern auch beruflich. Die ersten Zwischenprüfungen des ETH-Studiums zum Bauingenieur haben ihm gezeigt, dass er auch dort mit der Konkurrenz mithalten kann. Selbst wenn er im Gegensatz zu den normalen Studenten mehr als 90 Prozent des Pensums aus der Ferne als Autodidakt bewältigt. «Mit viel Disziplin kann man es mit diesem Weg schaffen», sagt Mario Dolder und macht sich auf den Weg zum Europacup nach Idre.