Fussball

Fluch oder Segen? Der FC Basel hat 12 Nationalspieler in seinem Kader

Das Kader des Schweizer Ligakrösus FC Basel ist derzeit so breit und stark wie noch nie zuvor. Nicht weniger als 12 aktuelle A-Nationalspieler tragen das Dress der Basler. Hinzu kommen noch vier Junioren Natispieler.

Ahmed Hamoudi machte am Dienstag das Dutzend voll. Seit der Ägypter seine Unterschrift unter den Vierjahresvertrag setzte, stehen beim FC Basel zwölf aktuelle A-Nationalspieler unter Vertrag – so viele wie noch nie: zwei Ivorer (Serey Die und Sio), zwei Tschechen (Vaclik und Suchy), zwei Ägypter (Hamoudi und Elneny), ein Schweizer (Schär), ein Chilene (Diaz), ein Japaner (Kakitani), ein Albaner (Gashi), ein Paraguayer (Gonzalez) und ein Bulgare (Ivanov). Vier von sechs Kontinentalverbänden der Fifa sind im FCB vertreten. Dazu kommen Fabian Frei (Schweiz) und Taulant Xhaka (Albanien), die an die Türe ihrer Nationalmannschaften klopfen. Und mit Arlind Ajeti, Breel Embolo, Naser Aliji und Pascal Albrecht vier Schweizer Junioren-Nationalspieler.

Ganz klar: Stand heute ist das FCB-Kader so breit und so stark wie nie. Wahrscheinlich verlässt noch der eine oder andere Spieler den Verein, aber auch dann lassen sich problemlos zwei Mannschaften bilden, die mit wenigen Ausnahmen auf jeder Position gleich gut besetzt sind und in der Schweiz ihresgleichen suchen.

Man kann sich jetzt fragen, ob etwa die Verpflichtung von Hamoudi nötig war, wo sich in der Offensive doch schon zuvor acht Spieler um vier Plätze stritten. Die Antwort: Um erneut Meister zu werden, braucht der FCB Hamoudi tatsächlich nicht. Aber nach fünf nationalen Titeln in Serie und je einer Halbfinal- und Viertelfinalqualifikation in der Europa League peilt Rot-Blau in der Champions League die K.o-Phase an. Um dieses Ziel zu erreichen, kann eine Schweizer Mannschaft nicht zu viele gute Spieler im Kader haben.

Sousa als Psychologe gefragt

Der zweite Grund für das Aufrüsten in der «Abteilung Attacke» ist die Vorgabe an Neo-Trainer Paulo Sousa, das Publikum mit Spektakelfussball zu begeistern. Nach dem Transfer von Hamoudi hat Sousa nun beste Voraussetzungen, das von ihm Geforderte in den verschiedensten Formen umzusetzen. Im System mit einer Dreierabwehr, mit der klassischen Viererkette, mit einem oder zwei Spielmachern, mit Einmann-, Zweimann- oder gar Dreimannsturm – das Kader bietet grenzenlose Möglichkeiten. Sousa sagt: «In Basel habe ich als Trainer das erste Mal für jede Position mehrere Alternativen.»

Die Ansammlung so vieler Internationaler ist aber auch ein Nährboden für Unzufriedenheit. Wer Nationalspieler ist, hat automatisch das Selbstverständnis, im Klub Stammkraft zu sein. Nur so ist die Chance gross, weiterhin für die Landesauswahl aufgeboten zu werden. Paulo Sousa hat zwar angekündigt, die Mannschaft für jede Partie neu auszurichten und entsprechend auch personell zu verändern. Im gleichen Zug verwies er aber darauf, dass zu viel Rotation schlecht sei für die Entwicklung der Automatismen. Heisst: Hat Sousa einmal einen Kern von rund 18 Profis bestimmt, dürfte es für den Rest schwer werden, regelmässig zu Einsatzminuten zu kommen.

Bei diesen Spielern ist Sousa als Psychologe gefragt: Er muss ihnen irgendwie das Gefühl geben, trotz wenig Einsatzminuten wichtig zu sein. Schafft er das, wird sich jeder bedingungslos dem Kollektiv unterordnen – wie in der Saison 2012/13 bei Bayern München, als Superstars wie Mario Gomez kaum spielten, aber ruhig blieben und so nicht zu Stolpersteinen auf dem Weg zum Triple wurden. Schafft es Sousa nicht, alle hinter sich zu bringen, drohen Unruhen wie in der letzten Saison.

Angesprochen auf die extreme Konkurrenzsituation, lautet die nüchterne Antwort von Mittelfeldspieler Geoffroy Serey Die: «Wenn man macht, was der Trainer will, dann spielt man. Wenn nicht, dann sitzt man draussen.»

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