40 Jahre können eine lange Zeit sein. Dies sieht auch Ruedi Vogel so, einer der letzten Boxer, der die Schweiz an den Olympischen Spielen vertreten durfte. Der Fall war das in München 1972. An den Spielen also, an denen palästinensische Terroristen das Wohnquartier der israelischen Mannschaft stürmten. «Das waren noch andere Zeiten, da gab es ja nicht einmal Frauenboxen», meint der Basler Vogel. Doch das ist nicht der einzige Unterschied, den Vogel aus dem Stegreif aufzählen kann: «Bei meinem ersten Kampf als Amateurboxer erhielt ich fünf Franken für die Vorstellung.» Ein grosser Unterschied zur Gage von Arnold Gjergjei aus Pratteln, der dieses Wochenende den siebzehnten Sieg verbuchen konnte. Wiederum durch ein K.o. diesmal aber in der ersten Runde nach 78 Sekunden. Der Profiboxer meint mit einem Schmunzeln, als er dies hört: «Wenn Ruedi damals fünf gekriegt hat, dann werde ich heute sicher sechs Franken verdient haben für meine Vorstellung.»

Einstellung geändert

Das Boxen hat sich auch gegenüber Frauen geändert, erzählt Vogel. So wie auch er seine Einstellung geändert habe. «Als ich das erste Mal einen Frauenboxkampf sah, gefiel es mir überhaupt nicht, nun muss ich mich für dieses Vorurteil entschuldigen.» Er sei jetzt ein grosser Fan. «Ich finde es nur gerecht, dass der Frauenboxsport dieselbe Chance erhält. Deshalb setze ich mich auch dafür ein», meint auch Angelo Gallina, Präsident des Boxclubs Basel und Trainer der beiden Frauenboxerinnen Barbara Willhelmi, Sarah-Joy Rae und des Profis und Aushängeschildes Arnold Gjergjei.

Arnold Gjergjei gewinnt in Baden

Arnold Gjergjei gewinnt in Baden

Rückschlag nicht überwunden

Der grösste Unterschied innerhalb den verschiedenen Epochen des Boxens findet sich aber wie in in vielen anderen Sportarten hinsichtlich Geld. «Mein erster Lohn als Profiboxer war 80 Franken, das wäre heute unvorstellbar», erzählt Vogel. Er wäre auch nicht des Geldes wegen Profiboxer geworden, sondern aus Protest, wie der Basler Grossrat erläutert: «Der Sieg, der mir an Olympia durch einen ungeahndeten Tiefschlag genommen wurde, hat mich zum Profi gemacht. Diese ungerechtfertigte Niederlage verfolgt mich noch heute.» Doch trotz dem herben Rückschlag konnte er nicht vom Boxsport lassen und so verfolgt er die Kämpfe von Arnold «the Cobra» Gjergjei immer gespannt. Als der Schweizer mit albanischen Wurzeln seinen Kontrahenten mit einem gerissenen Trommelfell nach nur 78 Sekunden zu Boden schlägt, steht der Schweizer Olympionike Vogel dann auch auf und äussert jubelnd: «Er hat eben auch einen härteren Schlag als Klitschko.»

Der Klitschko der Schweizer Boxszene ist mit dem 17. Sieg im 17. Profikampf seinem Ziel, einem WM-Kampf, näher denn je. «Am 20. Oktober wird Arnold in Basel seinen ersten Intercontinental-Kampf bestreiten, dies ist der nächste Schritt zu der WM», erklärt Trainer Gallina.