Vor erst vier Tagen ist er aus Slowenien zurückgekommen, nun geht es weiter an den nächsten internationalen Wettkampf nach Tschechien. Noch zwei Stunden bis zum Abflug. Joel König sitzt in einem Café am Zürcher Flughafen und scherzt: «Das ist schon fast mein zweites Zuhause.»

16 Turniere im Ausland bestreitet der 21-jährige Badmintonprofi pro Jahr. Dazu kommen 14 Spiele während der Mannschaftsmeisterschaft in der Schweiz. Von Letzterem kann sich König aber bis zum nächsten Saisonstart im September eine verdiente Pause gönnen. Denn: Er holte mit seinem Team Argovia anfangs Mai den Schweizer Meistertitel in der höchsten Liga (NLA). Mit seinem Sieg im Herreneinzel im Final gegen BC Yverdon-les-Bains trug König ein wesentliches Puzzlestück zum Erfolg bei.

So gewinnt König das Herreneinzel:

Team Argovia, Highlights Playoff-Finale 2017

Team Argovia, Highlights Playoff-Final 2017

Und auch neben dem Feld spielte der Titterter eine wichtige Rolle. Mit seiner positiven Einstellung förderte er den Zusammenhalt in der zwölfköpfigen Mannschaft. Er sagt: «Die Mannschaft mit den meisten Teamplayern ist am erfolgreichsten.» Verschmitztes Lachen ob des versteckten Eigenlobes. Und weiter: «Wir sind eigentlich alle Einzelsportler. Diesen Titel gemeinsam zu gewinnen, ist deshalb umso schöner.»

Langfristige Planung

Dass Argovia Schweizer Meister wurde, ist eine grosse Überraschung. Denn die junge Truppe mit vielen Spielern aus der Region ist erst zu Beginn der Saison – nach einem Jahr in der NLB – wieder in die höchste Liga aufgestiegen. Auch daran hatte König einen grossen Anteil. Denn er hat dem Team Argovia damals trotz Abstieg – und vielen Angeboten aus dem In- und Ausland – die Treue gehalten.

Und nicht nur das: Als einziger Spieler mit internationaler Erfahrung holte er auch zwei ausländische Profis in den Aargau, ohne die der diesjährige Meistertitel wohl nicht möglich gewesen wäre.

Langfristigkeit und Vertrauen: Das sind Werte, die König viel bedeuten. Er sagt: «Im Badminton – einer Rand- und Einzelsportart – ist so vieles unsicher, schon rein nur wegen den Finanzen. Deshalb finde ich es wichtig, bestehende Partnerschaften zu pflegen.» So arbeitet König mit seinem Individualtrainer, seinem Konditionstrainer und vieler seiner Sponsoren schon bald zehn Jahre zusammen.

Karriere vorantreiben

Obwohl: Eigentlich bräuchte König die private Unterstützung gar nicht. Denn er ist Teil des nationalen Elitekaders, mit dem er unter der Woche in Bern trainiert und das ihm auch finanziell unter die Arme greift. Doch der Wirtschaftsstudent will mehr. «Ich finde in Bern nicht alle Voraussetzungen, um meine Karriere optimal voranzutreiben. Deswegen habe ich eine Parallelstruktur aufgebaut», erklärt König.

Er nimmt diesen zeitlichen und finanziellen Mehraufwand aus einem ganz einfachen Grund auf sich: «Noch kein Schweizer Badmintonspieler hat den internationalen Durchbruch geschafft. Deshalb gibt es nur eines: mehr zu trainieren und mehr zu leisten, als alle anderen.»

In Malaysia das Limit gespürt

Wie viel Belastung er vertragen kann, ist König erst letztes Jahr während eines zweimonatigen Aufenthalts in Malaysia klar geworden. Die besten Badmintonspieler kommen aus dem asiatischen Raum – und König blieb begeistert und fasziniert von der anderen Kultur zurück: «Die Profis dort stehen ab fünf Uhr morgens in der Halle, obwohl sie ihnen den ganzen Tag zur Verfügung steht. Ich fragte sie: Wieso beginnt ihr dann so früh? Und sie antworteten: Wieso nicht?»

In Malaysia trainierte König an die 50 Stunden pro Woche – das ist mehr, als ein 100-Prozent-Arbeitspensum. Und doppelt so viel, wie er vorher in der Schweiz trainiert hatte.

Bilder aus dem Final mit Argovia:

«Schon die Junioren standen in Malaysia so oft in der Halle wie ich. Da wurde mir klar, weshalb die asiatischen Profis auf einem fast unantastbaren Niveau spielen», sagt König. Er hat erst mit neun Jahren begonnen, Badminton zu spielen. Anfangs bloss als Hobby.

Doch als sich die Erfolge zu häufen begannen, investierte er mehr. Mehrfacher U17-Schweizermeister, mehrfacher U19-Schweizermeister, zwei Qualifikationen für die U19-Europameisterschaft – die Bilanz aus Königs Juniorenzeit liest sich wie aus dem Bilderbuch.

Tokio 2020 im Visier

Nach dem Abschluss des Sportgymnasiums in Liestal setzte die Nachwuchshoffnung schliesslich voll auf die Karte Badminton. Königs Ziele sind gross: Er will zu den besten zehn Spielern Europas gehören. Damit verknüpft sind auch die Chancen auf einen Podestplatz an Europameisterschaften und eine Qualifikation für die Olympischen Spiele – am liebsten schon für Tokio 2020.

Doch dazu muss er zuerst die nötigen Weltranglistenpunkte an internationalen Wettkämpfen sammeln. Zurzeit liegt König auf Platz 306 des weltweiten Rankings. In einer Stunde geht der Flug nach Tschechien – es ist der nächste Schritt vorwärts in Joel Königs Karriere.