Basketball

Für den Basketballklub der Bären Kleinbasel gilt: «Einmal Bär, immer Bär»

Die Basketballer des BC Bären leben eine Philosophie von Integration und sportlicher Leidenschaft. Das könnte nachhaltig Erfolg haben und das nicht nur auf Vereinsebene.

Es wird gelacht, unterschiedlichen Stimmen vereinen sich zu einem Gewimmel. Immer mehr Familien kommen mit ihren Kindern in die Erlenmatthalle in Kleinbasel. Der Geräuschpegel steigt. Wer genau hinhört, erkennt Englisch, Spanisch, Italienisch und weitere Sprachen, die gar nicht genau zugeordnet werden können. Um 17:30 Uhr setzen sich die Eltern und Grosseltern an der Seitenlinie der Halle auf die Sportbänke. Ambros Isler, der Trainer und Gründervater der Bären, ruft die Jungen und Mädchen zwischen sechs und neun Jahren, zusammen.

In der Woche, bevor wegen dem Corona-Virus sämtliche Sportanlagen Basels bis auf Weiteres schliessen, sind rund 40 Kinder im Training. Als Ambros Isler anfängt zu reden, verstummen sie und hören aufmerksam zu. Islers Tochter Simone und sein Enkel Nicolas bauen in dieser Zeit die letzten Stationen für die Einheit auf. Schwatzt ein Kind, spricht Ambros Isler es direkt mit seinem Namen an – nicht schlecht bei einem «Kader» von 60 Kindern.

Mädchen, Frauen und Ausländer hatten es schwer in Kleinbasel

Seit dem Mittelalter gibt es in Kleinbasel die drei Ehrengesellschaften. Für Mädchen, Frauen und Ausländer ist es nicht möglich, in diese Ehrengesellschaften aufgenommen zu werden. Als Gegenpart wurde 1998 die Gesellschaft zum Bären gegründet. Diese wollte das friedliche Zusammenleben der Menschen in Basel fördern. Im Sommer 2000 entstanden bereits die ersten Projekte im Bereich Basketball: Bärennächte, Bären-Sommerferien-Camp und das Teddybären-Training. 2001 wurde der BC Bären Kleinbasel dann im Volkshaus offiziell gegründet. Ambros Isler war damals Mitglied der Gesellschaft zum Bären und sass ebenso am Gründungstisch wie der heutige Präsident Pascal Kaufmann.

Teddybären-Training, Sommerferien-Camp und Bärennächte gibt es auch heute noch. Letztere werden von Mike Mark, einem ehemaligen Junior, geleitet. Jeden Samstag von Herbst bis Frühling werden die Tore der Turnhalle geöffnet. Die Jugendlichen können mit gemischten Teams und ohne Schiedsrichter Basketball spielen. Durch den Einsatz für das Kleinbasel gewann der BC Bären im Jahr 2003 den Challenge-Preis der Sanitas für den innovativsten Sportverein der Region. Inzwischen hat der Klub über 240 aktive Mitglieder aus mehr als 45 Nationen und die 1. Mannschaft spielt in der NLB.

All dies wäre nicht möglich gewesen ohne Menschen, die sich für das Projekt einsetzen. Der gesamte Vorstand arbeitet ehrenamtlich. Auch die meisten Trainer erhalten wenn dann nur ein kleines Sackgeld. Bei den Bären geht es nicht um das Finanzielle, sondern um die Philosophie «Integration für alle». Es ist deshalb auch ein Wunsch, die Mitgliederbeiträge so gering wie möglich zu halten. Pascal Kaufmann sagt: «Das Finanzielle soll keine Barriere sein. Alle sollen Sport machen und Basketball spielen können.» Genau diese Einstellung und Offenheit führte zum Luxusproblem, denn das polysportive Training am Mittwochabend ist fast ausgebucht.

Nebst der Integration leistet der BC Bären einen grossen Teil zur Bewegungsförderung im Kinderalter. Einmal pro Monat wird statt Basketball etwas komplett Anderes gemacht: Boxen, Vitaparcous, Leichtathletik. Und auch sonst wird auf eine breitgefächerte sportliche Ausbildung geachtet. Ambros Isler erklärt: «Die Kinder sollen sich noch nicht spezialisieren, sondern so breit wie möglich Sport machen.» Das soll den Kindern helfen, ein Leben lang Spass am Sport zu haben und in Bewegung zu bleiben.

Eigengewächse leben die Philosophie des Vereins vor

Den Erfolg der Philosophie zeigt sich auch im Vereinsmotto: «Einmal Bär, immer Bär». Es gibt viele Vorstandsmitglieder, die ehemalige Teddybären sind. Der Vizepräsident Ismail Mustafi, Vorstandsmitglied und Bärennachtverantwortlicher Michael Mark oder auch U15-Trainer Sebastian Escobar sind allesamt Eigengewächse. «Ismail und Sebastian waren schon als Junioren bei mir im Training. Die Eigengewächse leben unsere Philosophie. So war es möglich, zu so einem erfolgreichen Basketballklub zu werden, der mittlerweile der grösste der Nordwestschweiz ist und in der NLB spielt», sagt Kaufmann.

Auch in Zukunft möchte der Verein sowohl den Spitzensport als auch den Breitensport fördern. Dabei möchten die Bären aber unbedingt ihrem Grundgedanken treu bleiben: Die eigenen Spieler sollen irgendwann in der NLB spielen. Um den Teddybären das Männerbasketball näher zu bringen, gibt es jeden Sommer das Drei-gegen-Drei-Turnier «3x3 meets Teddybären». Dort spielen internationale Profi-Teams auf dem Messeplatz, um Punkte auf der 3x3-Tour zu sammeln. Parallel dazu spielen auch die Kleinen ein Turnier und können sich bei dieser Gelegenheit bei den Grossen so Einiges abschauen. Die Mission «from Teddy to Pro» steht dabei im Vordergrund. Der Verein hat mit seiner positiven Art inzwischen eine Art Kultstatus im Kleinbasel erreicht. Nicht nur für Pascal Kaufmann ist der BC Bären eine echte Herzensangelegenheit.

Interview mit einem Bären-Spieler der ersten Stunde und aktuellem U15-Trainer: Nachgefragt bei Sebastian Escobar

Sebastian Escobar ist stolz auf seinen Jugendverein.

Sebastian Escobar ist stolz auf seinen Jugendverein.

Was macht BC Bären aus?

Sebastian Escobar: Es ist sicher soziale Interaktion. Jeder im Verein ist zum gleichen Sinn und Zweck dort. Die soziale Gemeinschaft bildet sich über Jahre hinweg. Es ist also mehr als nur Sport, es ist eine Community und nicht nur ein Verein.

Wie bist Du damals eigentlich zum Klub gekommen?

Als Zwölfjähriger habe ich beim heutigen Bären-Präsidenten Pascal Kaufmann angefangen. Ich habe immer gerne Basketball gespielt. Den Auslöser weiss ich nicht mehr. Vielleicht der Film Space Jam von 1996 mit Michael Jordan. Mit Pascal stand ich später selber auf hohem Niveau auf dem Platz.

Dann beendete eine schlimme Verletzung deine Spielerkarriere ?

Ja. Nach sechs Knie-Operationen und vier Jahren an Krücken habe ich mich wieder als Trainer zur Verfügung gestellt. Wäre ich nicht verletzt gewesen, hätte ich nach wie vor auf hohem Niveau gespielt und wäre Trainer.

Wieso hast Du nie für einen anderen Verein gespielt?

Ich hatte keinen Grund zum Wechseln. Wir waren die beste Mannschaft in der Region. Ich war gesegnet mit super Trainern, die ich nicht verlieren wollte. Habe heute noch Kontakt mit ihnen, sind zusammen im Verein tätig. Es kristallisierten sich Freundschaften heraus. Es ist alles total familiär. Jetzige Trainer sind Kinder, die ich damals gecoacht habe. Kinder, die ich trainiert habe, spielen jetzt in der NLB. Das ist schön zu sehen. Das macht den Verein besonders.

Kannst Du Dir vorstellen, den Klub eines Tages zu verlassen?

Ich werde immer beim BC Bären tätig sein, auch wenn ich parallel noch andere Aktivitäten mache. Ich wurde auch schon wegen anderen Nachwuchs-Mannschaften als Coach angefragt. Das könnte ich parallel machen.

Was ist das verrückteste Erlebnis, das Du als Bären-Trainer hattest?

Da muss ich nicht lange überlegen. Es ist die aktuelle Situation mit dem Corona-Virus. So etwas gab noch nie. Der Spielbetrieb wurde komplett eingestellt.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest für den Klub, wie würde der lauten?

Sportlicher Erfolg, also dass es weiter geht wie bisher. Ambros Isler hat den Klub aus dem Nichts gestampft und es ist schön, dass wir nun der grösste StadtKlub sind, NLB spielen und hoffentlich irgendwann die beste Stadt-Mannschaft sein werden. Unsere Juniorenabteilung macht einen super Job. Und weil wir auch wirklich Jugend fördern und tiefe Mitgliederbeiträge und nicht Profi Verträge haben, bin ich zuversichtlich.

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