Natürlich ist am Donnerstagmorgen vor dem Training das 6:1 des FC Barcelona über den PSG auch in der Kabine des FC Basel das grosse Thema gewesen. «Dieses Spiel hat uns allen wieder einmal eindrücklich vor Augen geführt, was im Fussball möglich ist», sagt Manuel Akanji.

Nach der Übungseinheit nimmt er sich, frisch geduscht und bester Laune, Zeit für ein Interview. Der Einstieg ist gegeben, das Spiel des Jahrzehnts im Camp Nou bietet Diskussionsstoff à discrétion. Obwohl er nicht mehr an eine solch unfassbare Schlussphase geglaubt habe, sei er bis zum Abpfiff auf diesem Sender geblieben, sagt Akanji. «Die Pariser Spieler haben sich zu sicher gefühlt. Für mich ist es die einzige Erklärung dieses Debakels.»

Akanji hat nun innert kürzester Zeit gleich zweimal ein Spektakel erlebt. Mit ein paar Kollegen, auch Albjan Ajeti, der Basler Topskorer des FC St  Gallen, war dabei, hatte er sich nämlich zu Beginn der Woche ins Fasnachtsgetümmel gestürzt und seine Freude daran gehabt. «Ich bin jetzt zwar nicht der ganz grosse Fasnächtler, aber es war ein schöner Nachmittag und ich kann die Basler verstehen, wenn für sie diese Tage die schönsten im Jahr sind.»

Nur selten ungeduldig

Aber auch für den 21-Jährigen ist es gerade eine schöne Zeit. Nach einem Kreuzbandriss, erlitten vor einem Jahr im Training, ist er zurück im Team des Schweizer Meisters. In einem knappen Monat kommt es im Cuphalbfinal zum Duell mit seinem Stammklub FC Winterthur. Beim Comeback im Februar in Thun hatte Akanji so abgeklärt gespielt, als sei er nie weg gewesen. Er sagt, er sei nie wirklich «down» gewesen, habe sich mit seiner Situation arrangiert und selten nur Momente erlebt, in denen er ungeduldig war. Obwohl es für ihn hart war, in den Champions-League-Partien gegen Arsenal und den PSG nicht auf dem Platz zu stehen, sagt er: «Ich war immer positiv im Kopf.»

Gut sei dann gewesen, dass er noch vor Beginn der Winterpause ein Spiel mit der U21 in der Promotion League bestreiten konnte. «So bin ich mit einem guten Gefühl in die Ferien geflogen», sagt Akanji. London und Playa del Carmen hiessen die Destinationen. Während die englische Hauptstadt von Touristen überfüllt gewesen sei, habe er sich in Mexiko gut erholen und die vom FCB-Staff mitgegebenen Trainingsaufgaben erfüllen können.

Im Sommer 2015 war Akanji vom FC Winterthur nach Basel gekommen. Er beendete hier seine KV-Lehre und zeigte, wie drei Jahre zuvor Fabian Schär, dass es möglich ist, sich als junger Challenge-League-Spieler selbst beim grossen FCB durchzusetzen. An der Seite des berühmten Walter Samuel durfte er im Cup sein erstes Pflichtspiel absolvieren und von der riesigen Erfahrung des Argentiniers profitieren. Akanjis grosses Vorbild allerdings ist Bayern Münchens Jérôme Boateng, dessen magistrale Spielauslösung ihm besonders imponiert.

Viel geholfen hat Akanji während der langen Aufbauphase im vergangenen Jahr die Freundschaft mit Breel Embolo. «Er hat mich immer unterstützt», sagt der 1,87-Meter-Schlaks. Als Zeichen seiner Nähe zum Sturmtalent hat er beim FCB auf diese Saison hin Embolos Rückennummer 36 übernommen, nachdem dieser zu Schalke transferiert worden war. Als sich Embolo im Herbst dann auch verletzte, lag es nun an Akanji, dem Pechvogel eine moralische Hilfe zu sein. «Es passierte kurz vor meinem geplanten Besuch des Spiels Dortmund gegen Schalke», sagt Akanji. Immerhin hätten sie in der Folge, als Embolo zum Rehatraining in Basel weilte, viel Zeit miteinander verbringen können. «Bald steigt Breel ins Mannschaftstraining ein», hat Akanji gute Nachrichten aus Gelsenkirchen erhalten. Wie in seinem eigenen Fall ist er überzeugt davon, dass auch sein Freund mental gestärkt auf die Fussballbühne zurückkehren wird. Auf die Frage, ob er davon träume, dereinst einmal zusammen mit Breel in der Schweizer Nati aufzulaufen, geht Akanji aus Bescheidenheit nicht ein. «Ich fokussiere mich ganz auf meine Leistung beim FCB», sagt der Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers.

 
 

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