Wenn Laura Stähli heute Morgen in Johannesburg aus dem Flieger steigt, um erstmals in ihrem Leben südafrikanischen Boden zu betreten, kann sie dies mit viel Selbstvertrauen tun. Zehn Tage ist es her, da wurde die Baslerin Schweizer Meisterin im Degenfechten. Der Titelgewinn in Zug war ihr dritter in Serie. Mit ihren Kolleginnen von der Fechtgesellschaft Basel holte Stähli zudem Mannschafts-Gold. Auch wenn die 23-Jährige den Einzeltitel scheinbar abonniert hat, so war der neuerliche Triumph alles andere als selbstverständlich. Zieht man die Weltrangliste zurate, so ist Stähli die Nummer 4 der Schweizer Degenfechterinnen. Im Final schlug sie Pauline Brunner, die Schweizer Nummer 1 und 45 der Welt, klar und deutlich mit 15:9.

«Ich bin total zufrieden», sagt die amtierende Basler Sportlerin des Jahres. «Als Titelverteidigerin spürte ich natürlich viel Druck», so die Weltnummer 163. Das Ergebnis hat sie positiv überrascht. Mit dieser positiven Erkenntnis im Rucksack wartet nun der Weltcup in Johannesburg auf die Biologie- und Französisch-Studentin. «Der Titel verleiht mir Auftrieb; ein gutes Gefühl, das helfen soll», sagt Stähli, und fügt nach einer kurzen Pause an: «Der Weltcup ist natürlich ein ganz anderes Kaliber als eine Schweizer Meisterschaft.»

Johannesburg ist in der Tat ein spezielles Turnier. Hier fällt für die Frauen der Startschuss für die Olympia-Qualifikation. Nun gilt es, während eines Jahres Punkte zu sammeln für Rio 2016. Während vom Schweizer Männerteam die Olympia-Qualifikation fast schon erwartet wird, «braucht es bei den Frauen ein kleines Wunder», wie Stähli es formuliert. Die Schweizerinnen liegen auf Rang 17, die Männer auf Rang 3 der Weltrangliste.

Stählis Chancen für Montreux stehen gut

Für den olympischen Teamwettbewerb qualifizieren sich nur die vier besten Nationen der Welt und das nächstbeste Team pro Kontinent. Deshalb gilt der Fokus der Frauen viel mehr den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Aber natürlich wollen sich die Frauen im Jahr der Heim-EM (Montreux, 5.–11. Juni 2015) von ihrer besten Seite präsentieren.

Für Stähli geht es auch darum, ihre Form auf internationalem Parkett zu beweisen. Bereits vor den Schweizer Meisterschaften sagte sie: «An nationalen Turnieren läuft es mir gut, international dagegen weniger.» Erklärungen dafür hat sie mit ihrem Trainer schon vielfach gesucht. Fündig wurde sie nicht wirklich. «Vielleicht liegts am Mentalen, vielleicht ist im Jahr der Olympia-Qualifikation die Konkurrenz einfach zu stark.» Spannend dürfte unter diesen Voraussetzungen die Heim-EM in Montreux werden: ein internationales Turnier auf nationalem Boden. Ob Stähli für Montreux aufgeboten wird, ist allerdings noch offen. Schlecht stehen ihre Chancen sicher nicht.

Doch zunächst wartet Johannesburg. Nebst Stähli sind von der Fechtgesellschaft Basel auch Kim Büch und Alexandra Blum am Start. Zeitgleich tragen die Männer ihren Weltcup in Paris aus. Mit Max Heinzer, Benjamin Steffen, Florian Staub und Giacomo Paravicini ist die Fechtgesellschaft Basel gleich mit vier Athleten vertreten.