Seit über einem Monat bedrängen die griechischen Journalisten Simon Walter. Der FCB-Medienverantwortliche soll ihnen den Kontakt mit Konstantinos Dimitriou ermöglichen, dem 19-jährigen Griechen, der im Frühling vom FC Basel verpflichtet wurde. Aus der Nachwuchsabteilung von Paok Thessaloniki, dem heutigen Gegner der Basler in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation.

Aber Walter blockte sie alle ab, lediglich ein schriftliches Statement gab es für die griechische Presse. Man will das «Zukunftsprojekt» (so Trainer Raphael Wicky nach der Verpflichtung Dimitrious) unter geschützten Bedingungen zur Reife bringen. Für die BZ und andere ausgewählte Schweizer Medien machten Dimitriou und der FCB eine Ausnahme.

Trainingslager in Tegernsee. «Kostas», wie sie ihn alle nennen, kommt pünktlich zum Termin, der Blick schüchtern, der Handdruck fest. Es ist das erste Interview für den jungen Griechen in der Fremde, eines der ersten überhaupt. Denn in Griechenland interessierte man sich noch nicht wirklich für ihn. Das änderte sich erst nach der Auslosung am 19. Juni, als klar war, dass Paok auf den FCB trifft. Er stand zwar ein paar Mal im Aufgebot der ersten Mannschaft, aber gespielt hat Dimitriou nie.

Entdeckung am U20-Turnier

Er ist dort an eine gläserne Decke gestossen. So wie es vielen Nachwuchsspielern noch bis vor Kurzem auch beim FCB erging. Zwar würden viele griechische Klubs vorgeben, auf junge Spieler zu setzen, «aber davon habe ich nichts gemerkt», sagt Dimitriou. Als dann der FCB kam, habe er nicht lange gezögert. «Ich weiss, was für Spieler hier gespielt haben. Salah zum Beispiel. Oder Elyounoussi. Hier wissen sie, wie man junge Spieler entwickelt, die Voraussetzungen sind besser als in Griechenland.»

Entdeckt haben ihn die Basler an einem U20-Turnier auf Kreta. «Kostas» spielte dort mit der Nationalmannschaft gegen Rumänien, Russland und Gibraltar. Danach beobachteten die Basler den jungen Griechen in mehreren Spielen mit der U20 von Paok. Im März dann machte Dimitriou die medizinischen Tests und unterzeichnete den Vertrag.

«Für mich ist Basel das Fussball-Paradies»

Der erste Mensch, mit dem er beim FCB zu tun hatte, war CEO Roland Heri, später, als er im Mai erneut nach Basel kam, da habe er Fabian Frei kennen gelernt. «Ich fahre eigentlich immer mit ihm ins Training. Er ist wie ein Lehrer für mich, hat mir bei der Integration sehr geholfen», schwärmt der Innenverteidiger. Überhaupt meint er: «Für mich ist Basel das Fussball-Paradies. Niemand ist wütend auf mich, niemand eifersüchtig. Das war bei Paok ganz anders.»

Vielleicht lag es daran, dass ihn die Spieler dort als «das Kind aus der Akademie» wahrnahmen, wie er sagt. Er war gerade 13 Jahre alt, als er von Giannitsa, einer kleinen Stadt eine Autostunde westlich von Thessaloniki, in die Akademie kam. «Die ersten Nächte habe ich durchgeweint, aber ich bin so schneller zum Mann geworden», sagt er heute. Als er, 17-jährig, erstmals mit der ersten Mannschaft trainieren kann und auf Aleksandar Prijovic trifft, den in der Schweiz aufgewachsenen serbischen Nationalspieler und Paok-Stürmer, war er für ihn ein «grosser Star». Ein Mensch aus einer anderen Sphäre.

«Du bist ein toter Mann»

Fast wie Präsident Ivan Savvidis, in Griechenland auch ehrfurchtsvoll «Ivan der Schreckliche» genannt. In Georgien als Sohn pontischer Griechen geboren, studierte Savvidis in Rostow am Don, wo er anschliessend in der Tabakfabrik anheuerte und sich vom einfachen Arbeiter zum Boss hocharbeitete. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs schlug Ivan zu. Heute zählt er zu den 30 reichsten Russen. Böse Zungen behaupten, auch aufgrund seiner Nähe zu Präsident Wladimir Putin. Von 2003 bis 2011 für dessen Partei «Einiges Russland» Abgeordneter in der russischen Duma.

Als Savvidis 2012 Paok übernahm, tilgte er auf einen Schlag mehrere Millionen Schulden. Er habe den Klub zur Nummer 1 im Land gemacht, findet Dimitriou. Er verliert kein schlechtes Wort über ihn. Aber was ist anderes zu erwarten, wenn einer wie er über «Ivan den Schrecklichen» spricht? Über den Mann, der im März beim Spitzenkampf gegen AEK Athen mit einer Pistole um die Hüfte auf den Platz stürmte, als der Schiedsrichter kurz vor Schluss den vermeintlichen Siegtreffer von Paok aberkannte. «Du bist ein toter Mann», soll Savvidis dem Unparteiischen gesagt haben. Die Liga wurde darauf während dreier Wochen ausgesetzt.

Seinem Klub, Paok, wurden drei Punkte abgezogen. Das Kritischste, was Dimitriou über den Präsidenten sagt, ist, dass Paok sonst, also ohne den Punkteabzug, wohl Meister geworden wäre. «Er ist ein reicher Mann. Ich denke, er trug die Pistole, um sich zu schützen, nicht weil er jemanden erschiessen wollte», sagt Dimitriou. Man kann es nur hoffen.