Tanzen
Fünfzehn Frauen und ein Hahn im Korb

Im Training mit den Team Dancers. Das Basler Team wird die Schweiz im April an den Weltmeisterschaften in Helsinki vertreten. Dies ist auch der Grund, weshalb die zwanzig jungen Frauen und ein Mann Anzüge mit der Aufschrift «Suisse» tragen.

Gregory Mathys
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«Choktow», ruft die Trainerin der Team Dancers, Annekäthi Künzli, über die Kunsteisbahn Margarethen. Diese Übung im Kantenwechseln gehört zum viertelstündigen Warm-up ihrer Synchrontänzerinnen. In dieser Sportart werden Programme, wie man sie von Stéphane Lambiel kennt, gemeinsam ausgeführt. Das Basler Team wird die Schweiz im April an den Weltmeisterschaften in Helsinki vertreten. Dies ist auch der Grund, weshalb die zwanzig jungen Frauen und ein Mann - «Toni ist unser Hahn im Korb», sagt Künzli lachend - Anzüge mit der Aufschrift «Suisse» tragen. Den Sprung an die internationalen Wettkämpfe schafften sie im Kadervorlaufen konkurrenzlos, da sie diese Saison die einzige Schweizer Mannschaft in dieser Kategorie sind. Die Konsequenz daraus ist, dass die Läuferinnen aus dem ganzen Land nach Basel reisen, um ihren Sport auf hohem Niveau ausüben zu können.

Zurück zum Training, wo nach dem Aufwärmen die eigentliche Übungseinheit beginnt. Die Programme, welche seit Mai (gemeinsam mit der Trainerkollegin Monika Schneider) einstudiert werden, beinhalten ein Kurzprogramm und eine Kür. Zu den Klängen von «I Am What I Am» wird zunächst Ersteres gelaufen, dann wendet man sich der Kür zu. Zu Beginn absolvieren die Team Dancers den gesamten fünfminütigen Tanz. Danach erfolgt eine gemeinsame Analyse. «Was habt ihr gut gefunden, was nicht?», fragt Künzli in die Runde.

Nach eingehender Diskussion entscheidet man sich, eine kleine Änderung auszutesten. In dieser Sequenz dreht sich das Team in drei Reihen über das Eis, wobei nun ein neuer Griff ausprobiert wird. Einige Anläufe zeigen, dass er funktioniert, und Künzli entscheidet: «Ja, das machen wir jetzt so.» Danach werden andere Zwischenteile geübt, welche bisweilen fünfmal hintereinander wiederholt werden, wenn sie nicht wie gewünscht klappen. Immer wieder kommt das Team darauf zusammen und diskutiert Probleme und Verbesserungen. Neben dieser Einheit am Freitagabend trifft sich die Mannschaft am Montag und am Dienstag zum Training. Zudem feilen sie beinahe jedes Wochenende an ihrer Vorführung. «Wir trainieren etwa 500 Stunden pro Jahr», sagt Künzli. Dabei wird nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Halle und im Kraftraum gearbeitet.

Wer einmal eine Darbietung verfolgt, versteht den enormen Umfang. In hohem Tempo kreuzen die Läuferinnen, drehen sich synchron, heben sich in die Höhe und alle Bewegungen müssen aufeinander abgestimmt sein. Dies ist so beeindruckend, dass der Trainingsbeobachter trotz eingefrorener Füsse ein wenig enttäuscht ist, als die Einheit nach zwei Stunden beendet wird. Und sich darauf freut, das Team einmal in ihren Kostümen an einem Wettkampf zu bestaunen. Zum Beispiel an den Schweizer Meisterschaften am 22. und 23. Januar in Basel.