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Furioser Fight mit fatalem Fehler: Das 3:3 im Klassiker ist ein Spiel, das so schnell nicht vergessen gehen wird

Das 3:3 zwischen dem FC Zürich und dem FC Basel vereint alle Facetten des Fussballs – positiv wie negativ. Es ist ein Wahnsinnsspiel, das nicht so schnell vergessen werden wird. Und eine Regelstunde nach sich zieht.

Céline Feller
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Emotionen pur: Im zweiten Klassiker der Saison wird um jeden Meter und jeden Entscheid gekämpft.

Emotionen pur: Im zweiten Klassiker der Saison wird um jeden Meter und jeden Entscheid gekämpft.

Freshfocus

Fabian Frei ist ausser sich. «Kannst es ihnen sagen Pajtim!», schreit er in Richtung seines Mitspielers Pajtim Kasami, der gerade dabei ist, seine Emotionen gegenüber den Medienschaffenden in Worte zu fassen. «Das war kein Offside! Kein Offside!», schreit Frei. Laut, richtig wütend, wie man es beim sonst so besonnenen Spieler des FC Basel gar nicht kennt.

Mediensprecher Simon Walter und Kaderplaner Philipp Kaufmann versuchen, Frei zu beruhigen. «Ich bin ja gespannt, wer das schreibt!» legt Frei nach und verschwindet in den Katakomben. Auch von dort sind seine lautstarken Ausrufe noch zu hören. Kasami spricht schon zuvor von einem überforderten Schiedsrichter und nimmt schliesslich Freis Worte auf, sagt: «Wenn ich das höre, dann würde ich am liebsten...» und bricht ab.

Absichtliches Zuspiel des Gegner führt zu neuer Spielsituation

Diese Szene, die zu Freis Ausbruch führt, bewegt noch Stunden später, ja gar am Tag danach. Es geht um das aberkannte 4:2 des FCB in der 94. Minute. Nachdem der Treffer von Jordi Quintillà erst gegeben wird, greift der VAR ein und sagt, das Tor seie irregulär, weil ein Offside vorausgegangen war. Dass es ein Offside war, ist korrekt. Valentin Stocker steht im Fünfmeterraum im passiven Abseits, wäre dort abgepfiffen worden, wäre nichts auszusetzen gewesen.

Aber, und das ist der Punkt: Der VAR wertet eine Szene an der Mittellinie als Offside. Eine, bei welcher angeblich Sergio López zu weit vorne steht. Weil dieser jedoch nach einem absichtlichen Kopfball von Gegenspieler Akaki Gogia den Ball bekommt, entsteht eine neue Spielsituation und es ist kein Offside.

Dennoch wird der Freistoss dann an der Mittellinie ausgeführt statt am Fünfmeterraum, der FCZ kommt schnell vor das Basler Tor und erzielt das 3:3 in der 95. Minute. Dass es ein VAR-Fehlentscheid ist, bestätigt in der Folge Schiedsrichterchef Daniel Wermelinger gegenüber SRF.

Es ist die Szene des Spiels, welches die ohnehin schon hoch kochenden Emotionen in diesem Klassiker befeuern – und dessen sonstige Furiosität leider überschatten. Und es ist eine Szene, zu der FCB-Trainer Patrick Rahmen nach dem Spiel sagen muss:

«Das nervt. Dass Schiedsrichter nicht immer richtig liegen, okay. Aber dass der VAR so falsch entscheidet, damit habe ich Mühe.»

Und auch deshalb konstatiert Rahmen: «Für mich sind es zwei verlorene Punkte.» Das darf man aus Basler Sicht durchaus so sehen. Schliesslich trifft der FCB vor der Pause zwei Mal den Pfosten, geht im ganzen Spiel drei Mal in Führung. Erst durch ein Tor der Marke «Treffer des Jahres» von Arthur Cabral, der aus über 30 Metern abzieht und den Ball im Tor unterbringt.

Dann durch den ersten Ligatreffer von Dan Ndoye für den FCB zum 2:1. Und in der 63. Minute durch Liam Millar, der einschiebt. Die zwischenzeitlichen Ausgleiche resultieren aus Abwehrfehlern, einer immensen Druckphase der Zürcher gleich nach der Pause (1:1) und einem Eigentor Freis (2:2).

Eine der besten FCB-Leistungen seit längerem

Alleine die drei Treffer gleich nach Wiederanpfiff stehen sinnbildlich für dieses Spiel. Eines, das alles bietet, was der Fussball her gibt. Denn dieser Klassiker ist schlicht berauschend, emotionsgeladen, temporeich, intensiv, geprägt von gutem Fussball und starken Reaktionen beider Teams auf deren Cup-Outs unter der Woche.

Beim FCB darf man – vielleicht abgesehen von der Phase gleich nach der Pause und dem Abwehrverhalten beim 3:3 – von einer der besten Leistungen seit langem sprechen. Dass diese nicht belohnt wird, wiegt schwer. Weil der Einsatz und die Energie auf dem Platz mehr verdient gehabt hätten. Ebenso diese Griffigkeit und Galligkeit in den Zweikämpfen. «Es wäre mehr drin gelegen, auch wenn auch der FCZ ein tolles Spiel abgeliefert hat», resümiert Rahmen treffend.

Mehr wäre vor allem tabellarisch drin gewesen. Mit einem Sieg hätte der FCB den FCZ auf sieben Punkte distanzieren können. Immerhin aber wurde ein Punkt auf das sieglose YB gut gemacht. Es ist ein kleiner Trost nach einem faszinierenden Spiel, in dem sich der FCB mehr erhofft hatte. Und das so schnell nicht vergessen gehen wird.

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