10. Mai 2008

Gänsehaut trotz Corona: Der 19-jährige Valentin Stocker mutiert 2008 gegen YB zum Finalissima-Biest

Streller und Stocker treffen gegen YB in der Finalissima. Der FCB wird Meister.

Streller und Stocker treffen gegen YB in der Finalissima. Der FCB wird Meister.

In der fussballfreien Zeit präsentiert die bz in einer Online-Serie die zwanzig emotionalsten FCB-Spiele der letzten zwanzig Jahre. Spiel 4 findet im Mai 2008 statt. Am letzten Spieltag hat Basel einen Punkt Vorsprung auf YB. Es kommt im Joggeli zum Direktduell um die Meisterschaft. Hier sind die Bilder, die Highlights und der Matchbericht von damals. Mögen die Erinnerungen wieder aufgefrischt werden.

Die Bilder:

Die Highlights im Video:

FCB - YB 2:0, 10 Mai 2008

   

Das Telegramm:

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Das Zitat:

Der Matchbericht von damals:

Titel: Valentinstag im St.-Jakob-Park

Lead:Der 19-jährige Valentin Stocker schiesst den FC Basel in einer magischen Fussballnacht zum 12. Titel

Lausbubenstreich» statt «Morgenstraich»: Youngster Valentin Stocker vernaschte in der Finalissima von Basel die Young Boys praktisch im Alleingang. Ein Tor und ein Assist Stockers genügten dem gross auftrumpfenden FCB zum diskussionslosen 2:0-Sieg und zum 12. Titelgewinn der Vereinsgeschichte. Und: Dieser Stocker ist ein Mann für die Euro.

von Felix Bingesser (Basellandschaftlicher Zeitung)

Der Schweizer Nationalcoach Köbi Kuhn schaute sich gestern in Paris die ersten fussballerischen «Gehversuche» von Patrick Müller bei Lyons Reserven nach der langwierigen Verletzung an. Er verpasste ein grandioses Meisterschaftsfinale in einer wunderbaren Atmosphäre. Und er verpasste einen magistralen Auftritt eines jungen Mannes, der den FCB mit einem herrlichen Tor und einem genialen Assist zu einem 2:0-Erfolg gegen die Young Boys führte. Nicht nur der jüngste Basler zeigte keine Nerven. Die gesamte Mannschaft liess sich von den Geplänkeln im Vorfeld nicht irritieren und zeigte eine meisterliche Leistung, an deren Ende statt einem 2:0 auch ein 5:0 hätte stehen können.

Es war ja einmal der 13. Mai 2006. Seit der fatalen Niederlage gegen den FCZ und den anschliessenden Ausschreitungen sprach man in Zusammenhang mit dem FC Basel immer wieder von einem Trauma. «Eine traumatisierende Verletzung kann an sich sowohl körperlicher wie auch seelischer Natur sein. Zu einer psychischen Traumatisierung kommt es jedoch in beiden Fällen erst dann, wenn das Ereignis die psychischen Belastungsgrenzen des Individuums übersteigt und nicht adäquat verarbeitet werden kann.» Sagt der Duden dazu. Seit gestern wissen wir: Sollten die beiden letzten Jahre mit dem zweimaligen Verpassen des Titelgewinns in letzter Minute tatsächlich traumatische Schädigungen hinterlassen haben, so sind sie gestern Abend auf beeindruckende Weise therapiert worden.

Eine entscheidende Rolle spielte dabei der komplexlose Auftritt des jüngsten Spielers auf dem Feld. Valentin Stocker, der mit 16 Jahren von Kriens in die Nachwuchsabteilung des FCB wechselte, machte so etwas wie das «Spiel seines Lebens». Wie dieser junge Frechdachs die Berner Abwehr durcheinandergewirbelt hat, mit welcher Klasse er das 1:0 erzielt und das 2:0 vorbereitet hat, das war schlicht grossartig. Am Ende war er von Krämpfen geplagt. «Du kannst das Spiel entscheiden», habe ihm sein Vater per SMS geschrieben, so Stocker nach dem Spiel. Mit 19 hört man auf die Ratschläge des Vaters. Stocker tat wie geheissen und führte den FCB zum Triumph. Er ist in den letzten Wochen so aufgetreten, dass er eigentlich zu einem Thema für Nationalcoach Köbi Kuhn werden müsste. Vor zwei Jahren wirbelte in Deutschland ein gewisser David Odonkor in den letzten Spielen und rutschte ins WM-Aufgebot von Jürgen Klinsmann. Es war nicht zum Schaden von Deutschland.

Das Basler Fussballimperium hat zurückgeschlagen. Insgesamt ist der FCB sowohl logischer wie auch verdienter Meister. Eine besondere Genugtuung ist der Titel auch für Trainer Christian Gross, dessen Situation in Basel in den letzten Monaten zunehmend schwierig geworden ist. Inwieweit der Gewinn des Double aufgerissene Wunden zu heilen vermag und ob Gross, dessen Vertrag noch ein Jahr weiterläuft, in Basel bleiben wird, werden die nächsten Tage zeigen. Klar ist: Basel ist wieder die Hauptstadt des Schweizer Fussballs. Es ist eine würdige Fussball-Hauptstadt. Daran bestehen spätestens seit dem gestrigen Abend nicht die geringsten Zweifel. Das weiss auch Gigi Oeri, die ihren ersten Meistertitel als Präsidentin feiert.

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