22. September 2011

Gänsehaut trotz Corona: Der wohl beste Auswärtsauftritt in der Champions League bringt dem FCB in Manchester ein 3:3

Hier trifft Alex Frei per Penalty zum 3:2 gegen Manchester United.

Hier trifft Alex Frei per Penalty zum 3:2 gegen Manchester United.

In der fussballfreien Zeit präsentiert die bz in einer Online-Serie die zwanzig emotionalsten FCB-Spiele der letzten zwanzig Jahre. Spiel 8 findet im September 2011 statt. Trotz eines 0:2-Rückstands spielt der FCB im Old Trafford mutig nach vorn und führt kurz vor Schluss durch Tore von Frei, Frei und Frei gar mit 3:2. Hier sind die Bilder, die Highlights und der Matchbericht von damals. Mögen die Erinnerungen wieder aufgefrischt werden.

Die Bilder:

Die Highlights im Video:

Das Telegramm:

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Das Zitat:

Der Matchbericht von damals:

Titel: Das Wunder von Manchester verpasst

Lead:Der FC Basel erreicht in der Champions League bei Manchester United ein 3:3

von Markus Brütsch (bz)

Es war zum wahnsinnig werden und ausflippen in einem. 3:2 lag der FC Basel im Old Trafford in der letzten Minute noch vorne. Mit einer unglaublichen Moral hatte er einen in der ersten Halbzeit eingehandelten 0:2-Rückstand nach der Pause durch Fabian und Alex Frei (58./60.) egalisiert und dann knapp eine Viertelstunde vor dem Ende durch einen von Marco Streller herausgeholten und Alex Frei verwandelten Penalty das 3:2 erzielt. Die 1500 mitgereisten Basler Fans trauten ihren Augen ebenso wenig wie die Anhänger der Gastgeber, die solches kaum je erlebt hatten.

Doch Manchester United wäre nicht Manchester United, hätte es in der letzten Minute der regulären Spielzeit nicht noch den Kopf aus der Schlinge gezogen. Der eingewechselte Nani schlug eine Massflanke, die Champions-League-Debütant Ashley Young mit dem Kopf zum 3:3 verwandelte. Dass vier Minuten später – Danny Welbeck hatte noch das sicher scheinende 4:3 für ManUnited vergeben, bis der italienische Schiedsrichter Paolo Tagliavento endlich abpfiff – kein Basler Spieler mehr das 3:3 bejubelte, war verständlich. Auch wenn zuvor natürlich jeder für ein 3:3 unterschrieben hätte.

Das beste Spiel aller Zeiten?

Man sollte mit Superlativen ja vorsichtig sein. Und doch sei es in die Welt hinausposaunt: Trotz des letztlich entgangenen Triumphs hat der FC Basel vielleicht die beste Leistung gezeigt, die ein Schweizer Klubteam je abgeliefert hat. Er sorgte für eine Sternstunde und schrieb Fussballgeschichte. Dieses 3:3 bei ManUnited ist im Ranking der wertvollsten Schweizer Ergebnisse dem 1:0 des FC Zürich vor zwei Jahren bei der AC Milan, dem 2:0 von GC 1978 gegen Real Madrid, dem 1:0 von YB 1959 gegen Reims und dem 3:1 der Basler im letzten Jahr bei der AS Roma sowie dem 3:3 gegen Liverpool vor neun Jahren gleichzusetzen. Ein 3:3 in jenem Stadion, in dem ManUnited von den letzten 32 Champions-League-Spielen nur eines, 2009 gegen Besiktas Istanbul, verloren hatte.

Wie versprochen hatten die Basler nicht mit offenen Mäulern den Gastgebern nur staunend bei ihrer Fussballkunst zugeschaut. Sie waren von Anfang an bestrebt gewesen, nach vorne zu. Dass sie indes so schnell zu einer so grossen Chance kommen würden, hätten sie wohl selber nicht gedacht. Noch bevor ManUnited nämlich das erste Mal «pieps» machte, hätten die Basler bereits führen können. Doch Fabian Frei schoss nach einem exzellenten Zuspiel von Marco Streller übers Tor (5.). Und zwanzig Minuten später hatte Alex Frei die noch grössere Chance. Nach einem erneut starken Pass von Streller schob der Schweizer Totschützenkönig den Ball in bester Abschlussposition am Tor vorbei (26.).

Allerdings: Es wäre lediglich der Anschlusstreffer gewesen, denn zwischenzeitlich hatte Manchester auf Fabian Freis Warnschuss mit einem Doppelschlag des jungen Welbeck reagiert, der zu Saisonbeginn mit dem gestern verletzt fehlenden Wayne Rooney ein grossartiges Angriffsduo gebildet hatte. Innerhalb einer Minute hatte er zwei Vorlagen von Ryan Giggs zum 1:0 und 2:0 (16./17.) genützt.

Doch offensichtlich hatte der englische Meister nach den beiden Toren geglaubt, jetzt hätte er Ruhe und könnte allmählich ans Premier-League-Spiel vom Samstag gegen Norwich denken. Die dritte hochkarätige Chance der Schweizer, die Streller nach der Pause solo vor dem spanischen Jungstar David de Gea – der Goalie reagierte mit einer Fussabwehr – vergab, war den Engländern offensichtlich noch immer nicht Warnung genug, die Gäste wirklich ernst zu nehmen. Was sich am Ende bitterlich rächen sollte. Oder zumindest fast.

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