Super League
GC und FCB trennen sich torlos – ein Erfolg für Yakin, ein Bremser für Wicky

Ihre Wege haben sich immer wieder gekreuzt. Zuletzt am Samstagabend. Nur irgendwie schienen ihre Rollen vertauscht.

Sébastian Lavoyer
Merken
Drucken
Teilen
Murat Yakin (r.) bleibt als Trainer der Grasshoppers weiterhin ungeschlagen – gegen Raphael Wicky (l.) und dessen FC Basel gibt es ein torloses Unentschieden.

Murat Yakin (r.) bleibt als Trainer der Grasshoppers weiterhin ungeschlagen – gegen Raphael Wicky (l.) und dessen FC Basel gibt es ein torloses Unentschieden.

KEYSTONE

Hier Raphael Wicky (40), Trainer des FC Basel, dem Krösus der Liga, dem Mass der Dinge während der letzten Jahre. Da Murat Yakin (43), Trainer von GC, dem Rekordmeister, der längst nur noch ein Schatten alter Tage ist. Hier Glamour, da graue Maus. Hier Wicky, da Yakin?

Sie spielten zusammen im Nationalteam, der Walliser Mittelfeldstratege (1995 bis 2008) und der Basler Abwehrchef (1994 bis 2004) mit Offensivdrang. Der eine bekannt für seine Querpässe und seine humorlose Präzision, der andere für seinen wuchtigen Schuss und seinen nicht gerade überbordenden Trainingseifer.

Yakin mehr Tore als Wicky

Obschon er in der Verteidigung spielte, erzielte Yakin (4) in der Nationalmannschaft mehr Tore als Wicky (1), der Mann in der Reihe vor ihm. So wenig Tore über Menschen sagen, so sind diese Zahlen doch irgendwie exemplarisch für die beiden heutigen Trainer. Der extravagante Verteidiger und der eher biedere Mittelfeldlenker. Keine Frage, auf wen die Kameras meist gerichtet waren.

Am Samstagabend aber ist alles anders. Da stehen nach diesem hart umkämpften 0:0 zwischen GC und Basel die beiden Trainer im Presseraum des Letzigrund. Wicky von Journalisten umlagert, Yakin nebenan im Vieraugen-Gespräch.

Katerstimmung im Joggeli

Drei Tage sind vergangen seit dem berauschenden Auftritt des FC Basel in der Champions League gegen den portugiesischen Meister. Doch nach der Party im Joggeli herrscht im Letzigrund nach diesem zähen 0:0 Katerstimmung.

Nicht, weil der FCB schlecht gespielt hätte. Er zeigt sich kämpferisch, dominant. Aber eben doch zu wenig zielstrebig, zu fehlerhaft, zu träg phasenweise. Auch weil GC defensiv eine Leistung zeigt, die auch nach Yakin-Massstab «gut» war. «Für unsere Moral war es wichtig, dass wir kein Tor gekriegt haben», sagt der GC-Trainer.

Yakin bei GC weiter ungeschlagen

Gleichzeitig trauert Yakin den drei Grosschancen nach, die sein Team gleich zu Spielbeginn innert weniger Sekunden vergibt. Bahoui scheitert am Pfosten, Andersen an Vaclik und Lavanchy an Akanji. «Wenn wir effizienter und entschlossener wären, wäre es auch für Basel schwieriger», sagt Yakin. Aber letztlich ist er zufrieden. 0:0 gegen Basel, das ist für dieses doch eher unerfahrene und junge Team ein Erfolg. Und Yakin bleibt auch im fünften Spiel als GC-Trainer ungeschlagen.

Die Sorgenfalten auf Wickys Stirn dagegen sind tiefer geworden. Nachdem Basel gegen Benfica Topskorer Ricky van Wolfswinkel verlor, muss gegen GC mit Renato Steffen der nächste Leistungsträger vorzeitig und verletzt (Sprunggelenk rechts, Diagnose ausstehend) unter die Dusche.

Auswahl bescheiden

Ob der FCB für den Holländer noch Ersatz holt (bis Montagmittag möglich), bleibt offen. Da nur Spieler aus der Schweiz oder ohne Vertrag infrage kommen, ist die Auswahl doch sehr bescheiden. Umso wichtiger wäre es gewesen, dass man den Schwung der vergangenen Tage, den Schwung aus den Siegen gegen FCZ (1:0) und Benfica (5:0) in die Länderspielpause hätte nehmen können.

Bewegt wie die vergangenen Tage des FCB war auch die Trainer-Karriere von Murat Yakin. Er begann im Nachwuchs von GC, trainierte Frauenfeld, Thun, Luzern, Basel und versuchte sich nach seinem Rausschmiss beim Serienmeister in Russland (Spartak Moskau). Seit Januar ist er wieder in der Schweiz tätig, erst in Schaffhausen, seit fünf Spielen bei Partnerklub GC.

Wicky dagegen liess sich mehr Zeit. Als Yakin den FC Thun trainiert und Wicky 2009 seine Karriere beendet, hospitiert er bei Martin Schmidt, dem heutigen Wolfsburg-Trainer, im Nachwuchs der Berner Oberländer.

Er darf mit Yakin und dem Team der ersten Mannschaft in der Winterpause mit ins Trainingslager in die Türkei. Später verdient er sich seine Sporen im Nachwuchs von Servette und Basel ab. Seit Sommer ist er Trainer der ersten Mannschaft des FC Basel, sein erster Posten im Profi-Betrieb. Er beginnt ganz oben. Die Karriere bis jetzt ziemlich gradlinig.

Wegweisende Wochen

Doch während Yakin der Erfolg – wenigstens in der Schweiz – an den Fersen zu kleben scheint, durchlebte Wicky bei Basel harte erste Wochen. Krisenstimmung nach einem Monat ohne Sieg und zwei Niederlagen in Folge.

Dann der Sieg gegen den FCZ und der glänzende Auftritt gegen Benfica. Plötzlich war das Vertrauen in das gewagte Konzept der neuen Führung, den neuen Trainer und das Team zurück.

Friede nur von kurzer Dauer

Doch Wicky weiss selbst am besten, dass dieser Frieden nur von kurzer Dauer ist. Wegweisend werden die Wochen nach der Natipause sein. Mit den zwei Champions-League-Spielen gegen ZSKA Moskau, den Meisterschaftspartien gegen Lugano, Thun und Zürich.

Das 0:0 gegen GC ist für ihn zwar kein Rückschritt, aber doch ein Bremser. Yakin dagegen darf es als Erfolg verbuchen. So gross sind die Gegensätze.