Analyse

Gefangen im Zwiespalt: Eine FCB-Saison der zwei Gesichter

Vor allem gegen kleinere Mannschaften musste der FC Basel einige Enttäuschungen einstecken.

Vor allem gegen kleinere Mannschaften musste der FC Basel einige Enttäuschungen einstecken.

Der FC Basel beendet die Saison 2019/2020 auf dem dritten Rang. Es ist eine Saison, in der die Mannschaft zwei Gesichter zeigt, analysiert Sportredaktorin Céline Feller.

Als sich Jonas Omlin am Abend des 1. Juli im Stadio Cornaredo erklären soll, ist er nicht gut gelaunt. Er ist leicht grantig, ziemlich patzig, und nicht zum Spassen aufgelegt – und damit alles andere, als er sonst ist. 1:2 hat der FC Basel gegen Lugano verloren, und Omlin ist bedient. Er spricht davon, dass seine Mannschaft erneut gegen ein tief stehendes Team keine Lösungen gefunden habe. Dass man sich des Problems bewusst sei, man aber schlicht nicht wisse, wie man das ändern solle. «Wüsste ich es, wäre ich der Trainer.» Punkt, und weg ist er.

Als sich Jonas Omlin am Abend des 11. Juli im Joggeli erklären soll, ist er bester Laune. Er grinst, spricht ausführlich und macht Spässchen –  und ist damit so, wie man ihn kennt. 3:2 hat der FC Basel gegen YB gewonnen, und Omlin versprüht die Freude nach einem Sieg gegen den Meister. Er spricht von einem guten Spiel seines Teams und der Wichtigkeit des Vollerfolgs. Noch ein Lächeln, und weg ist er.

Die beiden Gemütslagen des Basler Goalies stehen symbolisch für eine Saison des FCB, die als Saison der zwei Gesichter, als Saison des Zwiespalts, in die Annalen eingehen wird. Da sind die rauschenden Siege über YB beziehungsweise St. Gallen. Und da sind die historischen Niederlagen bei Sion oder Lugano. Letztere stehen stellvertretend dafür, nie die Chance genutzt zu haben, wenn YB oder St. Gallen patzte. Diverse Male hätten die Basler profitieren können, die nicht mehr so konstanten Young Boys abfangen und überholen oder am spektakulären FCSG vorbeiziehen können.

Aber die Basler nutzten keine dieser Gelegenheiten, und waren sie noch so günstig. Stattdessen präsentierte sich der FCB in der Meisterschaft 2019/2020, welche mit dem 0:0 gegen Luzern gestern ihren Abschluss fand, vor allem als Meister der Inkonstanz und des Unvermögens. Und als Spezialist dafür, stets das zu tun, was Verfolger, Fans und Verantwortliche am wenigsten erwartet hatten. In der Summe resultierte daraus der dritte Platz. Es ist die schlechteste Rangierung seit der Saison 2008/2009 und ein kleiner, aber logischer Rückschritt. Als der FCB vor elf Jahren an diesem Punkt war, war die Zeit des Trainers –  Christian Gross, dem Lehrer des heutigen Trainers Marcel Koller –  abgelaufen und waren die Strukturen in der Führung nicht das, was sie in den goldenen Meisterjahren zwischen 2010 und 2017 waren. Und damit weist diese Konstellation erschreckende Ähnlichkeiten zur diesjährigen Ausgabe auf.

Aber es liegt nicht nur an diesen Parallelen. Die Darbietungen des FCB haben viele Ursachen. Die Unruhen rund um den Klub sind die immer noch am schwersten wiegende Komponente. Die nie ganz ad acta gelegte Trainerposse widerspiegelte sich in Leistung und Unverständnis der Hauptakteure. Die Lohndiskussionen, die nur bis Januar gesicherte Liquidität und eine nicht nachvollziehbare Transferpolitik taten ihr Übriges. Wer einen Verein im Glauben führt, Abgänge nicht kompensieren zu müssen, aber an allen Zielen festhalten zu können, demonstriert Naivität im Fussballbusiness. Und bekommt die Quittung in Form von Leistungsschwankungen, wenn für abgewanderte Leistungsträger Super-League-Debütanten einspringen müssen.

Es ist aber mitnichten nur die fragwürdige Führung des Vereins, welche ihren Einfluss auf das Endresultat in dieser Meisterschaft hat. Es liegt auch an einer Mannschaft, die sich selber immer wieder im Weg stand. Mit zahlreichen, dummen Unsportlichkeiten hat sich die Equipe über die ganze Saison hin immer wieder selber geschwächt, sich ihrer Breite und Qualität beraubt. Die Mannschaft hat aber auch daran gekrankt, dass nur die grossen Spiele Motivation genug waren, um über die Leidensgrenze zu gehen. Wenn Spieler im Anschluss an grosse Siege sagen, man wolle YB und St. Gallen unbedingt schlagen, gegen den Rest aber einfach nicht verlieren, wirft dies Fragen auf. Fragen nach einer Mentalität, die nicht zu jedem Zeitpunkt über jeden Zweifel erhaben ist. Und es sind Anzeichen, dass es neue Impulse braucht. Denn das Kader wird nicht breiter und der finanzielle Etat nicht grösser werden. Es benötigt frisches Blut auf, aber auch neben dem Platz. Es braucht wieder Gier und Geilheit auf Siege und Tore, auch wenn die Gegner Thun oder Lugano heissen.

Aber vorher muss sich der Klub überlegen, was er will. Was seine Ziele sind und wie diese erreicht werden sollen. Starrköpfig von Titeln zu sprechen, aber immer weniger dafür bereitstellen zu wollen, macht die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität immer grösser. Diese Diskrepanz lässt sich nicht mehr kaschieren. Nicht nach dieser Saison .

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