Mit fast 700 Leuten ist der Metro-Saal im Grand Casino Basel voll besetzt. Und die Zuschauer, die am Samstagabend zur vierten «Night of Boxing» gekommen sind, kommen auf ihre Kosten. Das liegt zum einen an Faton «El Vulcano» Vukshinaj. Der Basler Mittelgewichtler treibt David Bauza acht Runden lang durch den Ring. Die Frage nach dem Sieger ist somit schnell beantwortet, doch die Widerstandsfähigkeit des Tschechen, der einfach nicht zu Boden gehen will, bringt diesem den Respekt des Publikums ein. «Unglaublich, wie viele Schläge der ’gefressen’ hat», meint ein beeindruckter Besucher.

«Ich habe wirklich alles versucht, aber mein Gegner wollte einfach nicht K.o. gehen», sagt Vukshinaj bei seiner Siegesrede. Dieser Makel ist aber minimal, denn der 27-Jährige wird schnell einmal humoristisch – «es war ein harter Kampf – für meine Fäuste und seinen Kopf! – und euphorisch: «Merkt euch meinen Namen, denn ich werde Weltmeister!»

Kurzfristig eingesprungen

Ein Mann der grossen Worte ist Arnold Gjergjaj hingegen nicht. Doch der Prattler schafft es im anschliessenden Schwergewichtskampf, Mirko Tintor mehrfach auf die Bretter zu schicken. Der 136-Kilo-Brocken aus Bosnien-Herzegowina ist relativ kurzfristig eingesprungen, weil der ursprüngliche Gegner, der Venezolaner Pedro Martinez, die nötigen Papiere nicht rechtzeitig erhalten hat. «Es ist paradox, aber dadurch haben wir einen stärkeren Gegner erhalten», sagt Marc Hänggi. Der «Night of Boxing»-Organisator bezeichnet Tintor ausserdem als «Kopie von Sean Turner». Gegen den Iren hatte Gjergjaj vor Jahresfrist verloren und anschliessend die Fortsetzung seiner Karriere in Frage gestellt.

Der Fight gegen den Bosnier ist ein taktischer. Die 106,8 Kilogramm schwere «Cobra» ist nicht nur deutlich leichter und wirkt auch so. Er tänzelt um den «Fels» aus Sarajevo, der sich um die eigene Achse dreht und vereinzelt auszuteilen versucht. «Ich bin seiner Schlaghand gut ausgewichen. Dass man hin und wieder getroffen wird, ist normal – schliesslich sind wir hier im Schwergewicht», analysiert der gebürtige Kosovare anschliessend und findet: «Ich habe meine Aufgabe gemacht!»

Das Ziel des 34-Jährigen, möglichst viele Schläge ins Ziel zu bringen, klappt mit zunehmender Dauer immer besser. Den ersten richtigen Treffer landet er in Runde 2, in Durchgang 3 lässt er ein paar weitere folgen. Mirko Tintor ist nur noch in der Defensive und hält die Fäuste vors Gesicht, doch Gjergjajs Hiebe finden immer wieder ihren Weg durch die Deckung.

Die Geschichte weiterschreiben

In der vierten Runde bröckelt der Widerstand weiter, der 31-Jährige wird zweimal angezählt. Als der Bosnier nach einem harten Hieb in die Magengegend zum dritten Mal auf den Knien ist, beendet Ringrichter den einseitigen Kampf. «Ich hatte stets die Kontrolle, der Puls ging nie über 150», freut sich der verdiente Sieger, der das neue Jahr kaum erwarten kann. Denn geht es nach Gjergjaj, kämpft er 2019 um einen Titel. «Wir wollen die Geschichte weiterschreiben, lasst euch überraschen», verkündet er den Fans.

Dass sich der Schwergewichtler ein Stück weit neu erfunden hat, führt er auf die Tatsache zurück, dass er in diesem Jahr eine Zusammenarbeit mit Mentaltrainer Jörg Wetzel begonnen hat. «Zuerst dachte ich: ’Bullshit, ich brauche doch keinen Sportpsychologen!’», gibt Arnold Gjergjaj zu, mittlerweile ist seine Ansicht eine komplett andere: «Es war genau das, was ich gebraucht habe. Nach 18 Jahren im Boxsport musste ich etwas ändern.»

Es sind teilweise banale Kleinigkeiten, die nicht unbedingt sportlicher Natur sind, mit denen er mittlerweile anders umgeht. Auch die Grundstimmung, mit der er den Ring betritt, ist eine neue: Die Freude am Sport hat die Angst vor der Niederlage abgelöst. «Boxen findet zu 90 Prozent im Kopf statt», ist Gjergjaj überzeugt. Den Umkehrschluss, lange Zeit nur mit zehn Prozent geboxt zu haben, lässt er unkommentiert und lächelt.