Wer hätte das gedacht? Jean-Paul Brigger (59) wird der neue starke Mann beim FC Basel. Geschäftsführer und Verwaltungsratsmitglied in der Personalunion. Vertreter des FCB gegen innen und aussen, gegenüber Fans und Fussballverbänden gleichermassen. Ein Walliser also. Ein weiterer Walliser, muss man sagen. Denn auch Bald-Präsident Bernhard Burgener hat Wurzeln im Wallis. Genauso wie Trainer Raphael Wicky. Sie werden in zentraler Funktion für die Umsetzung der Strategie «Für immer Rot-blau» verantwortlich zeichnen, jener Strategie, die den FCB seinen Fans wieder näher bringen soll, mehr Eigengewächse gleich mehr Identifikation, so die Hoffnung.

Herr Brigger, der FC Sion hat zwar den Cupfinal verloren, aber künftig wird der FCB ja fest in Walliser Hand sein.

Jean-Paul Brigger: Ach, Sie dürfen das nicht überbewerten. Schauen Sie, wer den Verein sportlich führt: Marco Streller, Massimo Ceccaroni und Alex Frei. Das sind Männer, die sehr viel geleistet haben für den FCB. Für Basel ist es schlicht genial, dass solche Leute jetzt dem Verein vorstehen. In meinen Augen ist der FCB relativ fest in Basler Hand.

Sie wurden mit dem FC Sion viermal Cupsieger. Jetzt gehen Sie zu dem Klub, der den Mythos – nach zuvor 13 Finalsiegen in Serie – zerstört hat. Können Sie sich im Wallis noch blicken lassen?

Ich habe als Spieler immer gesagt, dass ich es nicht erleben möchte, wenn der FC Sion mal einen Cupfinal verliert. Zu sehr fürchtete ich die Reaktion der Fans. Aber das ging ja nun alles weitestgehend friedlich über die Bühne. So hat es mir wenigstens mein Sohn erzählt, der beim Final war. Ich selbst konnte in Genf nicht dabei sein, weil ich am Youth Cup in Zürich war.

Jean-Paul Brigger gewinnt mit Sion den Cup.

Jean-Paul Brigger gewinnt mit Sion den Cup.

Warum blieb es denn verhältnismässig ruhig?

Das Spiel war zu eindeutig, der Sieg mehr als verdient. Basel hat ja offenbar sogar die lauteren Fans gehabt. Das muss man auch eingestehen können. Und so sind die Walliser: Sie haben «eins auf den Grind» gekriegt, aber dann geht es weiter. Ich werde keine Probleme haben, ins Wallis zurückzukehren. Ich glaube die Menschen dort, werden eher stolz sein, dass einer von ihnen, diese Aufgabe gekriegt hat.

Zurück zu Ihrer Zukunft beim FCB: Sie würden verantwortlich gemacht, wenn es nicht laufen sollte. Sie geben Ihren sicheren Fifa-Job (Leiter Technische Entwicklung, d. Red.) auf und begeben sich quasi auf den Schleudersitz. Warum?

Das ist wie bei einem Elfmeter, wenn man eine solche Chance kriegt, dann muss man sie packen. Ich bin derzeit sehr viel unterwegs, auf der ganzen Welt. Das ist kein Schleck und mit zunehmendem Alter auch immer anstrengender. Deshalb spiele ich seit ein paar Jahren mit dem Gedanken, wieder vermehrt in der Schweiz zu arbeiten.

Dann ist es eher Zufall, dass Sie beim FCB gelandet sind?

Nein, mit Sicherheit nicht. Schauen Sie, früher kannte man im Ausland GC. Wenn ich heute sage, dass ich aus der Schweiz komme, werde ich auf den FCB angesprochen. Der Verein hat einen riesigen Stellenwert im internationalen Geschäft. Das hat die Wahl einfach gemacht.

Wie kam es eigentlich zum Kontakt mit Burgener?

Er hat mich kontaktiert und wir haben uns in der Woche nach dem Sechseläuten (nach dem 24. April, d. Red.) zu einem Gespräch getroffen. Er sagte mir, dass er einen Vertrauensmann brauche.

Sind Sie das? Kannten Sie sich vorher schon?

Ja, wir hatten lose Kontakt. Haben uns immer wieder bei Anlässen getroffen, miteinander geredet. Die Chemie zwischen uns stimmte von Anfang an. Ich kannte ihn nicht allzu gut. Aber Bernhard Burgener ist ein Macher – und zugleich sehr zurückhaltend. Ich habe immer gedacht: ‹Madonna, der könnte anders auftischen.› Aber mir gefällt es, wie er sich im Hintergrund hält.

Gutes Stichwort: Sie werden im Vordergrund stehen, Sie werden verantwortlich gemacht. Keine Angst vor den hohen Erwartungen?

Der Respekt vor der Aufgabe ist sicher gross. Aber noch grösser ist die Freude. Wir haben ein tolles Team, hervorragende Leute, die viel geleistet haben. Wenn wir diese Energie zusammenbringen, kommt das sehr, sehr gut. Gemeinsam können wir Berge versetzen.

Sie sagten, dass Sie viel unterwegs sind. Wo versetzen Sie gerade Berge?

(Lacht) Ich bin unterwegs von Daejon nach Suwon in Südkorea. In meiner Funktion bei der Fifa. Eben habe ich den Halbfinal der U20-WM zwischen Uruguay und Venezuela gesehen. Erstmals schaffte es Venezuela in einen Final, dank einem Sieg im Penaltyschiessen. England und Italien machen derzeit den zweiten Finalisten aus und ich mache mich gleich daran, mit Marco van Basten und Pablo Aimar das Turnier in technischer Hinsicht auszuwerten.

Haben Sie einen Spieler gesehen, der für den FCB interessant sein könnte?

Ich höre sie gerade sehr schlecht, die Verbindung ist wackelig (lacht). Im Ernst: Das ist die Aufgabe von Marco Streller und seinen Leuten.