Fussball
Georg Heitz über den China-Wahnsinn: «Das ist völlig absurd!»

FCB-Sportdirektor Georg Heitz nimmt im Interview mit der Nordwestschweiz Stellung zum Transfer-Wahnsinn in China, deren Einfluss auf die Schweiz und Gerüchten um Jean-Paul Boëtius.

Sébastian Lavoyer
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FCB-Sportdirektor Georg Heitz über die aktuelle Transferperiode

FCB-Sportdirektor Georg Heitz über die aktuelle Transferperiode

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Was halten Sie vom Transfer-Wahnsinn in China?

Georg Heitz: Es ist immer schwierig, Ferndiagnosen zu machen. Ich weiss ja nicht, ob die Zahlen stimmen. Aber was kolportiert wird, ist völlig absurd. Und mit Sicherheit der falsche Ansatz. Sie würden das Geld besser in die Ausbildung investieren und einzelne grosse Namen dazu holen.

Welchen Einfluss haben diese Transfers auf den europäischen Markt?

Die chinesischen Mannschaften holen in der Regel Spieler von grossen Klubs. Diese haben nun noch mehr Geld und damit Möglichkeiten. Bis jetzt hat sich das auf den europäischen Markt noch kaum ausgewirkt. Aber das wird kommen in den nächsten Wochen und Monaten. Dann wird auch Dynamik in die kleineren Ligen kommen.

Warum ist der Transfermarkt in der Schweiz dieses Jahr so ruhig?

Es ist sehr, sehr ruhig in der Schweiz, das ist richtig. Aber das war in den letzten Wintern häufig so und liegt wohl an den beschränkten Möglichkeiten. Im Winter gibt es selten ein Schnäppchen zu holen, oft werden Transfers zu dieser Zeit eher aus der Not getätigt oder um einen Abgang im Sommer vorzeitig zu kompensieren. Das können sich die meisten Klubs in der Schweiz nicht leisten. Der FCB, YB und Sion bilden diesbezüglich eine Ausnahme in der Schweiz. Wir waren letzten Winter überdurchschnittlich aktiv, holten mit Sporar, Kutesa und Fransson gleich drei neue Spieler.

Erwarten Sie noch Abgänge beim FCB?

Es ist immer möglich, dass sich etwas tut. Im Fussball kann es wahnsinnig schnell gehen. Das gehört zum Geschäft. Wir müssen jederzeit mit einem Abgang rechnen und haben eigentlich auf jeder Position schon einen Spieler im Auge, den wir bei Bedarf versuchen würden zu uns zu holen.

Sie telefonieren viel hier in Marbella, sprechen mit Agenten. Wie kommt das?

Es ist tatsächlich so, dass es derzeit viele Berater hier in Südspanien hat. Das hat seine Logik, innerhalb von 50 Kilometern trainieren hier mindestens 20 Mannschaften. So nah ist sich Europas Fussball selten.

Worum geht es in den Gesprächen?

Sie wollen wissen, welche Interessen wir haben, sind am Vorsondieren, was wir im Sommer allenfalls brauchen werden. Sie klären Bedürfnisse ab.

Ihr Kader ist aber gross genug. Derzeit dürften Sie ohnehin höchstens einen in der Schweiz ausgebildeten Spieler holen. Gleichzeitig gibt es aber Gerüchte über Abgänge. Zum Beispiel um Jean-Paul Boëtius.

Mir ist nur ein Gerücht bekannt. Eindhoven soll er angeboten worden sein, das muss aber erstens nicht stimmen, und zweitens könnte er, falls es doch stimmt, auch von anderen Beratern als seinen offiziellen angeboten worden sein. Es ist ja klar, dass er nicht zufrieden sein kann, weil er nicht so häufig zum Einsatz kam.​