Interview

Geschäftsführer FVNWS Pascal Buser: Warum das Los über die nächste Saison entscheidet

Pascal Buser während der Arbeit auf der Geschäftsstelle des FVNWS in Pratteln.

Pascal Buser während der Arbeit auf der Geschäftsstelle des FVNWS in Pratteln.

Pascal Buser, Geschäftsführer des Fussballverbandes Nordwestschweiz, erzählt über die Entscheidung des Saisonabbruchs, die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs und das Bewerbungs- und Losverfahren der potenziellen Aufsteiger.

Seit letzter Woche ist bekannt, dass die Fussballsaison der Amateurligen definitiv abgesagt wird. War die Entscheidung für Sie persönlich eine Erleichterung?

Pascal Buser: Eine Erleichterung ja, weil man jetzt endlich Klarheit hat. Gleichzeitig ist es auch eine Enttäuschung, weil es keine sportlichen Entscheidungen gab.

Gab es Rückmeldungen aus den Vereinen bezüglich dem Abbruch der Saison?

Ja, wir hatten Rückmeldungen. Der grösste Teil begrüsste den Entscheid. Der verpasste Teil seit dem Lockdown konnte nicht mehr nachgeholt werden. Es gab natürlich auch ein, zwei kritische Meldungen von Vereinen, die sportlich auf dem Weg zum Aufstieg waren. Diese hätten die Saison gerne abgeschlossen oder sich zumindest eine Wertung gewünscht.

Die Möglichkeit eines Aufstiegs besteht in wenigen Fällen trotzdem, da es in gewissen Ligen Rückzüge gab. Beispielsweise den CD Espanol Basel in der 3. Liga oder den FC Arlesheim oder den FC Black Stars aus der 4. Liga. Wer übernimmt diese Plätze?

Wir vom Verband haben entschieden, eine komplette Neumeldung der Mannschaften für die neue Saison 2020/2021 durchzuführen. Durch die Rückzüge gäbe es bereits Anfang der nächsten Saison Lücken in den Tableaus. Wir möchten dies vermeiden und haben den Vereinen entsprechende Lösungen für diese Fälle präsentiert.

Was für eine Lösung ist das konkret?

Es ist fast unmöglich, hier ein Verfahren zu wählen, das allen Vereinen und Bedürfnissen gerecht werden kann. Man kann kein rein sportliches Kriterium nehmen. Wir führen deshalb Losverfahren durch. Konkret heisst es, dass sich gewisse Mannschaften für diese Nachrückplätze bewerben können. Dann wird per Los entschieden, welche Mannschaft eine Liga höher eingeteilt wird. Das genaue Verfahren wurde den Vereinen gestern kommuniziert.

Wie sieht es aus beim Basler Cup?

Alle acht Teams, die noch im Wettbewerb waren, kommen in ein Losverfahren, in dem der regionale Platz im Schweizer Cup 2020/2021 ermittelt wird.

Ist das die fairste Lösung?

Ja, es ist insofern fair, dass es keine sportlichen Kriterien gibt, um zu entscheiden, welches die richtige Mannschaft wäre. Von dem her ist das Los zwar das unsportlichste Kriterium von allen, aber das einzig noch mögliche.

Wann findet dieses Losverfahren statt?

Die Auslosung für die Cupwettbewerbe nehmen wir am 15. Mai vor. Für die Plätze in den Ligen wird es später sein.

Der Saisonstart ist auf den 22./23. August terminiert. Ist dieser Starttermin realistisch?

Wir haben versucht, alles ein wenig zu straffen und ein bisschen später zu starten. Wir hoffen wie alle, dass im August wieder der normale Spielbetrieb gewährleistet werden kann. Eine Garantie gibt es in diesen Zeiten allerdings nie.

Dürfen die 30 Nasen, die in der 4. Liga zuschauen, also dies ab August auch wieder tun?

Der Fussball lebt auch von Drumherum und den Klubbeizen. Wir hoffen, dass bis dahin Klarheit herrscht, ob Spiele mit geringen Zuschauermengen durchgeführt werden können. Der Entscheid des Bundesrates zu Veranstaltungen bis 1000 Personen steht noch aus und wird am 27. Mai erwartet.

Wie sieht es finanziell aus, wenn weiterhin keine Einnahmen generiert werden. Könnte es sein, dass sich Vereine deshalb auflösen müssen?

Wir gehen davon aus, dass die Vereine in der Region relativ solide aufgestellt sind und diese Situation überstehen werden. Bisher sind wir von keinen Vereinen kontaktiert worden, die in existenzbedrohenden finanziellen Schwierigkeiten sind.

Wie sieht es aus mit Black Stars, die einen Antrag auf Hilfe beim Bund gestellt haben? Ist es ein grosser Verlust, sollten sie Insolvenz anmelden müssen?

Ja, der FC Black Stars mit der ersten Mannschaft in der Promotion League ist natürlich neben dem FC Basel 1893 ein Aushängeschild für unsere Fussballregion. Beim Bund sind nur Gesuche von Sportverbänden und –vereinen aussichtsreich, wenn die Zahlungsunfähigkeit bevorsteht. So gesehen ist die Lage gewiss bedrohlich. Wir hoffen, dass der FC Black Stars jede Unterstützung erhält, die er fürs Überleben benötigt.

Wie sieht die finanzielle Lage beim FVNWS aus durch den Wegfall der Bussen der Rückrunde? Muss man die nächsten Jahre sparen?

2020 wird ein Jahr sein, das einen Einschnitt in die Finanzstruktur bringt. Aber wir sind nach aktuellem Stand nicht existenziell bedroht und hoffen, in der Summe mit einem blauen Auge rauszukommen.

Ab nächster Woche darf das Training unter gewissen Auflagen wieder starten. Die Auflagen dieses Schutzkonzeptes sind unter anderen die Bälle nicht mit den Händen zu berühren, keine Kopfbälle, kein Spucken, zwei Meter Abstand. Ist dies im Fussball überhaupt umsetzbar?

Fussball ist ein Kontaktsport und ein Mannschaftssport. Die Auflagen erlauben nur eine kontaktlose Trainingsart, was eigentlich nicht dem Fussball entspricht. Für die Vereine ist es schwierig, weil es infrastrukturell und für die Verantwortlichen eine Herausforderung ist.

Lohnt sich dieser ganze Aufwand überhaupt für die Vereine?

Grundvoraussetzung ist, dass Gemeinden und Kanton – insbesondere Basel-Stadt mit seinen staatlichen Sportanlagen- die Sportinfrastruktur wieder öffnen. Sollte eine Anlage offen sein, gibt es ein Musterschutzkonzept des SFV, das allen Vereinen zugestellt wurde. Das sollte Basis für den Trainingsbetrieb bilden. Die Entscheidung, ob der Verein das für seine Mitglieder anbieten will, liegt bei ihm selbst. Nur mit dem Schutzkonzept ist es erlaubt, den Trainingsbetrieb aufzunehmen und umzusetzen.

Laut Daniel Koch sind Kinder weniger ansteckend. Wäre es somit wünschenswert, wenn Kinder „normaler“ trainieren könnten als die Erwachsenen?

Ja, es wäre sicherlich wünschenswert, wenn man das differenzieren könnte und in den Bestimmungen gewisse Anpassungen für Kinder und Jugendliche machen könnte. Das aktuelle Schutzkonzept sieht das nicht vor. Wir hoffen aber, dass die Einschränkungen auf Kleingruppen nur für einen bestimmten Zeitraum gilt und ab dem 8. Juni eventuell weitere Lockerungen durch den Bundesrat ermöglicht werden.

Gerade für die Junioren ist dieser Unterbruch ein Einschnitt in der Entwicklung und im Selektionsprozess. Auch kann das ganze fussballerische Niveau darunter leiden. Wie sehen Sie das?

Bei der Ausbildung der Junioren fehlt ein halbes Jahr, in welchem sie sich weiterentwickeln und gefördert hätten werden können. Was dies für Auswirkungen auf das Niveau hat, ist schwierig zu sagen. Vielleicht ist es eher auf individueller Basis zu spüren. Aber ich bin überzeugt, dass talentierte Fussballer das wettmachen können, wenn sie wieder normal trainieren können und dürfen. Der Selektionsprozess für unsere Stützpunkte wird von unseren technischen Abteilungen gerade neu definiert.

Könnte man die vergangenen Wochen als die schwierigste Zeit für sie als Geschäftsführer bezeichnen?

Es war eine Zeit, die eine grosse Herausforderung für uns alle war. Ja, diese Situation wünscht man sich in meiner Lage sicherlich nicht. Fussball ist für die meisten die schönste Nebensache und für mich ist es etwas ganz Tolles, in diesem Bereich tätig zu sein. Vom dem her hat mir der Fussball in der Region sehr stark gefehlt.

Wie geht es nun weiter mit dem Fussball in der NWS?

Wir hoffen, dass sich die ganze Situation insofern beruhigt, dass man die kommende Saison wieder mit vollem Elan in Angriff nehmen kann und wieder Freude daran hat, auf dem Fussballplatz und in den Clubhäusern zu sein. Wir nehmen das positive Gefühl und die positive Gesinnung, dass es weitergeht, mit und hoffen, dass wir eine tolle kommende Saison unter möglichst normalen Umständen erleben dürfen.

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