Mountainbike
Gibt wieder Vollgas: Katrin Leumann hat für diese Saison einiges verändert

Neuer Trainer, neue Trainingsmethoden, neues Material und neu als Profi unterwegs. Wie gut die Riehenerin in Form ist, will die 31-Jährige am Ostermontag beim Auftakt der Bundesliga zeigen, wo sie in Bad Säckingen starten wird.

Fabio Baranzini
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Fühlt sich jeder Herausforderung gewachsen: Katrin Leumann beschreitet in diesem Jahr ganz neue Wege.

Fühlt sich jeder Herausforderung gewachsen: Katrin Leumann beschreitet in diesem Jahr ganz neue Wege.

KEYSTONE

Im Januar hat die Europameisterin von 2010 nach viereinhalb Jahren ihre Stelle als Kindergärtnerin in ihrer Wohngemeinde Riehen aufgegeben und setzt voll auf die Karte Sport. Ist das nicht ein bisschen spät? «An der Weltspitze gibt es eine grosse Spannweite, was das Alter betrifft. Von 20 bis 40 ist alles dabei. Klar wäre ich gern früher Profi geworden, aber das lag finanziell nicht drin», erklärt die 31-Jährige. Dank der Unterstützung der Sporthilfe des Kantons Basel-Stadt und ihrem Team «Ghost Factory Racing» kommt sie jetzt über die Runden.

So hat Leumann mehr Zeit zum Trainieren. Jeden Tag absolviert sie zwei Einheiten. Morgens stehen Ausgleichssport und Krafttraining auf dem Programm, am Nachmittag schwingt sie sich in den Sattel. Doch nicht nur das Trainingspensum hat sich verändert, auch die Inhalte sind anders. Der Grund dafür ist ihr neuer Coach Nicolas Siegenthaler.

Der Bieler ist der persönliche Trainer von Olympiasilber-Gewinner Nino Schurter und wurde letztes Jahr mit dem «Swiss Olympic Coach Award» ausgezeichnet. «Nach der zehnjährigen Zusammenarbeit mit Andi Seeli brauchte ich neue Reize. Zudem will ich mich im Kraftbereich verbessern und auf diesem Gebiet ist Nicolas einer der fortschrittlichsten Trainer in der Schweiz», erklärt Leumann.

Unter der Leitung von Siegenthaler beschreitet die Baslerin vor allem im Fitnessbereich neue Wege. Sie muss jonglieren und arbeitet mit Hula-Hoop-Reifen und Gymnastikbällen. «Ich komme mir vor wie im Zirkus, wenn ich im Kraftraum trainiere», meint Leumann lachend. Sie fügt aber an, dass die Inputs eine willkommene Abwechslung seien.

Doch die neuen Trainingsmethoden machen nicht nur Spass, sie tragen auch bereits erste Früchte. Beim Saisonauftakt Anfang März hat Leumann die Gesamtwertung des «Sunshine Cup» in Zypern gewonnen. «Ich habe gemerkt, dass ich in den Aufstiegen mehr Kraft umsetzen konnte. Das liegt auch am neuen Bike, das grössere Räder hat», erklärt Leumann. Aber auch in den Abfahrten registrierte sie Verbesserungen. Sie sitzt stabiler im Sattel und ist flexibler als früher. «Das zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Den Sieg in Zypern will ich aber nicht überbewerten, denn viele Fahrerinnen befanden sich noch im Aufbau», relativiert sie ihren Erfolg.

Wie gut Katrin Leumann tatsächlich in Form ist, wird sich am Ostermontag beim Auftakt der Bundesliga zeigen, wenn sie in Bad Säckingen starten wird. Das Ziel ist klar: Eine Klassierung in den ersten fünf soll es werden, wenn es gut läuft gar ein Platz auf dem Siegertreppchen. «Ich habe die Strecke letzten Samstag getestet. Sie ist sehr schön gebaut und hat technisch schwierige Passagen drin. Allerdings sind die Aufstiege ein wenig kurz», so die Kletterspezialistin.

In diesem Saison gibt es für Leumann zwei Höhepunkte, bei denen sie in Topform sein will: Die Heim-Europameisterschaft im Juni in Bern und drei Monate später die Weltmeisterschaft in Südafrika. Beides sind jedoch nur Zwischenziele auf dem Weg zu ihrem grossen Traum: Eine Olympiamedaille in Rio. «In Athen habe ich Erfahrungen gesammelt und in London hätte ich ohne den Defekt ein Diplom geholt. Es ist daher logisch, dass bei der dritten Teilnahme eine Medaille das Ziel ist», sagt sie. Im Sport lässt sich bekanntlich nichts planen, aber mit den jüngsten Veränderungen hat sich Katrin Leumann optimale Bedingungen geschaffen, um ihren Traum Realität werden zu lassen.