Rollhockey
Golden Goal für die Katalaninnen

Nicht unerwartet standen sich mit Voltregà und Gijón die beiden weltbesten Teams im Finale gegenüber. Die Katalaninnen setzten sich gegen die Spanierinnen vor enthusiastischen 250 Anhängern in der Verlängerung durch.

Georges Küng, Friedlingen
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Im Halbfinal unterlag Friedlingen mit Adeline Le Borgne (l.) gegen Pati Voltregà und Anna Romero (r.) mit 2:10. Juri Junkov

Im Halbfinal unterlag Friedlingen mit Adeline Le Borgne (l.) gegen Pati Voltregà und Anna Romero (r.) mit 2:10. Juri Junkov

Der gastgebende RHC Friedlingen, wiewohl als Verein erst zwei Jahre jung, wurde erwartungsgemäss Turniervierter. Im Halbfinale war der Schweizer Meister gegen Voltregà chancenlos und verlor klar mit 2:10 (1:5). Der Abgang zweier Leistungsträgerinnen führte dazu, dass mit Franziska Hohmann eine 14-jährige Spielerin im Stammquartett auflief. Und obwohl «Fränzi» körperlich ihren Rivalinnen um zwei Köpfe und bis zu 25 Kilogramm unterlegen war, schlug sich die Weilerin beachtlich. Spannender war der zweite Halbfinal, den Gijón gegen Arenys de Munt mit 2:1 (1:1) für sich entschied. Damit verhinderte der letztjährige Champions-League-Gewinner aus Asturien ein rein katalanisches Endspiel.

Der Club Pati Voltregà wurde am 1. November 1955 gegründet und ist einer der traditionsreichsten Rollhockey-Vereine auf der iberischen Halbinsel. Sant Hipòlit de Voltregà ist ein Städtchen mit 3500 Einwohnern im Hinterland von Barcelona, wo sich alles um Rollhockey dreht. Der CP Voltregà reiste mit einer enthusiastischen Anhängerschaft an, drei Lokalradio-Reporter übertrugen das Endspiel live und in voller Länge in die Heimat. Wer nicht gerade ins Mikrofon schrie, feuerte die Spielerinnen an und rügte Ref-Entscheide gegen den CP Voltregà.

Während sich Voltregà aus lauter einheimischen Akteurinnen zusammensetzt, ist Gijón universaler. Starker Rückhalt seit sieben Jahren ist Christina Klein, die deutsche Nationaltorwartin. Und mit der Argentinierin Luchi Agudo spielt eine der weltbesten Rollhockeyanerinnen, die schon mal als der «Lionel Messi des Frauen-Rollhockeys» bezeichnet wurde, bei Gijón. Die Spanierinnen gingen durch Sara González (13.) in Führung.

Diesem Rückstand rannte der Favorit Voltregà, das im spanischen Cupfinale Gijón gleich mit 7:0 von der Piste gefegt hatte, bis zur 41. Minute nach. Es war Natascha Lee vergönnt, den Ausgleich zu erzielen. Auch nach 50 Minuten stand es 1:1, sodass das «Golden Goal» (oder maximal eine zweimal fünfminütige Verlängerung) über den Titelgewinn entscheiden musste. Bereits nach 16 Sekunden konnte Gijón einen Strafstoss schiessen. Agudo scheiterte an Voltregà-Schlussfrau Laia Vives.

Besser machte es Carla Giudici (25), die nach genau 95 Sekunden einen Penalty schiessen durfte. Die Katalanin mit italienischem Papa trickste Gijón-Schlussfrau Klein aus und markierte das Golden Goal, das dem CP Voltregà den ersten Champions-League-Titel einbrachte.

Im Spiel um Platz 3 hatte der RHC Friedlingen nochmals einen ganz starken Auftritt. Gegen den spanischen Vizemeister Arenys de Munt verlor der Gastgeber, der mit einer superben Turnierorganisation aufwarten konnte, nur mit 3:5 (1:3), wobei die Französin Adeline Le Borgne die auffälligste Spielerin war.