Eigentlich hätten an der ausserordentlichen Generalversammlung am Dienstagabend die Weichen für die Zukunft gestellt werden sollen. Sportlich ist OB in der Krise: Die erste Mannschaft wurde aus der Promotion League mit zwei Abstiegen in Folge direkt in die 2. Liga interregional durchgereicht. Dazu hat der Klub erhebliche Finanzsorgen. Durch den sich anbahnenden Rückzug des jahrzehntelangen Mäzens Paul Suter und dem Ausbleiben diverser Solidaritätsbeiträge ist ein Loch von 200'000 Franken entstanden. Eine Findungskommission hatte in den letzten zwei Monaten Lösungsvorschläge für die zukünftige modernere Vereinsstruktur und die Finanzierung des Klubs erarbeitet. Diese Pläne stellte die Kommission an der GV vor.

Plan war, Budget der 1. Mannschaft nicht zu kürzen

Die Mitgliederbeiträge wären gleichgeblieben, das Budget der 1. Mannschaft auch. Neue Einnahmequellen hätten durch ein attraktiveres Sponsoringprogramm oder eine nicht näher definierte Unterstützung des FC Basel generiert werden sollen. Ausgaben könnten unter anderem durch die von Basel-Stadt für alle Klubs in Aussicht gestellte geringere Platzmiete gesenkt werden. Laut Angaben der Findungskommission wäre ein Minus von 80'000 Franken übrig geblieben. Um auch dieses Restdefizit zu decken, arbeitete die Kommission nach eigener Aussage Ideen im Umfang von 250'000 Franken aus, die aber sicher nicht alle voll umgesetzt werden könnten. Zur Not hätte der Club aber auch noch auf Rückstellungen von 50'000 Franken zurückgreifen können.

Auch die Führungsstrukturen hätten modernisiert werden sollen. Statt wie bis anhin ein Viergestirn aus Präsident, Vizepräsident, Finanzchef und Geschäftsleiter war eine siebenköpfige Geschäftsleitung vorgesehen, dank der die Aufgaben auf mehr Schultern hätten verteilt werden können. Doch an der GV in der vollbesetzten Klubbeiz kam es zum Eklat, wie Teilnehmer der bz berichteten.

Stefan Koller: Präsident für 30 Minuten

Der zum neuen Präsident vorgeschlagene Stefan Koller erreichte in der ersten Wahl noch das Absolute Mehr. Doch dann äusserte Rafet Öztürk, der aktuelle Leiter der Geschäftsstelle und Mann für alles bei OB, Vorbehalte gegen den vorgeschlagenen alten und neuen Vizepräsidenten Tobias Meier. Pikant: Öztürks Ende Juni auslaufender Vertrag wurde aufgrund der Sparmassnahmen nicht verlängert.

Öztürk wirft Meier vor, die 1. Mannschaft im Stich zu lassen. Meier habe an einer Vorstandssitzung gesagt, die 1. Mannschaft sei zu teuer, der Klub könne sie sich nicht mehr leisten und am besten solle man sie auflösen. Daraufhin ergriff auch der Beschuldigte das Wort. Meier bestätigte, diese Aussage gemacht zu haben. Sie sei aber nicht mehr aktuell und zu einem Zeitpunkt entstanden, als OB finanziell schon einmal am Anschlag gewesen sei. 12 von 13 Anwesenden seien an der Sitzung damals seiner Meinung gewesen. Mittlerweile sei Meier aber zusammen mit dem vorgeschlagenen neuen Vorstand der Meinung, die 1. Mannschaft ohne finanzielle Einbussen möglichst rasch wieder in die 1. Liga zu bringen.

Applaus für die Nicht-Wahl

Trotzdem wurde Meier im Anschluss nicht gewählt. 33 Nein-Stimmen, standen 33 Ja-Stimmen gegenüber. 46 Stimmberechtigte enthielten sich. Für das Absolute Mehr hätte Meier 57 Stimmen benötigt. Die Gegenstimmen kamen von einigen Altgedienten vom Stammtisch, den ersten beiden Aktivmannschaften und einem Teil der Frauenmannschaft. Als das Ergebnis feststand, gab es Applaus. Durch die Nicht-Wahl von Meier entschieden sich nach einer kurzen Besprechungspause auch Koller und der vorgeschlagene Finanzchef Martin Mülhaupt, ihre eigene Wahl nicht anzunehmen.

Dieser Schritt kam für viele überraschend. Vorab hatten sie nicht mitgeteilt, dass sie ihre Ämter nur als Trio oder gar nicht antreten würden. Doch für Koller, der seit rund zehn Jahren in unterschiedlichen Funktionen bei OB tätig ist, gab es keine andere Möglichkeit. Am Mittwoch sagte er zur bz: «Es ist eine demokratische Entscheidung und deswegen keine persönliche Niederlage für mich. Aber ich bin der Meinung, dass OB mit seinen aktuellen Strukturen zu fest von einigen Wenigen abhängig ist.» Koller stört auch die Art und Weise, wie Teile der Mitglieder mit verdienten Vorstandsmitgliedern wie Tobias Meier, der 20 Jahre lang als Funktionär alles für OB gegeben habe, umgehen. «Für das neue Konstrukt wäre ich gestanden. Wenn der Verein dieses nicht umsetzen will, stehe ich nicht zur Verfügung.»

Interims-Leitung kürzt Budget der 1. Mannschaft

Durch die Nicht-Wahl von Meier steht OB plötzlich ohne Führung da. Die Folge waren an der GV teilweise tumultartige Diskussionen. Koller, Meier und Mülhaupt wurde ihre Verbandelung – alle spielen bei den OB-Senioren – vorgeworfen. Ein Antrag der ersten Mannschaft, Zemri Demiri als Vizepräsidenten zu installieren, wurde wegen des Rückzugs der anderen obsolet. Auch der bisherige Präsident Beat Fläcklin konnte nicht zum Weitermachen überredet werden.

Irgendwann stand OB-Ehrenpräsident Balz Heusler auf und schlug vor, eine Interims-Geschäftsführung einzusetzen. So soll der Klub handlungsfähig bleiben, bis eine neue Vereinsspitze gefunden ist. Dieser Vorschlag fand eine Mehrheit. Ex-OB-Vizepräsident Niggi Kägi und Ex-Sportchef Christian Schmid stehen nun in der Verantwortung. Öztürk, der eigentliche Auslöser des Ganzen, wird den beiden in seiner Funktion als Leiter der Geschäftsstelle weiterhin zur Verfügung stehen.

«Wir wollen das Beste für den Verein und müssen den freien Fall stoppen», sagt Schmid. Er betont genauso wie Kollege Kägi, dass sie von den Geschehnissen an der GV überrascht wurden. Persönlich hätten beide nichts gegen Meier, doch wenn eine Mehrheit gegen ihn stimmt, müsse man das akzeptieren. Bis Ende Jahr soll die Interimsleitung eine neue Vereinsführung finden. Primär muss aber erst mal das Finanzloch gestopft werden. Deswegen wird es laut Schmid und Kägi sicherlich zu Budgetkürzungen bei der 1. Mannschaft kommen - anders also als es der Plan der Findungskommission vorgesehen hatte. Inwieweit die angedachten Deals der Kommission auch nach der Nicht-Wahl der vorgeschlagenen Spitze gelten, steht in der Sternen.

Mäzen will kein Geld mehr zahlen

Mäzen Paul Suter, der ebenfalls mit kritischen Voten auffiel, sagte im Anschluss an die GV: «Stand jetzt gibt es von mir wie geplant kein Geld mehr. Ich werde aber natürlich mit der Interims-Leitung zusammensitzen und mir ihre Pläne anhören. Etwas ist für mich klar: Das Budget der ersten Mannschaft muss wesentlich gekürzt werden. Anders geht es nicht.»