Fast 600 Kilometer Luftlinie trennen Paris und Lugano. Und ähnlich gross ist der Spagat für den FC Basel, wenn er am Mittwoch im Parc des Princes und am Samstag im Cornaredo ranmuss. Das belegt die Vergangenheit. Letzte Saison verlor der FC Basel in Cup und Meisterschaft bloss sechs Spiele, zwei davon direkt nach einem Spiel auf internationaler Bühne. So setzte es nach dem 2:0-Auswärtssieg gegen Belenenses am 5. November 2015 eine 2:3-Heimpleite gegen die Grasshoppers ab. Und nach dem 1:0 in Posen schieden die Basler nach Penaltyschiessen im Cup gegen Sion aus.

Auch diese Saison tat sich Basel schwer nach den Auftritten in der
Königsklasse. Nach dem 1:1 gegen Ludogorets mühte sich der FC Basel zu einem mageren 1:0 im Cup gegen Erstligist Zug. Die Darbietung war so schlecht, dass Urs Fischer danach «angesäuert» meinte, einige Spieler hätten ihn in der Kabine wohl noch nie so erlebt wie nach diesem Spiel. Und nach der Londoner Lehrstunde beim 0:2 gegen Arsenal musste Basel in dieser Saison erstmals Federn lassen, spielte nur 1:1 gegen Schlusslicht Thun. Noch grösser als der Ärger über den Auftritt seiner Mannschaft machte Urs Fischer damals wohl bloss, dass er seine Spieler wegen der Nati-Pause erst anderthalb Wochen mit ihrer Leistung konfrontieren konnte.

Zurück im Alltag

Von der Glimmerwelt der Königsklasse in den Alltag der Super League. Als Nächstes trifft der FC Basel also auf den FC Lugano, Sechster in der Super League mit nur zwei Punkten Rückstand auf Platz 2 und damit auf Lausanne. Luca Zuffi sagt: «Wir müssen das Champions-League-Spiel gegen Paris möglichst schnell vergessen.» Zeit zum Trauern bleibt nicht. Passé ist passé. Mittwoch: Pleite gegen Paris. Donnerstag: Rückreise und Training. Freitag: Training und Abreise nach Lugano. Morgen Samstag ist Matchtag.

Dem Trainer kommt bei diesem Spagat eine zentrale Rolle zu. Das weiss auch Urs Fischer. «Müdigkeit ist entscheidender Faktor», gibt er zu bedenken. Nicht nur wegen des zusätzlichen Spiels, sondern auch aufgrund der ganzen Reiserei. Fischers Schluss: «Ich werde den einen oder anderen Wechsel vornehmen, frisches Blut bringen. Gleichzeitig geht es darum, nicht allzu viel zu wechseln. Es soll nicht eine komplett neue Mannschaft auf dem Feld stehen.»

Eine ganze Startelf zu wechseln wie im Cup gegen Zug, käme Fischer nicht in den Sinn. «Wir nehmen Lugano sehr ernst», sagt er. Aber bestimmt wäre es die Gelegenheit, einem Marek Suchy mal eine Verschnaufpause zu gönnen, für einmal Daniel Höegh neben Eder Balanta auflaufen zu lassen. Taulant Xhaka könnte man durch Alexander Fransson ersetzen. Sturmspitze Marc Janko lechzt nach einem Spiel von Beginn an, und er hat für Österreich in der Länderspielpause getroffen. Und warum nicht mal Birkir Bjarnason oder Renato Steffen eine Pause geben und dafür ausprobieren, was Andraz Sporar auf dem Flügel kann?

Mit vier bis fünf Wechseln ist zu rechnen. Trotzdem könnte es gut sein, dass das für Lugano kein Vorteil ist. Denn während die ersten beiden Auftritte in der Champions League eher deprimierend waren, können die Basler aus Paris viel Positives mitnehmen. «Aber so einfach ist das nicht. Jeder muss das auch für sich verarbeiten, solche Niederlagen schmerzen», gibt Fischer zu bedenken.

Zugleich können solche Auftritte aber auch sehr motivieren. Fragt man zum Beispiel Serey Die, wie er nach einem solchen Auftritt im Blitzlicht-Gewitter auf Alltag umstellt, sagt er: «Wenn man ein Spiel wie jenes in Paris verliert, ist man automatisch wieder heiss aufs Gewinnen. Wir müssen gegen Lugano nur unsere Arbeit machen, dann können wir es auch wieder geniessen.»