Grosses Ziel, grosses Opfer

Hoch hinaus: Roman Gisi schuftet für seinen Traum von Olympia.

Hoch hinaus: Roman Gisi schuftet für seinen Traum von Olympia.

Roman Gisi verzichtet zugunsten der WM auf die heute beginnende EM in Berlin Kunstturnen

Fabian Kern

Manchmal muss man einen Schritt zurück machen, um vorwärtszukommen. Roman Gisi hat das vor der heute beginnenden Europameisterschaft in Berlin eindrücklich demonstriert. Seine Nicht-Nomination, die auf den ersten Blick verwundert, stört ihn nicht, ja kommt ihm gar entgegen. «Ich habe das mit meinen Trainern angeschaut. Wenn ich mit an die EM gefahren wäre, dann wäre ich auf dem gleichen Niveau stehen geblieben», sagt der Seltisberger. Und stehen bleiben ist das Letzte, was der ehrgeizige Kunstturner will.

Gisi denkt in einem grösseren Rahmen. Sein erklärtes Ziel ist die Teilnahme mit der Mannschaft am olympischen Mehrkampf in London 2012. Darauf richtet der 25-Jährige alles aus. Um sich für London zu qualifizieren, muss die Schweiz an der Weltmeisterschaft Ende dieses Jahres unter die besten acht Nationen kommen. Belegen die Eidgenossen einen der Plätze 9 bis 16, dann kommt es im Januar 2012 zu einem Qualifikationswettkampf, ebenfalls in London. Von diesen acht Mannschaften nehme dann die ersten vier an Olympia teil. «Unter die ersten acht zu kommen, ist ein sehr hochgestecktes Ziel», sagt Gisi, der an der WM 2010 in Rotterdam mit dem Team auf Rang 15 turnte, «Wir stellen uns auf die Qualifikation im Januar ein.»

Ziel ist ein höherer Ausgangswert

Ab dem Herbst gilt es also, bereit zu sein für höhere Aufgaben. Deshalb schuftet und schwitzt Gisi dieser Tage in Magglingen, anstatt in Berlin um EM-Würden zu turnen. Sein Ziel ist klar: «Um international weiter nach vorn zu kommen, muss ich schwierigere Übungen turnen.» Gisi denkt, dass er mit einem um 1,5 Punkte höheren Ausgangswert reelle Chancen auf die Olympia-Qualifikation hat. Dabei ändert der Mehrkämpfer aber nicht seine ganzen Übungen, sondern baut bei jedem Gerät jeweils ein schwierigeres Element ein. Bei sechs Geräten dauert das seine Zeit. Zeit, die sich Gisi mit dem Verzicht auf die EM genommen hat. «Dieses Jahr habe ich die letzte Chance für dieses ‹Upgrade›. Da muss man halt einmal ein Opfer bringen», sagt der Baselbieter.

WM-Qualifikation im September

Die EM wird Gisi trotzdem verfolgen. Da es nur eine Einzel-EM ist, fiel dem Mehrkämpfer der Verzicht leichter: «Klar reut es mich ein bisschen, aber ich bin nicht todunglücklich. Es ist schliesslich keine Team-EM.» In Berlin seien die Spezialisten besser aufgehoben. Für Gisi heisst es derweil üben, üben und nochmals üben. Spätestens am WM-Qualifikationswettkampf Anfang September müssen die neuen Elemente sitzen. Dort will Gisi das Ticket für die WM, die eigentlich in Tokio stattfinden sollte, lösen. Doch egal, ob in Japan oder sonst wo, Roman Gisi will dabei sein und um seinen Traum von Olympia kämpfen.

Meistgesehen

Artboard 1