Länderspiel
Gutbesuchtes Spitzen-Eishockey – ein höchst seltener Gast in Basel

Mit dem Länderspiel Schweiz - Finnland wurde in der St. Jakob-Arena zum zweiten Mal innert Jahresfrist ein WM-Test ausgetragen. Organisatoren wie Spieler sprechen von einem wichtigen Signal.

Cedric Heer
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4150 Zuschauer besuchten das WM-Vorbereitungsspiel zwischen der Schweiz und Finnland. Ein solcher Fan-Aufmarsch ist im Basler Eishockey selten geworden.

4150 Zuschauer besuchten das WM-Vorbereitungsspiel zwischen der Schweiz und Finnland. Ein solcher Fan-Aufmarsch ist im Basler Eishockey selten geworden.

KEYSTONE

Als ein zartes Pflänzchen, das weiter am Leben gehalten und mit solchen Events zum Wachsen animiert werden soll, umschreibt Eduard Zeller, Präsident der Genossenschaft St. Jakob-Arena, die momentane Eishockey-Situation in Basel. Das Länderspiel der Schweiz gegen Finnland ist die zweite grosse Bühne innert Jahresfrist, auf der sich das Basler Eishockey präsentieren darf. Im letzten Jahr war Tschechien zu Gast in der St. Jakob-Arena. Das Spiel lockte 4126 Zuschauer aus der ganzen Schweiz an.

«Das ist der richtige Schritt, denn die Einrichtung in Basel gehört zu den besten der Schweiz», sagt Zeller. Dies bestätigen jeweils auch die Spieler. Neo-Nationalspieler Matthias Rossi, der bis vor dem Konkurs für die EHC Basel Sharks auflief, sagte nach dem Spiel stellvertretend: «Natürlich fühle ich mich hier wohl und es ist jedes Mal schön, hier spielen zu dürfen. Das Eishockey kommt in Basel zu kurz, deshalb sind solche Spiele mit vielen Zuschauern umso wichtiger.» Der Verband hatte während acht Jahren kein Länderspiel mehr nach Basel vergeben und zeigte so ein gewisses Unverständnis gegenüber der Entwicklung im Basler Eishockey. «Der Markt in Basel wäre sicherlich vorhanden», sagt Zeller.

Viele Anstrengungen umsonst

Doch wo liegen dann die Gründe, dass das Eishockey in Basel seit je her eine untergeordnete Rolle spielt, ja das Interesse der Bevölkerung zuletzt stets kleiner wurde? «Wir werden noch immer an den Erfolgen der 40er-Jahre gemessen. Das ist ein ungleich schwieriger Massstab, denn das Eishockey hat sich nicht nur auf dem Feld stark verändert», sagt Zeller. Damals spielte Basel-Rotweiss in der NLA, wurde zweimal Vize-Meister und galt als grösster Eishockey-Verein der Schweiz.

Ein weiteres Problem ist, dass die Bevölkerung nicht bereit ist, eine Hand für eine solide Basis zu bieten. Dies hat mit der Geschichte des EHC Basel zu tun, in der immer wieder Einzelpersonen versuchten, in Basel etwas zu bewegen. Die Liste der Namen ist lang, das Resultat immer dasselbe: «Es gab viele gut gemeinte – auch finanzielle – Anstrengungen, doch über kurz oder lang wurden alle wieder fallen gelassen», sagt Zeller. Jüngstes Beispiel ist der Konkurs der EHC Basel AG, bei dem sich der Verwaltungsrat um Matthias Preiswerk urplötzlich zurückzog.

«Diese Umstände ziehen sich wie ein roter Faden durch die Eishockey-Geschichte in Basel und sie verhindern eine gewisse Nachhaltigkeit», sagt Zeller. Doch genau diese wird gebraucht, damit neben einem erfolgreichen Team auch im Umfeld ein attraktives Angebot geschaffen werden kann. «Das Beispiel FCB mit der Mäzenin Gigi Oeri hat gezeigt, dass Geld alleine noch keinen Erfolg garantiert», erklärt Zeller. Daneben brauche es einen Plan und das Wissen, über Jahre etwas aufbauen zu können.

Identifikationsfiguren gesucht

Als wichtigste Voraussetzung sieht Zeller daher eine konsequente Nachwuchsförderung, wobei den Talenten eine solide Perspektive geboten werden muss. «Momentan verlieren wir die besten Junioren an grössere Vereine.» Mit rund 200 Mitgliedern leisten die «Young Sharks» bereits gute Arbeit. Grundstein aber, um den Nachwuchs auch langfristig binden zu können, ist der sportliche Erfolg des Fanionteams.

Dieser koste viel Geld und sei mit einem gewissen Risiko verbunden, so Zeller: «Ich wünsche mir Identifikationsfiguren, die die Begeisterung nach Aussen tragen können. Bereits mit einem Schnitt von 2500 Zuschauern wären wir finanziell gut genug aufgestellt, um einen solchen Weg beschreiten zu können.»

Es bleibt die Frage, ob ein solches Zuschaueraufkommen im fussballdominierten Basel realistisch ist. In der NLB verfolgten rund 1300 Zuschauer die Basler Spiele, im letzten Jahr besuchten im Schnitt 724 1.-Liga-Fans die Arena. «Sport ist Leidenschaft, schafft aber auch Leiden», so Zeller. Inwiefern ist der erfolgsverwöhnte Basler Sportfan dazu bereit?