Exekutivmitglieder in der Politik treten in der Regel nach 100 Tagen erstmals in der Öffentlichkeit auf. Thomas Häberli ist kein Mann, der mediale Schlagzeilen sucht und im Scheinwerfer-Fokus stehen will. Wer fast zehn Jahre in der Super League gespielt, gegen 300 Partien bestritten und 74 Treffer erzielt hat, weiss, was er für den Schweizer Fussball geleistet hat.

Jetzt zählt der Trainingsplatz

«Heute werde ich nach meiner Arbeit auf dem Trainingsplatz bewertet», so der Luzerner, welcher in der Saison 2000/01 für den FC Basel gespielt hatte. Zusammen mit einem gewissen Murat Yakin – «und später, als ich neun Jahre für YB spielte, auch gegen ihn», ergänzt Häberli, der erst mit 25 Jahren den Weg in den Profi-Fussball fand. Heute wäre ein Werdegang à la «Häbi» schlicht undenkbar.

Campus bringt ganz neue Möglichkeiten

Der 39-jährige Familienvater, der in Ballwil wohnt und täglich nach Basel fährt, hat seine Arbeit beim FCB Anfang Juli aufgenommen. «Mit diesem Campus eröffnen sich dem Klub neue Möglichkeiten und Perspektiven. Die vier Rasenfelder und der eine Kunstrasenplatz sind superb. Zwei Plätze sind zudem mit sechs Kameras (LPM) ausgestattet, sodass wir jeden Meter Laufweg der Spieler analysieren können», so der ehemalige Stürmer.

Und Häberli verhehlt nicht, dass «der Campus auch zu einem Näherrücken von uns Nachwuchstrainern und den Spielern geführt hat. Die Teams sind nicht mehr dezentral, sondern haben einen Begegnungsort», so der U21-Trainer. Und just in diesem Moment betreten die Alt- Internationalen Benjamin Huggel und Raphael Wicky die grosszügige Cafeteria des von Gigi Oeri mitfinanzierten Campus. Auch sie stehen bei Nachwuchsmannschaften in der Verantwortung.

Sehr junges Team in dieser Saison

Eigentlich hätte die U21 des FCB gestern Nachmittag gegen Stade Nyonnais die 11. Meisterschaftspartie in der 1. Liga Promotion austragen müssen. Doch der Match musste verschoben werden, weil «gleich neun Spieler in den diversen Schweizer Nachwuchs-Nationalmannschaften sind, denn die Ausgabe 2013/14 ist sehr jung, aber oft helfen Spieler der 1. Mannschaft aus und stabilisieren das Team», so Häberli.

Momentan belegt die U21-Elf Rang 8, nach Verlustpunkten ist man gleichauf mit dem alktuellen Tabellenzweiten Brühl. Vier Punkte hinter Leader Le Mont. Just bei diesem Verein begann Thomas Häberli in der Saison 1994/95 seine Aktivkarriere. «Ich ging vom Luzerner Seeland in die Romandie, um auch Französisch zu lernen», schmunzelt er.

«Komfortzone gar nicht entstehen lassen»

«Die erzielten Resultate sind zwar wichtig und durchaus ein guter Indikator. Aber sie sind nicht das absolute Mass aller Dinge», relativiert Häberli. Bereits wenige Tage nach seinem Amtsantritt hatte der neue Übungsleiter in einem internen Interview erklärt: «Ich will die Spieler weiterbringen, sie sollen so grosse Fortschritte wie möglich machen, das ist mein Anspruch. Es darf keine Komfortzone entstehen, die Talente müssen immer wieder angestachelt werden. Letztlich geht es darum, die Spieler ans Niveau der 1. Mannschaft heranzuführen, sodass der Sprung ins Kader des Super-League-Teams möglichst klein ist. Und natürlich wollen wir in der Tabelle immer ganz vorne mitspielen».

Wöchentliche Sitzung mit Yakin

Jeden Freitagnachmittag tauscht sich Häberli mit Cheftrainer Murat Yakin aus. «Es ist wichtig, dass Kommunikation und Transparenz herrscht. Es gibt junge Spieler aus dem Fanionteam, wie Endogan Adili oder Kwang Ryong Pak, die Praxis bei uns sammeln. Aber auch rekonvaleszente Akteure wie Geoffroy Serey. Die sollen wieder über die U21 Fuss fassen», so der Innerschweizer.

Es gehört aber auch zu den Aufgaben eines Nachwuchstrainers, Spieler, die am Plafond angelangt sind, eine adäquate Spielmöglichkeit, zum Beispiel in der Challenge League, zu eröffnen. «Die allermeisten Akteure können ihre Leistungsfähigkeit sehr gut einschätzen», so Häberli.

Beste Talentschmiede des Landes

So ist es wahrscheinlich, dass es in der Winterpause erneut zu personellen Fluktuationen kommen wird. Aber am Ziel, dass der FC Basel national als die Talentschmiede schlechthin gilt, wird sich nichts ändern.