Wenn ein grau melierter 62-Jähriger bei Hunderten Teenagern ein Massengedränge auslöst, dann muss das schon ein ganz prominenter Mann sein. Der Besuch von Ottmar Hitzfeld war der Höhepunkt für die jugendlichen Fussballer am Finaltag des Credit Suisse Cups. Schon 20 Minuten vor der angekündigten Autogrammstunde des Schweizer Nationaltrainers standen über hundert Nachwuchskicker vor dem Zelt, in dem der Erfolgstrainer eine Stunde stehen würde.

«Keine Angst, ihr bekommt alle ein Autogramm von ihm», beruhigt der Speaker die aufgeregte Masse. Als Hitzfeld dann tatsächlich ankommt, halten die Knaben und Mädchen ihm alles Mögliche unter die Nase, worauf man mit Filzstift unterschreiben kann: Leibchen, Schuhe, Rucksäcke, Goalie-Handschuhe, Bälle, Mützen, Captain-Binden, Notizzettel, Bidons und sogar PET-Flaschen. Geduldig erfüllt Hitzfeld die Wünsche und wird mit Glückwünschen bedacht. «Danke und hopp Schwiiz», sagt ein Knabe etwa. Und die ganz Mutigen haben sogar noch etwas auszurichten. «Sagen Sie Shaqiri einen Gruss», meint ein kräftiger Junge mit Simon-Amman-Sonnenbrille selbstbewusst. «Ja, mach ich», antwortet Hitzfeld prompt.

Erinnerungen an die eigene Jugend

Der frühere Bayern-Trainer kann sich gut in die Teenager hineinversetzen. «Als ich auch in dem Alter war und beim SV Lörrach spielte, holte ich ein Autogramm von Ringel, einem deutschen Nationalspieler. Es war das einzige Autogramm, das ich gesammelt habe», schwelgt Hitzfeld in Erinnerungen. Den Vornamen des Spielers weiss er nicht einmal mehr. «Ich weiss nicht einmal, ob er noch lebt», fügt er trocken an. Ja, er lebt noch, Karl Ringel. Er ist heute 78 Jahre alt.

Der Star von heute ist aber Hitzfeld, der extra aus Dänemark zurückgekommen ist. Dort hat er die U21-Nationalmannschaft bei ihren Heldentaten an der EM beobachtet und ist sehr zufrieden: «Es ist wichtig zu sehen, dass Spieler mit Erfahrung aus der A-Nationalmannschaft wie Xherdan Shaqiri oder Granit Xhaka in der U21 Leistung bringen und eine Vorbildfunktion erfüllen.» Er wünscht sich , dass beide beim FC Basel bleiben, um weiterhin wertvolle Spielpraxis zu sammeln.

Ob er die Shaqiris oder Xhakas der Zukunft auf den Sportanlagen St. Jakob entdeckt hat, will Hitzfeld nicht verraten: «Es hat viele Talente hier. Aber es ist ein langer Weg an die Spitze.» Neben Talent brauche es auch Wille und Ehrgeiz. Man dürfe nie mit sich zufrieden sein. Diese Botschaft gibt er den vielen begeisterten Schülern neben seiner Unterschriften Schriftzug, die er über tausend Mal schrieb, mit auf den Weg und zieht wieder von dannen. Er hat schliesslich einen Gruss auszurichten.