Eric Kessler, Koch

Die Leidenschaft für das Kochen ist bei Eric Kessler angeboren. «Wahrscheinlich ist es bei mir wie bei Obelix. Ich bin als Kind in einen Zaubertrank gefallen – seither koche ich für mein Leben gern und bringe es einfach nicht mehr weg», sagt er und lacht. Kessler ist ein Mann von imposanter Statur. Wenn er zuhört, ziehen sich tiefe Furchen über seine Stirn. Manchmal hat man das Gefühl, er wolle sein Gesicht hinter der Designerbrille verstecken. Doch der Eindruck täuscht. Sobald Kessler erzählt, weicht der grimmige Ausdruck einer herzhaften Fröhlichkeit.

Koch

Eric Kessler

Koch

Der Elsässer ist seit dem ersten Spiel im neuen St. Jakob-Park im März 2001 Chefkoch im VIP-Bereich des Stadions. «Damals war der Koch-Bereich noch eine einzige Baustelle. Viel mehr als ein paar Bratwürste gab es noch nicht», erinnert er sich. Und stellt dann klar. «Ich habe kein Fussball-Blut. Nur Koch-Blut.» Sein erstes Fussball-Spiel, das er am Fernseher angeschaut hat, war der WM-Final 1998 zwischen Frankreich und Brasilien. Es blieb auch sein einziges. Seine Freizeit verbringt Kessler lieber im Schiessstand, im Garten oder mit dem Hund. Und natürlich mit seiner Frau. Vielleicht ist es ganz gut, dass Kessler kein fanatischer Fussball-Fan ist. So kann sich seine Frau zumindest sicher sein, dass sie an ihrem Geburtstag, dem 10. Juli, Kesslers volle Aufmerksamkeit geniesst – und nicht vom EM-Final konkurrenziert wird.

Kessler ist sich bewusst, dass die Kochkünste von ihm und seiner Crew der Wassermann & Company mitunter einen grossen Einfluss auf den Erlebnis-Abend seiner Gäste haben. «Zuerst essen die Leute. Danach schauen sie das Spiel. Wenn sie zu Beginn der 90 Minuten schon enttäuscht sind, weil das Menü nicht geschmeckt hat, dann müssen die Spieler schon verdammt gut spielen, um das wieder auszugleichen. Wenn aber alles in Ordnung war, sind drei Viertel des Abends schon gut verlaufen.» Je nach Gegner, der im St. Jakob-Park gastiert, kocht Kessler. «Wenn der FCZ da ist, gibt es ein gutes Zürcher Geschnetzeltes. Das essen auch die Basler gerne.» Dann fügt er an: «Generell gilt: Man muss die Welt nicht neu erfinden. Häufig sind die einfachen Dinge auch die Besten.»

An den Buffets im VIP-Bereich verköstigen sich an einem Spiel zu bis 1350 Gäste. Früher gab es ein einziges grosses Buffet. Beim Umbau im Sommer 2014 wurde das Konzept ein bisschen angepasst. Jetzt gibt es verschiedene, getrennte Stationen. Für Kessler gibt es kein grösseres Kompliment, als wenn die Gäste grosses Interesse an den Buffets zeigen. «Dann weiss ich: Wir haben vieles richtig gemacht.» Am liebsten sind ihm die Spiele am Wochenende. «Die Leute spazieren dann ausgeruht und mit Musse zum Stadion. Und haben genügend Zeit, sich zu verköstigen. Wenn sie erst gerade von der Arbeit kommen, ist vieles ein Stress.» Unter der Woche verköstigen Kessler und seine Crew auch die Spieler des FC Basel. Erst das Frühstück. Und nach dem Training das Mittagessen. «Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht mit den Jungs. Sie essen alles, sind überhaupt nicht kompliziert. Und auch nicht immer nur auf Diät aus. Sie mögen auch gerne einmal ein Schnitzel mit Pommes.»

Christine Castioni, Wäscherei

Als sie vor 25 Jahren mit dem Waschen für den FC Basel beginnt, sind viele der heutigen Spieler noch nicht einmal geboren. Drei Waschmaschinen und drei Tumbler stehen im Keller. Der Raum ist geschmückt mit allerlei Bildern und Souvenirs. 1991 auf dem Landhof noch exklusiv für die erste Mannschaft zuständig, sorgen Christine Castioni und ihre drei Kolleginnen heute auch dafür, dass die vier Frauen- und acht U-Mannschaften saubere Wäsche tragen.

Wäscherei

Christine Castioni

Wäscherei

Sie selbst ist als Teenager FCB-Fan geworden, verehrt Massimo Ceccaroni und erinnert sich gerne an die Witze von Pascal Zuberbühler. Die Wünsche der Goalies sind unterschiedlich. Manche – wie Franco Costanzo – lassen auch die Handschuhe waschen. Andere – wie Tomas Vaclik – erledigen das lieber selbst von Hand. Castioni erfüllt fast jeden Wunsch. Sie sagt: «Es kann schon vorkommen, dass ein Spieler auftaucht und fragt: Oh, ich habe vergessen, meine Hemden zu bügeln. Kannst du mir nicht kurz helfen?» Sie tut es gerne.

Michael Köhn, Speaker

Wenn er spricht, lauscht das ganze Stadion. Seit 1999 ist Michael Köhn Speaker beim FC Basel. Er sagt: «Anstand und eine gewisse Objektivität sind Pflicht. Trotzdem sollten die Fans spüren, dass ich der Speaker des Heimteams bin.» Köhn ist seit jeher FCB-Fan. Die Leidenschaft gibt er zu Hause an seine fünf Kinder weiter. Köhn, früher RadioReporter, erinnert sich: «Was waren das noch für Zeiten: Wenn wir nur schon gegen Toulouse hätten spielen dürfen, hätten alle gerufen: Endlich! Heute rümpfen bei einem Europa-League-Spiel gegen St. Etienne einige die Nase.»

Speaker

Michael Köhn

Speaker

Gerne erinnert er sich ans Spiel gegen Celtic Glasgow in der Champions-League-Qualifikation 2002. «Das hat den FCB in neue Dimensionen gebracht.» Köhn ist ein begnadeter Erzähler. Eine Anekdote ist ihm besonders geblieben: «Früher sah ich von meiner Kabine nicht an die Linie. Das ist bitter, wenn ein Trainer wie Christian Gross im letzten Moment einen anderen Spieler einwechselt als angekündigt. Einmal sah ich, wie Hervé Tum bereit stand, verkündete seine Einwechslung – und sah dann, dass ein ganz anderer Spieler einläuft… Da habe ich SMS erhalten, ob ich betrunken sei. Heute kann das nicht mehr passieren.»

Marc Studach, Rasenchef

Er sorgt dafür, dass der Boden für die FCB-Spiele perfekt ist. «Mein Baby», nennt Marc Studach den Rasen im St. Jakob-Park. Seit 2011 ist er Chef vom Team «Greenkeeper/Facility Management» des St. Jakob Parks. «Ich stecke mein ganzes Herzblut in den Rasen», sagt Studach. Wenn er erzählt, tut er das mit sanfter Stimme. Es wird mit jeder Silbe klar, dass es hier nicht einfach um ein Stück Natur geht. Nein, der Rasen ist ein Heiligtum. Nie kommt das besser zum Ausdruck als in diesem einen Satz: «Wenn ein Verteidiger während eines Spiels zur Grätsche ansetzt und dann ein Stück Rasen umpflügt, versetzt mir das einen Stich ins Herz.»

Rasenchef

Marc Studacher

Rasenchef

Die Rasen-Pflege ist eine Wissenschaft. «Ich muss das Gras lesen können», sagt Studach. Er will stets alles wissen. Seien es Einflüsse des Wetters, seien es Details über die Ernährung des Rasens. Dafür holt er sich Tipps von überall her. «Jedes Detail ist wichtig. Es wäre schlichtweg zu teuer, wenn etwas falsch läuft.» Am schlimmsten wäre, wenn der Rasen mitten in der Saison ausgetauscht werden muss. Es ist ein Gedanke, den Studach lieber ganz schnell hinter sich lässt. Egal ist Studach der Fussball natürlich nicht. Aber er sagt: «Mich interessiert an einem Spiel nicht der Match an sich. Sondern der Platz.» Entsprechend gibt es kein schöneres Kompliment, als wenn der Trainer nach dem Spiel den Rasen lobt. Und wenn sich die Spieler mal beklagen? «Dann habe ich einen breiten Rücken», sagt Studach.
Er mag es, wenn er am Bildschirm erkennt, dass in einem Stadion wirklich Rasen-Arbeit betrieben wird. Nicht überall in der Schweiz ist das der Fall. Ein lobendes Beispiel – neben seinem St. Jakob-Park natürlich – hat Studach sofort bereit. «Im Zürcher Letzigrund sieht man sofort: Da kümmert sich jemand sehr gewissenhaft um den Rasen.» Sein Lieblingsrasen findet sich aber in Irland. Der Croke Park in Dublin.

Wir laufen mit Studach am Rande des Rasens entlang. Er geniesst den Anblick sichtlich, die Frühlingssonne trägt das Ihre zur guten Laune bei. «Der schönste Moment ist für mich, wenn ich an einem Sonntagmorgen den Rasen mähe, wenn ich dabei ganz alleine im Stadion bin und im Hintergrund die Kirchenglocken höre.» Auf jener Seite nahe der Haupttribüne kommen Wachstumslampen zum Einsatz. Damit auch die Grashalme im Schatten gleich schnell wachsen wie jene, die viel Sonneneinstrahlung kriegen. Jeden Tag mähen Studach und seine Kollegen den Rasen, fünf verschiedene Rasenmäher haben sie zur Verfügung. Sie spannen Schnüre über den Rasen. Damit jenes schöne Muster entstehen kann, das den Schiedsrichter-Assistenten hilft bei der Frage «Offside oder nicht?». Und wie entstehen diese Muster? «Eigentlich ganz einfach: Die dunklen Seiten werden erstellt, indem wir so mähen, dass die Grashalme auf den Boden gedrückt werden. Bei den hellen stehen die Halme eher aufrecht.»

Lisa Pfründer, Fan-Shop

Nuggi. Zahnbürsten. Nummernschilder fürs Auto. Schmuck. Es gibt alles in FCB-Farben. «Uns überrascht längst kein Kunden-Wunsch mehr. Wir haben schon alles gesehen», sagt Lisa Pfründer. Seit dreieinhalb Jahren arbeitet die 30-Jährige im FCB-Fan-Shop. Der schönste Artikel im Sortiment? «Ganz klar, das Trikot!», sagt sie. Ein Trikot sei dann schön, «wenn es eine Aussage hat, wenn es etwas darstellt.» Das aktuelle ist bei ihr hoch im Kurs.

Fan-Shop

Lisa Pfründer

Fan-Shop

Vor und nach den Spielen arbeitet Pfründer jeweils. Die Partie selbst kann sie gleichwohl verfolgen. Das tut sie leidenschaftlich. Und danach? «Manchmal sind wir für einige Zuschauer Blitzableiter für ihre Emotionen. Es ist aber schön, direkt mit den Fans zu tun zu haben. So erfahren wir ihre Wünsche und Sorgen immer aus erster Hand.»

Toni di Lio, Ticket-Verkäufer

Die Augen von Toni di Lio leuchten. Wenn er vom FC Basel erzählt, geht ihm das Herz auf. «Ich wurde aufgenommen wie ein eigener Sohn», sagt er. Im Juni ist er seit 15 Jahren dabei als Ticketverkäufer für Rot-Blau. «Das Erlebnis eines Fussballspiels beginnt für mich schon viel früher – nämlich mit dem Kauf des Tickets.» Früher arbeitete Di Lio auf dem Bau. Danach durfte er sich via Hilfe eines Temporär-Büros beim FCB versuchen. Und bleiben. Di Lio hat die «einmalige Chance des Lebens» genutzt und stellt sich seither voll in den Dienst seiner Farben.

Ticket-Verkäufer

Toni di Lio

Ticket-Verkäufer

Wobei: Seine Farben? «Psst», sagt der Italiener, «aber im Herzen trage ich natürlich auch Juventus Turin.» Die Spiele damals in der Champions League zwischen Juve und dem FCB – «sagen wir es so: Ich kann Privates und Berufliches trennen». Der 37-Jährige schwelgt noch ab und zu in vergangenen Zeiten, als die italienische Serie A noch das Mass aller Dinge war. Als die Skandale den Fussball noch nicht aus den Schlagzeilen verdrängten. In Basel erinnert er sich gerne an die Zeiten der Yakins, Gimenez und Rossi. Es waren die ersten magischen Champions-League-Nächte, «und das erste Mal ist immer am schönsten.»

Marcel Ammann, Busfahrer

Fussballspieler und der Mannschaftsbus, es ist eine spezielle Beziehung. «Der Bus ist ein zweites zu Hause für die Jungs. Ein Heiligtum wie die Mannschaftsgarderobe», sagt Marcel Ammann. Und darum bleibt auch im Bus, was im Bus passiert. Seit 2005 fährt er den FCB an Heim-, Auswärtsspiele sowie ins Trainingslager. «Damit ist für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.» Das Credo von Ammann, der bei der Settelen AG angestellt ist, lautet: «Ich möchte alle sicher ans Ziel bringen.»

Busfahrer

Marcel Ammann

Busfahrer

Er bekommt viel mit aus dem Innenleben des Teams. Seien es Analysen des Trainerteams, das gleich hinter ihm sitzt. Aber auch sehr persönliche Anliegen einzelner Spieler. Wann immer jemand zu ihm kommt, er hat ein offenes Ohr für ihn. Besonders geniesst er es, wenn der FCB auswärts Meister wird. «Dann erlebe ich die Jungs, wie sie Vollgas geben. Die Party nach dem Titelgewinn in Aarau war unvergesslich.» Doch es gab auch weniger schöne Momente. Ammann wirkt nachdenklich, wenn er vom Cupfinal 2014 in Bern (FCB gegen FCZ) erzählt. «Wir blieben mitten in den Fans des Gegners stecken. Steine kamen geflogen, die Scheiben gingen in Brüche. Ich hoffe, so etwas muss ich nicht noch einmal erleben.»

Die sieben Schlüsselmomente des FC Basel auf dem Weg zum siebten Meistertitel:

Die FCB-Meistermannschaft in der Statistik