Wasserfahren
Hochwasser und Hochspannung vereint - spektakuläre Fischer Classics

Der AC Matte Bern gewinnt die 22. Classics des Fischer Club Basel – nur 0,6 Sekunden vor dem Gastgeber. Die beste Zeit aller Fahrer holte Lokalmatador Patrick Borer heraus, der bei den Senioren an den Start ging.

Georges Küng
Merken
Drucken
Teilen
Spektakel unter der Wettseinbrücke: Bruno Grella vom WFV Birsfelden ackert sich über den Rhein. Nars-Zimmer

Spektakel unter der Wettseinbrücke: Bruno Grella vom WFV Birsfelden ackert sich über den Rhein. Nars-Zimmer

Nicole Nars-Zimmer niz

Förmlich mit dem letzten Schlag (Stachel) wurde die prestigeträchtige «Classics» entschieden. Denn obwohl es sich um das 63. nationale Einzel-Weidlingswettfahren des Fischer Club Basel (der übrigens neun Jahre älter als der FC Basel ist) handelt, sind Wasserfahrer auch Teamplayer, sodass der Vereinsrangliste ebenso grosses Gewicht beigemessen wird.

Sekundenbruchteile entscheiden

Die fünf besten Fahrzeiten (meist aus den Kategorien Veteranen, Senioren und Aktive) werden zusammen addiert – und zuletzt entschieden 0,6 Sekunden für die AC Matte Bern und gegen den Gastgeber. Aber auch der drittklassierte NC Basel lag nur zwei Sekunden hinter dem Sieger aus Bern zurück.

Weil der Rhein viel, sogar sehr viel Wasser führte, musste die Strecke angepasst werden. Die Umfahrung des ersten Brückenpfeilers (Wettsteinbrücke) wurde somit zum ersten Male in der Vereinsgeschichte ausgelassen. Und für die Wettkämpfer war es nicht möglich, wie üblich auf dem Rheingrund zu stacheln. Das Stacheln war somit nur am Rheinbord möglich, was die Wasserfahrer in der Fachsprache «Bördeln und Bordkratzen» nennen. Dies ist technisch sehr anspruchsvoll und sehr kräftezehrend.

Fast ein Meter mehr Wasser

«Der Wasserstand betrug stets zwischen 7,2 und 7,5 Metern, was fast ein Meter mehr als normal ist. Bei 7 Metern und 90 Zentimetern wird die Rheinschifffahrt eingestellt. Es fehlte also nicht sehr viel, und die Classics wären zum ersten Male – sprichwörtlich – ins Wasser gefallen», so Bruno Henggi, der Kampfgerichtspräsident des Anlasses.

250 Aktive, in sieben Kategorien (Aktive, Senioren, Veteranen, Jungfahrer, Junioren, Schüler und Frauen) aus 22 Klubs (in der Schweiz gibt es total 29 Wasserfahrvereine), gingen an den Start. Eröffnet wurde der Wettkampf traditionsgemäss vom Gastgeber, denn die FCB-Aktiven sind danach nicht etwa Zuschauer, sondern helfen hinter den Kulissen (Wettkampfgericht, Catering, Service) mit. Gestartet wurde übrigens um 7 Uhr morgens – Wasserfahren ist definitiv kein Sport für Morgenmuffel.

Carsten Hersberger vom Nautischen Club Basel gewann, wie letztes Jahr, die Königsklasse der Aktiven mit einer Zeit von 03:37,9. Die absolute Tagesbestzeit, in 03:29,2, schaffte jedoch der Lokalmatador Patrick Borer. Der 43-jährige Senior bewies somit, dass Erfahrung und Anpassung an die Witterungs- respektive Wasserverhältnisse ein wichtiger Faktor sind.

Familiäre Atmosphäre

Basel, das mit neun Vereinen die Hochburg der Schweiz ist, erlebte eine memorable Classics. Und wie sagten doch diverse Nachwuchsfahrer des Veranstalters treffend: «Während rund vier Minuten sind wir auf dem Bach – wie der Rhein liebevoll genannt wird – Rivalen. Danach aber eine grosse Familie, die zusammenhockt und über Gott und die Welt fachsimpelt», sagt der 20-jährige Cédric Näf, der beim Fischer Club Basel als Jungfahrleiter fungiert.