Behindertensport
Hölstein feiert seinen WM-Helden Tobias Fankhauser

Mutter Trudi stand da, mit Tränen in den Augen. Ihr Sohn hat es wieder geschafft. Auf die Silber-Medaille im Strassenrennen an den Olympischen in London folgte vor gut einer Woche der 3. Platz in Kanada.

Jonas Burch
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Tobias Fankhauser mit Christian Saladin vom Sportamt Baselland (l.) und der Hölsteiner Gemeindepräsidentin Monica Gschwind.

Tobias Fankhauser mit Christian Saladin vom Sportamt Baselland (l.) und der Hölsteiner Gemeindepräsidentin Monica Gschwind.

Burch

«Wir sind stolz auf dich», sagt Gemeindepräsidentin Monica Gschwind beim kleinen, aber feinen Empfang im Gemeindehaus. Auch Christian Saladin vom Sportamt Baselland anerkannte Fankhausers «Mut, Willen und die Leidenschaft für den Sport». Für den 23-Jährigen selbst war der Erfolg eine Bestätigung – für einen immensen Aufwand, den viele gar nicht mitbekommen.

Tobias Fankhauser, im Vorfeld der WM hat der Verband seine Erwartungen deutlich gemacht: Medaillen holen. Keine einfache Ausgangslage.
Tobias Fankhauser: Es ist schon so, dass ich mit einem gewissen Druck nach Kanada gereist bin. Nach der Medaille in London stand ich natürlich mehr im Fokus, entsprechend hoch waren auch die Erwartungen an meine Person. Als Routinier Heinz Frei und Sandra Graf an den ersten Tagen die erhofften Medaillen einfahren konnten, war der ganz grosse Erfolgsdruck für mich und unser Team dann weg.

Mit welchem persönlichen Ziel sind Sie an die WM gefahren?
Ich wollte in die Top 5. Wie aus dem Nichts standen plötzlich die Routiniers Will Groulx und Luca Mazzone im Fahrerfeld. Diese haben dann auch den Sieg untereinander ausgemacht. Ich konnte mich dann im Verfolgerduell gegen den amtierenden Olympiasieger Mark Rohan durchsetzen. Ein unglaubliches Gefühl.

Groulx, Mazzone, und Rohan sind im Schnitt fast zehn Jahre älter als Sie. Sind Sie so etwas wie ein Exot im Behindertensport?
Leider geht es in diese Richtung. Die meisten Athleten sind über 30 Jahre alt, der Nachwuchs stagniert zurzeit. Viele müssen sich zuerst mit ihrer Behinderung abfinden und arrangieren, ehe sie mit Ambitionen in den Sport einsteigen. Nebenbei trainiere ich aber die Schweizer Junioren. Es ist also nicht so, als würde derzeit gar nichts passieren.

Vor drei Jahren stellte die Schweiz noch zwölf WM-Athleten, diesmal waren es fünf. Wieso dieser Rückgang?
Aus diversen Gründen. Verletzungen, andere Prioritäten, dann schrumpft das Kader eben schnell zusammen. Das muss aber nicht zwingend ein Nachteil sein. Im Gegenteil. An dieser WM war die Stimmung im Team extrem familiär. Persönlicher eben.

Welche Reaktionen haben Sie nach Ihrem neuerlichen Exploit erhalten?
Leider gar keine. Jedenfalls nicht von der breiten Öffentlichkeit. Natürlich haben mir Familie und Freunde, das Team, die Konkurrenten oder die Gemeinde Hölstein gratuliert. Dafür bin ich sehr dankbar.

Trotzdem fehlt Ihnen eine gewisse Anerkennung?
Ich erwarte keinesfalls eine extreme Wertschätzung oder übertriebene Reaktionen. Aber auch ich trainiere, wie viele meiner Teamkollegen, bis zu 20 Stunden in der Woche. Dann ist es schade, dass solche Erfolge ein wenig untergehen. Dabei geht es nicht um mich, sondern um den Behindertensport als Ganzes.