Basel

Homosexuelle sind im Sport noch immer dem ewigen Tabu unterworfen

Normal, und für viele doch ganz anders: Die homosexuellen Volleyballer von Lesbian & Gay Sport. zvg

Normal, und für viele doch ganz anders: Die homosexuellen Volleyballer von Lesbian & Gay Sport. zvg

Über 200 Mitglieder haben sich in der rund 25-jährigen Klubgeschichte von Lesbian & Gay (L&G) Sport Basel zusammengetan. Anton Kohler ist seit sechs Jahren im Vorstand. Der Verein aus Basel organisiert seit Jahren Sportaktivitäten für Homosexuelle.

Vorurteile. Etwas, mit dem sich Vorstandsmitglied Anton Kohler tagtäglich auseinandersetzen muss. «Für die einen sind wir Sexmonster, für die anderen gelten wir als emotionale Tunten.» Über solche Stereotypen kann Kohler nur den Kopf schütteln. «Aber was wollen wir machen?», fragt sich der bekennende Homosexuelle, «diese Bilder sind in der Gesellschaft nun mal fix verankert.»

Über 200 Mitglieder

Seit sechs Jahren ist Kohler bei Lesbian & Gay (L&G) Sport Basel engagiert. Über 200 Mitglieder haben sich in der rund 25-jährigen Vereinsgeschichte zusammengetan – eine Anzahl, die Schweiz weit ihresgleichen sucht. Egal ob Badminton, Schwimmen, Beachvolley oder Yoga, den ausschliesslich lesbischen und schwulen Mitgliedern fehlt es an keiner Sportart.

Mittlerweile werden viele Aktivitäten untereinander und in Eigeninitiative organisiert. Kohler selbst ist zuständig für Beachvolleyball. «Andere Klubs wissen und merken gar nicht, wie unsere sexuelle Orientierung ist. Wir spielen und benehmen uns genauso, wie alle anderen Sportler auch.»

«Fremde» Erfahrungen

Trotzdem gibt es immer wieder negative Erfahrungen. «Das gehört leider dazu», fügt das ehrenamtliche Vorstandsmitglieder an. Besonders dann, wenn die Gesinnung zum Thema wird. Der 58-Jährige erinnert sich an ein heterosexuelles Beachvolley-Team, «mit dem wir zunächst einen guten und regelmässigen Austausch pflegten.» Nach dem Outing sei der Kontakt relativ schnell abgebrochen worden. Kohler hat sich daran gewöhnt «anders» zu sein – zwangsweise.

Eine Erfahrung, die viele Homosexuelle erst erleben müssen. So pendelt das Durchschnittsalter bei L&G zwischen 30 und 50 Jahren. Jüngere schliessen sich zunächst oft einem «normalen» Sportverein an, ehe die Sexualität zum Bruch führt. Jeder Körperkontakt beim Fussball und jeder emotionale Torjubel werde dann sofort falsch interpretiert, weiss Kohler. So sind es letztlich weit über 90 Prozent aller homosexuellen Sportler, die deswegen aufhören «müssen». Für solche Situationen bietet L&G die ideale Alternative.

Auch für gleichgesinnte Ausländer dient der Verein als Anlaufstelle. «Der Zulauf von Immigranten ist gross. Bei uns kann man unbeschwert Sport treiben, ohne Vorurteile und Einschränkungen. Wir leisten also einen grossen Integrationsbeitrag.»

Zielsetzungen oder Zukunftspläne gibt es bei L&G nicht. Jedenfalls nicht konkret. Alles läuft so, wie gewünscht. Die Mitgliedschaft ist stabil, Infrastruktur und Finanzierung gewährleistet. Eigentlich wirkt der Verein, wie jeder andere auch. Eigentlich. «Die Toleranz in der Gesellschaft müsste eigentlich so gross sein, dass es unsere Organisation gar nicht braucht.»

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