Ricky van Wolfswinkel, wir können das Interview auf Deutsch führen, oder?
Ricky van Wolfswinkel: Wieso meinen Sie?

Sie hatten doch während Ihrer dreimonatigen Verletzung sicher Zeit, die Sprache zu lernen.
Ehrlichgesagt hat sich mein ganzes Tagesprogramm darauf ausgerichtet, wieder fit zu werden. Da blieb kaum Zeit, sich intensiv mit der Sprache auseinanderzusetzen. Aber ein bisschen sprechen kann ich schon – Hochdeutsch wohlverstanden. Schweizerdeutsch ist dann der nächste Schritt.

Sprechen Sie mit den Teamkollegen denn Deutsch?
Manchmal, aber mir hört ja keiner zu (lacht).

Der Mittelfussbruch war die erste schwere Verletzung Ihrer Karriere. Wie sind Sie damit umgegangen?
Ich wollte einfach so schnell wie möglich wieder gesund werden. Darum war ich früher als die Kollegen im Stadion und habe es nach ihnen verlassen. Ich habe wirklich hart gearbeitet. Die Diagnose bei Mittelfussbrüchen liegt bei 12 Wochen. Und ich denke, wenn man nach elfeinhalb Wochen wieder spielen kann, dann hat man alles richtig gemacht. Daher bin ich sehr glücklich. Aber am Ende ist es nie schnell genug. Du willst immer schon in der nächsten Woche wieder zurück sein.

Kamen nie Zweifel auf?
Natürlich hatte ich Zweifel. Es gibt Momente, in denen du noch schneller machen und dich noch mehr pushen willst, und es geht einfach nicht. Du merkst, dass du das Maximum für diesen spezifischen Zeitpunkt erreicht hast. Du musst auf den nächsten Schritt warten, Tempo und Bewegung rausnehmen, dich auf einem tieferen Niveau bewegen, als du eigentlich möchtest. Das ist hart. Vor allem für jemanden wie mich, der nicht eben der geduldige Typ ist. Du musst mental ganz stark sein. Und das war ich. Das habe ich gezeigt und dem verdanke ich auch, dass ich stark zurückkommen konnte.

«Du musst mental ganz stark sein.»

«Du musst mental ganz stark sein.»

Haben Sie sich als Mensch und Fussballer weiterentwickelt dadurch?
Ich denk schon, ja. Du lernst, mit Hindernissen umzugehen. Ich war früher in meiner Karriere auch schon verletzt, aber nie so lange und so schwer. Daher musst du zwangsläufig geduldiger werden. Und das wird mich schlussendlich auch auf dem Platz weiterbringen.

Können Sie den Moment der Verletzung beschreiben?
Ich war eigentlich total glücklich, weil wir 5:0 gegen Benfica führten. Aber als ich mich verletzte, waren diese Glücksgefühle sofort ausgeschaltet. Ich habe nur noch an meinen Fuss gedacht, weil ich gemerkt hatte, dass etwas nicht stimmt. Von der ersten Sekunde an. Moi (Elyounoussi, Anm. d. Red.) sagte auch gleich, dass der Fuss wohl gebrochen ist.

Also war die definitive Diagnose kein Schock mehr für Sie?
Nein, schockiert hat es mich nicht mehr. Aber natürlich hoffst du doch noch, dass es anders kommt. Aber diese Hoffnung war sehr klein. Ich konnte die Kabine nach dem Spiel nur auf Stöcken verlassen, weil ich den Fuss nicht belasten konnte. Also war der Fall für mich klar.

Wie hart waren die ersten Tage?
Die ersten beiden Tage waren brutal. Da brauchte ich Zeit, alles zu verarbeiten. Ich war down, richtig frustriert. Aber am Tag vor der Verletzung war ja noch meine Tochter zur Welt gekommen, das hat mich glücklicherweise auf andere Gedanken gebracht.

Wer hat Ihnen während Ihrer Verletzungszeit am meisten geholfen?
Zu Hause war es natürlich meine Frau. Aber ich habe den grössten Teil meiner Zeit auf dem Trainingsgelände verbracht. Und da waren es meine Physios, allen voran Amit. Er hat so viel investiert und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Und in der Mannschaft? Fühlten Sie sich nie in irgendeiner Art isoliert?
Wenn du dich isolieren willst, dann passiert es. Da geht es vor allem um dich. Aber ich wollte das nicht. Deshalb bin ich, als es meine Gesundheit wieder zugelassen hat, auch immer an die Auswärtsspiele mitgereist. An den Heimspielen war ich sowieso stets dabei. In Verletzungsphasen musst du Energie investieren, um im Team zu bleiben. Das ist auch enorm wichtig für deine mentale Verfassung und die Genesung. Die Jungs haben mir dabei auch sehr geholfen. Michi Lang zum Beispiel, mit dem ich ohnehin sehr eng verbunden bin. Aber auch Luca Zuffi, Manu Akanji und Moi waren immer helfend zu Stelle.

(archiv)

«Michi Lang hat mir sehr geholfen.»

(archiv)

Hat sich Ihre Rolle im Team verändert?
Es ist immer anders, wenn du nicht spielst. Es ist nicht so, dass du ganz egal bist. Aber du bist weg und siehst nicht, was sie im Training machen. Aber das habe ich alles erfragt und so die Nähe bewahrt.

Nimmt Ihr Einfluss nun ab, wo mit Fabian Frei und Valentin Stocker zwei neue Leader zurück sind?
Glauben Sie denn, mein Einfluss ist gross?

Da Sie als Königstransfer angepriesen wurden und einer der Älteren sind, ja.
Sie haben recht. Stürmer sollten sowieso immer einen gewissen Einfluss in der Mannschaft haben. Auch wenn wir und die Goalies immer die komischen Typen sind (lacht). Aber ich denke wirklich nicht, dass die Zuzüge der beiden und von Samuele Campo für mich etwas ändern werden. Ich glaube vielmehr, dass sie Persönlichkeiten sind, die das Team brauchen kann. Und bei Fabian und Samuele habe ich hier im Trainingslager auch bereits gesehen, dass sie richtig gute Fussballer sind. Valentin lerne ich erst noch kennen.

Ihre Verletzung hatte auch zur Folge, dass der FCB zwei weitere Stürmer verpflichtet hat. Die Position ist überbesetzt, oder?
Ich weiss nicht, ob man zu viele Stürmer in einem Team haben kann. Ich bin einfach froh, dass der Trainer entscheiden muss und nicht ich. Wir haben jetzt aber alle noch einen knappen Monat Zeit, um uns zu beweisen. Wir sind alle gute Spieler. Und ich will zeigen, dass ich der Beste bin.

Sie sehen sich also weiterhin als Stürmer Nummer 1?
Ja, das tue ich. Das muss ich jetzt bestätigen. Aber ich vertraue dem Trainer, dass er sich richtig entscheiden wird. Was auch immer das ist. Ich will einfach weiter meine Tore machen.

Wie viele werden es denn am Ende sein?
Ich denke, anhand der Anzahl Spiele, auf die ich kommen kann, müssten es schon 15 Tore sein am Ende der Saison.