2005 hätte sein Jahr sein können: Matur in der Tasche, frischgebackener Schweizer Meister über 400-Meter-Freistil; die Zukunft sah rosig aus. Doch dann wurde seinem Trainer Axel Mitbauer gekündigt, andere Schwimmer beendeten ihre Karriere und schliesslich wurde auch noch die Spitzensport-Rekrutenschule für die Schwimmer abgesagt. Zu spät, um sich noch an der Universität in Basel einzuschreiben, suchte der Frenkendörfer Marco Ferraro nach anderen Möglichkeiten, um seinem Ziel, den Olympischen Spielen 2008, näherzukommen.

Marco Ferraro, wie bewirbt man sich an einer amerikanischen Universität?

Marco Ferraro: In Deutschland gibt es einen «Scholarship Service», also eine Vermittlungsagentur. Ich musste ihnen meine Bestzeiten, ein Vorstellungsvideo und meine Zeugnisse zusenden. Sie haben mir dann Angebote weitergeleitet.

Ich nehme an, als Schweizer Meister wird man mit offenen Armen empfangen?

Nein, auch für die amerikanischen Unis war ich spät dran. Sodass die guten Stipendien schon weg waren. Ich entschied mich dann für das finanziell beste Angebot, da das Studium sehr teuer ist. Die Uni von Arkansas übernahm 80 Prozent der Gebühren. Das schwimmerische Niveau ist ein ganz anderes, selbst dort in der zweiten Division.

Nach einem Jahr wechselten Sie die Universität, gingen nach Utah, wurden Sie transferiert?

Die Initiative kam von mir. Es gibt unglaublich viele Regeln, die man berücksichtigen muss, weil der Uni-Sport als Amateursport organisiert ist, also Geld keine Rolle spielen sollte. Fremde Trainer dürfen nicht andere Schwimmer ansprechen. So musste ich erst eine schriftliche Erlaubnis einholen, dass ich mich mit anderen Coachs unterhalten konnte. Michel sagte mir, dass er in Utah schwimmt und sie noch einen Mittelstreckenschwimmer wie mich gebrauchen könnten. Er hat ein wenig Werbung für mich gemacht und so war der Wechsel bald perfekt.

Was ist anders am Schwimmen in den USA?

Vieles. Die Infrastruktur, dann sind in einem Uni-Team wirklich nur Leute, die alles für ihren Sport tun. Die Einstellung ist also ganz anders. Zudem wird man sehr umsorgt. Mein Trainer hat für mich die Prüfungen verschieben lassen. Die Wettkämpfe haben eine andere Atmosphäre. Die Halle bebt quasi. Ende Semester gibt es die «Rival Week», in der alle Sportteams der Uni gegen die Konkurrenz-Uni antreten. Von Football bis Gymnastik. Bei diesen Wettkämpfen ist die ganze Uni am Beckenrand.

Das heisst, Sie konnten sich schwimmerisch verbessern?

Am Anfang fiel mir die Umstellung auf die Yards-Strecken schwierig. Zudem konnte man dadurch die Zeiten nicht vergleichen. Aber in Utah habe ich mich stark gesteigert und konnte dann 2007 an die Universiade in Bangkok.

Fernziel waren die Olympischen Spiele 2008 in Peking?

Die ich leider verpasst habe. Das war der schlimmste Moment meiner Karriere, als ich im Büro meines Trai-ners sass und mir selbst eingestehen musste, dass ich die Limite nicht erreichen werde. Der Moment, als ich dies selbst erkannte, war schrecklich. Ich war davor so fixiert auf diese Limite, dass ich nicht einmal bemerkte, dass im Final der «Nationals», drei Bahnen neben mir, Michael Phelps schwamm. Das wurde mir erst im Nachhinein bewusst.

Nach diesem Knick schwammen Sie noch ein Jahr weiter?

Ja, ich bin bis vor meinen Abschlussprüfungen weitergeschwommen und habe dann aufgehört. Das war so geplant.

Jetzt sind Sie zurück in Frenkendorf, beziehen demnächst eine Wohnung in Basel. Hat sich das USA-Abenteuer gelohnt?

Auf jeden Fall. Schon nur, weil ich am ersten Tag in Arkansas Rachel kennengelernt habe, meine heutige Frau. Aber auch sportlich. Eine Zeit lang alles auf die Karte Sport zu setzen, ringsum unterstützt zu werden und daneben studieren zu können, ist eine super Erfahrung. Zudem habe ich tolle Leute kennengelernt, die echte Freunde wurden. Fünf Schwimmer sind spontan ans Hochzeitsfest in die Schweiz gereist. Einfach so, von Utah aus.