Sie spielt bereits seit 20 Jahren Volleyball – und dabei ist sie erst 25 Jahre alt: Tess von Piekartz ist Captain beim NLA-Leader Sm’Aesch Pfeffingen. Ihr Hobby machte sie zum Beruf, denn der Sport beschäftigt sie jeden Tag: «Es ist quasi wie ein Vollzeitjob, du bist jeden Tag in der Woche mit der Arbeit konfrontiert.»

Den Anfang ihrer Karriere machte sie bei Ootmarsum, einem Ort in der niederländischen Region Twente. Zum Ball fand sie dank ihrer Eltern. Schon mit drei Jahren stand sie in der Halle, da ihre Mutter selber Volleyballerin war. Als sie fünf war, begann sie selber zu spielen. Ihr Vater spielte professionell Wasserball in der obersten Niederländischen Liga.

Von Piekartz schaffte 2010 den Durchbruch, als sie als 17-Jährige zu Heutnik Pollux Oldenzaal in die niederländische A-League wechselte. Bereits ein Jahr später kam der Transfer in die deutsche Bundesliga zustande. Vier Jahre spielte sie beim VBC Münster, ehe sie zum Ligakonkurrenten Rote Raben Vilsbiburg ging.

Mehr Professionalität

Die Zeit in Deutschland beschreibt sie als ein Highlight ihrer bisherigen Karriere, weil der Volleyballsport einen höheren Stellenwert geniesst. «In Deutschland hast du mehr Druck. Es kommen viel mehr Leute zu den Spielen, es ist viel professioneller, jedes Spiel ist richtig wichtig. Man merkt, dass man richtig professionell lebt.»

Professionell leben tut sie aber auch in Basel, betont sie. Jeden Tag ist sie mit dem Sport konfrontiert, ob im Training, im Spiel oder der Physiotherapie. Als Ausgleich geht sie gerne auf Reisen oder betreibt ihren eigenen Blog, in dem sie sich nach eigener Aussage weiterentwickeln kann. «Ich führe meinen Blog, weil ich mich darin entwickeln kann, in dem ich meine Erfahrungen sammle und teile.

Ausserdem schreibe ich gerne, es lenkt mich ein wenig ab und ich bleibe Up-to-date.» Auch im Reisen hat sie eine Leidenschaft entdeckt: «Ich will überall hin. Ich möchte gerne nach Afrika und Asien. Ausserdem möchte ich unbedingt auf Indonesien.»

Sportlich hatte die heute 25-Jährige zu früheren Zeiten andere Reiseziele. Italien oder Polen standen auf dem Programm. Sie wollte in eine der grössten europäischen Ligen aufsteigen, hat sich nach ihrem Wechsel in die Schweiz aber dagegen entschieden.

Beziehung mit einem Profisportler

Immerhin fand sie letztes Jahr bereits die Zeit, die Vereinigten Staaten von Amerika zu bereisen. Sie tat dies mit ihrem Freund Marcel Kittel, der ebenfalls Profisportler ist. Der Deutsche ist Radrennfahrer, momentan beim belgischen Team Quick-Step Floors unter Vertrag. Der Sprinter feierte im Sommer als Karrierehighlight die Siege von insgesamt fünf Etappen an der diesjährigen Tour de France.

Die Beziehung der beiden Vollzeitsportler gestalte sich nicht immer einfach, sagt sie. «Wir sehen uns nicht oft. Wir müssen genau planen, wann wir uns sehen können.» Bis jetzt setzen die Beiden alles auf den Sport, können sich dadurch aber auch gegenseitig unterstützen: «Wenn wir beide einmal zu Hause sind und er oder ich einen schlechten Trainingstag hatten, verstehen wir uns natürlich gut, weil wir wissen, wie sich das anfühlt. Aber es ist auch mal schön, nicht immer über den Sport zu reden.»

Plan B

Trotz der noch jungen Karriere hat Von Piekartz schon einen zweiten Plan in der Hand, falls es im Volleyball plötzlich mal nicht mehr läuft. Während ihrer Zeit in der deutschen Bundesliga hat sie «Human Resource Management» studiert und erfolgreich abgeschlossen. Zurzeit ist sie an einer Ausbildung zur Personal-Trainerin.

Ausserdem trainiert sie noch 12- bis 15-jährige Volleyballerinnen. Welchen Weg sie aber nach ihrer Karriere einschlagen möchte, ist ihr noch unklar. «Ich weiss nicht, ob es etwas mit Volleyball zu tun haben wird. Sicher ist aber, dass es etwas mit Sport sein wird.» Ein paar Saisons wird Von Piekartz dem Volleyball jedoch noch erhalten bleiben.

Für diese Saison hat sie sich grosse Ziele mit Sm’Aesch gesteckt: «Wir möchten in der Liga eine Medaille holen. Auch international wollen wir uns etablieren und das erste Spiel gegen Zagreb gewinnen.» Grosse – aber wie sie selber sagt – erreichbare Ziele.