Boxen
«Im Boxring höre ich nur die Stimme meines Trainers»

Im Keller des Noble Art Boxing in Frenkendorf fand ein kleines, aber feines Meeting statt. Die Einheimischen massen sich mit der Konkurrenz aus dem Norden Deutschlands. Lokalmatador Fabian Hartmann unterlag dem Norddeutschen Meister äussert knapp.

Andreas Fretz
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«Für mich war das ein klares Unentschieden», sagte Trainer Michael Sommer nach dem letzten Kampf des Abends. Soeben hatte sein Schützling Fabian Hartmann gegen den Norddeutschen Meister Ferhat Öztas äusserst knapp nach Punkten verloren. «In jedem anderen Land hätte bei einem so engen Kampf der Heimvorteil entschieden», befand Sommer weiter. So ist das eben im Boxen. Nur in der Schweiz sind die Richter etwas neutraler als anderswo.

Für Hartmann, den Schweizer Meister im Halbweltergewicht von 2011, war es – mit Ausnahme des Ergebnisses – wortwörtlich ein Heimspiel. Wenn der Centre Court von Wimbledon Roger Federers erweitertes Wohnzimmer ist, so gilt das im Falle des Frenkendorfers für den Boxkeller. Denn drei Stockwerke weiter oben bewohnt der 26-Jährige mit einem Kollegen eine Dreizimmer-Wohnung. «Wenn ich hier boxe, bin ich nervöser als sonst», sagt Hartmann. Er kennt jeden, und jeder kennt ihn. Von ein Paar Dutzend Kehlen wurde der Lokalmatador lautstark angefeuert, darunter auch Freundin Sabrina und seine Schwestern Romina und Sabrina. «Wenn ich in den Ring steige, nehme ich die Rufe war, während des Kampfs höre ich aber nur meinen Trainer», sagt Hartmann.

Mit dem Norddeutschen Meister bekam er einen echten Gradmesser vorgesetzt, der zudem ein unangenehmer Rechtsausleger ist. Um im Tennis-Jargon zu bleiben: Es ist, wie wenn Federer auf den Linkshänder Nadal trifft. «Es war ein guter und lehrreicher Kampf», sagt Hartmann nach getaner Arbeit und stieg die Stockwerke hoch unter die eigene Dusche.