Wasserball

Im Wasser obenauf: Wie der WSV Basel zur Spitzenmannschaft im Wasserball wurde

Die Basler Wasserballerinnen jubeln nach dem gewonnen Cupsieg 2019.

Die Basler Wasserballerinnen jubeln nach dem gewonnen Cupsieg 2019.

Im vergangenen Jahr waren die Wasserballerinnen des WSV Basel das Mass aller Dinge. Neben dem Meistertitel und dem Cupsieg wurden sie auch als Basler Team des Jahres geehrt. Dieser Erfolg basiert in erster Linie auf der jahrelangen Leidenschaft eines Mannes.

Michel Grasso muss schmunzeln, als er auf seinen Spitznamen angesprochen wird. «Mister Wasserball» wird er gemeinhin genannt. Selber hat der Trainer der Damen-Wasserballmannschaft des WSV Basel den Namen nicht ausgewählt. Doch die Bezeichnung könnte treffender nicht sein. Sie verweist auf sein Lebenswerk, das er seit Jahrzehnten in der Region Basel aufgebaut hat. Als Grasso 1992 noch ein aktiver Schwimmer in Pratteln war, schwirrte eine Idee in seinem Kopf herum. Er fühlte die Motivation, etwas auf die Beine zu stellen: Damenwasserball in Basel.

«Er ist wirklich der Mister Wasserball. Seit Jahren ist er mit Herzblut dabei», bestätigt Paola de Feo, die Topscorerin beim WSV Basel. Als Grasso mit seinem Projekt beginnt, ist von Damen, die in einem Wasserbecken den Ball ins gegnerische Tor befördern, noch nichts zu sehen. Es ist ihm ein Dorn im Auge. «Ich habe mir gar nicht zu viele Gedanken gemacht, sondern es einfach durchgeführt», sagt der heute 52-Jährige. Er spürte, dass in der Region trotz mangelhaften Angebots ein Interesse an der Randsportart existiert. Er organisierte eine erste Informationsveranstaltung, zu der 20 Spielerinnen kamen – und von denen nur sechs schliesslich blieben. Trotzdem war die Resonanz positiv. Grasso war überzeugt und setzte sich ein ambitiöses Ziel: Innerhalb von vier Jahren wollte er den ersten Schweizer Meistertitel mit seiner Damenmannschaft feiern.

Doch zuerst musste er andere Hürden aus dem Weg räumen. «Anfangs wurde Wasserball noch belächelt», sagt er rückblickend. Zudem kämpfte er um genügend Spielerinnen, um an der Meisterschaft teilnehmen zu können. Als dies gelang, nahm der Siegeszug der Basler Wasserballerinnen durch die Schweizer Schwimmbecken Fahrt auf. Den ersten Höhepunkt erreichten sie mit dem ersten Meistertitel, vier Jahre nach der ersten Teilnahme in der Meisterschaft. Die Gegnerinnen, die den Baslerinnen zum ersten Meistergewinn gratulieren mussten, kamen aus Horgen, eine Mannschaft, die sich über die Jahre hinweg zur grössten Rivalin entwickeln sollte. Erstmals erlebte Grasso mit seinen Wasserballerinnen das überwältigende Gefühl des Erfolgs und wie süchtig es macht. Apathisch sass er nach dem ersten der beiden Siege im Finalduell auf dem Beckenrand. «Es war wie Endorphin hoch zehn», erzählt Grasso.

Doch die Baslerinnen mussten in den Folgejahren auch die bitteren Seiten der Randsportart kennen lernen. 2014 verfügte Grasso plötzlich über zu wenig Spielerinnen, was eine Teilnahme an der Meisterschaft ausschloss. Die Verbliebenen trainierten zwar weiterhin in Basel, fanden für die Ernstkämpfe aber Unterschlupf bei einem Konkurrenten.

Die Schwankungen in der Anzahl Spielerinnen sind beträchtlich. Das Pendel schlägt beinahe willkürlich nach oben oder unten aus, es ist einer der wenigen Faktoren, die Grasso nicht kon­trollieren kann. So befanden sich zeitweise 29 Spielerinnen im Kader, was dafür sorgte, dass Grassos Mannschaften gegeneinander antreten mussten: WSV 1 gegen WSV 2. «In solchen Duellen kann man nur verlieren, weil Konflikte vorprogrammiert sind», sagt er.

Die Wasserballerinnen zeigen dem FC Basel den Meister

Im vergangenen Jahr folgte die vorläufige Krönung. Mit dem Meistertitel und dem Cupsieg schwang der WSV in den Schweizer Schwimmbädern obenauf und kämpfte dabei gegen die Widrigkeiten des Sports an. Mit vier Toren lagen sie im entscheidenden Meisterschaftsfinalspiel gegen Horgen zurück, der sicher geglaubte Titel schien ihnen im letzten Moment zu entgleiten. Doch die Baslerinnen drehten auf, verfügten über einen starken Rückhalt im Tor und entrissen den Horgerinnen den Titel. Der zehnte Meisterpokal war perfekt. «Man sagt, dass man dann aufhören sollte, wenn es am schönsten ist. Aber bei dieser Mannschaft kann ich dies schlicht nicht», sagt Grasso.

Zur Krönung wurden die Wasserballerinnen als Team des Jahres in der Stadt Basel ausgezeichnet. «Wir sind als Randsportart weit unten. Deshalb ist die Auszeichnung eine besonders tolle Anerkennung», freut sich Grasso. Der WSV Basel zeigte dem FC Basel und allen anderen Vereinen wahrhaft den Meister. Vom Gefühl des Gewinnens kann der Trainer nicht genug kriegen, von der leidenschaftlichen Arbeit mit den Wasserballerinnen sowieso nicht. Es sind zwei Eigenschaften, die ihn zum «Mister Wasserball» machen.

Interview mit der Topscorerin des WSV Basel und Schweizer Nationalspielerin: Nachgefragt bei Paola de Feo

Paola de Feo gehört zu den erfahrensten Spielerinnen in der Mannschaft.

Paola de Feo gehört zu den erfahrensten Spielerinnen in der Mannschaft.

Warum stehst Du wie keine andere für deinen Verein?

Paola de Feo: Weil ich schon lange dabei bin und immer viel Leidenschaft und Einsatz zeige. Ich motiviere zudem junge Spielerinnen und zeige ihnen, was mit viel Training erreicht werden kann. Umso besser du bist, desto mehr Spass macht es. Und besser wirst du, wenn du hart trainierst.

Warum willst Du nie wieder weg vom WSV Basel?

Der Verein ist inzwischen wie eine zweite Familie, die mich wöchentlich begleitet. Zudem gibt es in der Schweiz gar nicht viele andere Möglichkeiten als Meister. Ansonsten finde ich aber Auslandserfahrungen immer sehr willkommen. Ich bin jedoch zu alt dafür. Den Jungen empfehle ich dies aber immer, weil es den Horizont erweitert.

Wie kamst Du zum Wasserball?

Als 12-Jährige fragte mich der Vater von Michel Grasso, der ein Besucher unserer Beiz war, ob ich nicht mal schwimmen und mit einem Ball spielen wollte. Weil ich sowieso gerne Wasser habe, bin ich zum Probetraining. Dies hat mir sofort sehr viel Freude bereitet.

Welche Bedeutung hat Michel Grasso für Dich?

Er leitete mein erstes Probetraining. Es machte mir sehr viel Eindruck, gleich so viel Zeit von einem Trainer zu erhalten. Er hat in mir das Potenzial gesehen, nahm mich früh mit zu internationalen Einsätzen und gab mir immer mehr Einsatzzeit. Er ist stets motiviert, gut zu sein und die Wasserballerinnen zu unterstützen. Er ist wirklich der «Mister Wasserball» und ist immer mit viel Herzblut dabei.

Was macht den Reiz von Wasserball aus?

Wasserball lebt von der Vielseitigkeit. Es erfordert Explosivität, Dynamik und Ausdauer im Wasser. Zudem muss man den Umgang mit dem Ball beherrschen. Es benötigt ein Ganzkörpertraining, insbesondere starke Beine und Arme. Zudem ist viel Taktik und eine hohe Spielintelligenz erforderlich. Während des Spiels gibt es eigentlich nie Erholungsmomente. Die Sportart kann auch ziemlich grob sein.

Inwiefern ist Wasserball grob?

Es gibt sehr viel Körperkontakt und ist dementsprechend intensiv. Alles, was unter dem Wasser stattfindet, kann vom Schiedsrichter nicht beurteilt werden. Da will man sich dann schon einen Vorteil verschaffen. Deswegen trägt man von einem Spiel auch Kratzer am Körper davon. Zu wirklichen Verletzungen kommt es aber nur selten.

Was ist das Verrückteste, dass Du je beim WSV Basel erlebt hast?

Wir haben einmal vor ein paar Jahren in Spanien im Europacup gegen eine Mannschaft gespielt. Da waren sehr turbulente und temperamentvolle Fans vor Ort, die sehr laut waren. Auch im Wasser wurde es beim Spiel hektisch, es ist sogar ein bisschen ausgeartet. Wir diskutierten mit unseren Gegnerinnen noch nach dem Spiel in der Garderobe. So etwas habe ich noch nie erlebt in meiner Karriere. Später mussten wir im gleichen Bus mit ihnen zurückfahren und neben ihnen sitzen.

Welches Spiel vergisst Du nie mehr?

Das letztjährige Finalspiel gegen Horgen, vor allem die letzten Sekunden. Da schaute ich sehr oft auf die Uhr. Ich war extrem nervös und hoffte, dass die Sekunden schneller laufen. Danach haben wir gefeiert.

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