Mit 15 Jahren gehörte Ernest Plej bereits dem (Profi-)Kader eines slowenischen Erstdivisionsklubs an. Er war Nachwuchs-Auswahlspieler und hat mit Akteuren zusammengespielt, die noch heute im Ausland ihr Geld als Profi verdienen. Einer seiner früheren Teamkollegen war Fabian Cipot, der vor ein paar Jahren beim FC Luzern ein kurzes Gastspiel gegeben hatte.
Wie viele Jungs hoffte Pley auf eine grosse Fussballkarriere. Als er an der Universität Maribor sein Wirtschaftsstudium begann, spielte er in der 2. Division und war Profi. „Ja, das Gehalt war für einen jungen Stundenten ordentlich. Ich konnte damit gut leben und mir das Studium finanzieren“, so Plej.
Heirat und neue Sprache
 Dass die erhoffte Profilaufbahn nicht zustande kam, hat auch mit einer Baslerin zu tun. Er lernte seine heutige Frau Jessica an der Universität Maribor kennen und lieben. Man heiratete und lebte vorerst in Slowenien. „Am 31. März 2005 bin ich in die Schweiz gekommen“, erinnert sich der 190 Zentimeter grosse Slowene an seine Ankunft in ein fremdes Land. Dessen Sprache er nicht verstand.
 Die Familie Plej nahm in Liestal Wohnsitz, doch durch einen Bekannten (Claudio Genasci, ehemaliger Regionalfussballer) wurde er auf den FC Therwil aufmerksam. „Ich ging ins Training – und von Anfang an hat man mich mit offenen Armen empfangen“, erinnert sich Plej an seine Anfangszeiten zurück. Als auf die Saison 2005/06 Franz Glaser neuer Trainer des Drittligisten wurde, hat dieser den eigentlichen Verteidiger zum Stürmer umfunktioniert. „Er sah, dass ich als Aussenverteidiger immer nach vorne marschierte und bei Standards mit Kopfbällen gefährlich war“, lacht Plej.
Mit Zug und Tram ins Training
 Obwohl Plej ein Auto besass, ging er damals immer mit dem Zug und dem Tram ins Training. „Ich hatte viel Zeit und nutzte die superben öffentlichen Verkehrsmittel, um Deutsch zu lesen und lernen. Das war überhaupt kein Stress, auch wenn der Weg von Liestal nach Therwil fast eine Stunde dauerte“, so Plej. Ein wenig erstaunt war die Therwiler Nummer 10 nur, als „ich vom Verein eine Rechnung für den Mitgliederbeitrag erhielt. Ich war es bisher gewohnt gewesen, als Fussballer Geld zu erhalten“, lacht der Slowene. Er hat den Beitrag anstandslos bezahlt und vom Klub nie ein Entgelt erhalt. Dies sei explizit festgehalten.
 Heute spricht Ernest Pley perfekt Deutsch. Er fand schnell eine Arbeitsstelle als Revisor in einem renommierten Unternehmen und ist nun seit zwei Jahren in leitender Funktion im Controlling tätig.
Mit einem Berufskollegen hat er nun die Möglichkeit, sich in seiner Heimat selbständig zu machen. „Ja, ein grosser Schritt zurück sozusagen. In Ljubljana werden wir, in Verbindung mit einem deutschen Unternehmen, etwas aufbauen“, so Plej. So wurde er am letzten Sonntag, beim 6:1-Sieg über den FC Nordstern (Pley erzielte die beiden ersten Treffer der Leimentaler), bei seiner Auswechslung mit tosendem Applaus bedacht. Und der Speaker bedankte sich im Namen des Gesamtklubs für seine über fünf Jahre, die er im gelb-schwarzen Trikot gespielt hat.
Wunderbarer Mensch
„Mit Ernest verlieren wir einen grossartigen Fussballer und wunderbaren Menschen“, so Trainer Glaser und zeigte Emotionen. In der Tat schoss Plej im letzten Jahr für den FCT rund 20 Tore und war massgeblich am Aufstieg nach 15 Jahren. Auch in der regionalen 2. Liga hat er bis dato sechs Treffer geschossen.
Ins Training geht Ernest Plej übrigens nicht mehr per SBB und BLT. Seit zwei Jahren wohnt er in Therwil und geht die 10 Minuten zum Sportplatz Känelboden, seinem bodenständigen Charakter entsprechend, zu Fuss.