Der Sportplatz Schorenmatte ist legendär. Eines der kleinsten Spielfelder schweizweit überhaupt. Aber eine Spielstätte mit Charme. Am frühen Freitagabend kommt es in der Gruppe 1 der Senioren-Meisterschaft zum Spitzenkampf zwischen Kleinhüningen und Biel-Benken. Die Gäste, in corpore, treffen bereits gut eine Stunde vor Anpfiff im Kleinbasel ein.

Gemütlicher als sonst

Mit dabei Alex Frei und Benjamin Huggel. Die beiden Ex-Internationalen und -FCB-Akteure laufen sich konzentriert ein. Wie einst in den grossen Stadien. Für Wortwechsel mit Zuschauern oder gar Medienschaffenden bleibt keine Zeit.

Der Blick von Alex Frei soll wohl aussagen: «Wir haben einen Match. Bitte nicht stören». Merke: Natürlich nehmen es die beiden Ex-Profis gemütlicher. «Aber gewinnen will der Alex immer», so seine Teamkollegen. Den Ehrgeiz verliert man bekanntlich nie.

Heimteam macht Druck

Ein 3:3 in Riederwald und ein 4:2-Heimsieg gegen den ASC Sparta-Helvetik ist die bisherige Bilanz der Leimentaler. Kleinhüningen hat nach zwei Runden eine makellose Bilanz und führt die Rangliste mit sechs Punkten an. Und zu Beginn sind es die Platzherren, die mächtig Druck machen.

Die Gäste spielen in einem 4-1-4-1-System. «Wir spielen modernen Fussball. Und können flexibel umstellen», so Biel-Benken-Trainer René Lietzau, ein gebürtiger Deutscher, der schon lange in der Schweiz lebt.

«Ganz normales Spiel»

Auch für Schiedsrichter Greco Clemente (52) ist es «ein ganz normales Spiel. Ich leite seit über 30 Jahren Partien. Früher für einige Zeit auch in der
2. Liga». Dies seine Antwort vor Anpfiff auf die Frage, ob er wegen des Mitmachens von Huggel und Frei ein wenig nervös sei. Nach zehn Minuten geht Biel-Benken in Führung.

Yves Meier (35), einst bei Riehen (1. Liga) sowie in Birsfelden und Aesch (jeweils 2. Liga) aktiv, wuchtet eine Flanke in «Horst-Hrubesch-Manier» mittels Kopfball ins Netz. Das erste Benkemer Tor, das nicht Alexander Frei (so steht es auf dem Spielerpass, auch wenn so ihn nur seine Mutter nennen darf) geschossen hat.

Fussball pur

In der 21. Minute schlägt Frei einen Freistoss in den Strafraum. Und Huggel befördert den Ball ins Netz. Wie früher im St. Jakob-Park vor 30 000 Zuschauern. Dass der Torhüter des VfR Kleinhüningen den eigentlich harmlosen Freistoss abprallen liess, sei erwähnt – hat aber keine Bedeutung.

Seniorenspiele, zumindest in dieser 3. Klasse, sind gemütlich. Kaum Foulspiele, keine Reklamationen, Achtung vor Mit- und Respekt vor Gegenspielern. Fussball pur halt. Gespielt wird über zweimal 40 Minuten und es darf, analog dem Eishockey, fliegend ein- und ausgewechselt werden. «Man spürt halt die Jahre», so Alain Kleiber. Er sorgt auf der rechten Aussenbahn für viel Druck und seine Technik und Ballbehandlung verrät, dass er auch einst höher (FC Oberwil, 2. Liga) gespielt hat.

Frei holt Elfer heraus

Den Pausentee, primär isotonische Getränke, nimmt man auf dem Platz, bei einer Eckfahne, ein. In der 50. Minute fällt Alex Frei bei einem Laufduell im Strafraum. Der Ref zeigt sofort auf den Elfmeterpunkt. Viele Zaungäste (ab der zweiten Halbzeit deutlich mehr als zu Spielbeginn) meinen, der Rekordtorschütze der Schweizer Nationalmannschaft sei einfach hingefallen. «Eine typische Frei-Schwalbe», enerviert sich ein Kleinhüningen-Anhänger. «Das war doch ein klares Foul, hösch», so die Replik von Frei nach Abpfiff. Er bekommt vom Unparteiischen absolut Recht: «Der Spieler mit der Nummer 13 wurde sogar doppelt gefoult. Von den Beinen geholt und zusätzlich am Trikot zurückgehalten», sagt Creco. Alles klar. Den Strafstoss schiesst aber nicht Frei, sondern Alain Kleiber.

Kleinhüningen beklagt zwei Pfostenschüsse, während Frei nach 64 Minuten zum obligaten Tor kommt. Sein Heber verrät feinste Fussballschule. Die Gäste siegen zuletzt 5:1 und übernehmen die Tabellenspitze. «Wir sind im Fahrplan, jetzt rollt es», so Frei und Huggel kurz und trocken nach Matchende.

Ein gelungener, gemütlicher Fussballabend, wie ihn Alex Frei seit seinem Rücktritt vom Spitzenfussball so liebt. Er wird heute in St. Gallen mit Luzern mehr Stressmomente durchleben.