Ein kurzer Blick aufs Matchblatt reicht. Der Name von Davide Callà fehlt erneut. Er ist nicht im Kader. Zum vierten Mal im vierten Spiel der Saison. Gegen Thun am vergangenen Samstag wurde er als verletzt aufgeführt. «Ich war nicht verletzt», entgegnet er. «Das ist mir ganz wichtig, das zu sagen. Gerade mit meiner Verletzungshistorie.»

Er spricht die zweimal gerissenen Kreuzbänder, die beiden Knorpelschäden sowie seinen Leistenbruch an, die ihn so viele Spiele in seiner Karriere gekostet haben. «Ich bin fit. Es ist alles gut. Ich war halt einfach nicht im Aufgebot», erklärt er nüchtern. Der Trainer müsse Entscheide treffen, schliesslich könne er nur 18 Spieler für ein Spiel nominieren. «Und ich habe bis jetzt eben immer zu den anderen gehört.»

Momentan befindet sich Callà in einer ungewohnten Situation

Momentan befindet sich Callà in einer ungewohnten Situation

Es ist eine Situation, die Callà nicht kennt. Auch er selber sagt: «Daran bin ich nicht gewöhnt. Und ich muss zugeben: Es ist nicht einfach.» In der letzten Saison stand er immer im Kader, wenn er fit war. Nur gerade dreimal suchte man seinen Namen vergebens auf dem Matchblatt.

Im Zweitrunden-Spiel im Schweizer Cup gegen Tuggen und im zweitletzten Saisonspiel gegen GC, als die Basler bereits Meister waren, bekam er eine Pause. Und im Cupfinal gegen Sion fehlte er ebenfalls – aber nur, weil er am Morgen des grossen Spiels aufgrund einer Muskelverletzung hatte Forfait geben müssen. Sein damaliger Trainer Urs Fischer hätte ihn sonst auf die Bank gesetzt. Von dort aus kam er dann meistens auch zum Einsatz – 21 Mal in 33 Spielen. Am Saisonende war er in puncto gesammelter Einsatzminuten an Position 16 der Basler Mannschaft.

Akzeptieren und alles geben

Jetzt aber läuft eine neue Saison. Und Callà ist dabei, «eine neue Erfahrung zu machen». Es sei noch früh, eine erste Bilanz nach nur vier Spielen zu ziehen, beruhigt er etwas – vielleicht auch sich selbst. Aber immerhin hat er schon jetzt mehr Spiele verpasst als in den letzten beiden Saisons (auch in der Spielzeit 2015/2016 war er nur dreimal nicht im Aufgebot). Doch was ist passiert? Was hat Callà, wie er es selber formuliert, «in der Hierarchie weiter nach hinten» gebracht?

«Es hat sich irgendwann herauskristallisiert, dass es darauf hinausläuft.» Man merke als Spieler schnell einmal, wie nahe man dran sei, die Möglichkeit auf einen Einsatz zu bekommen. «Und momentan habe ich das Gefühl, dass ich eher weiter entfernt bin.»
Erneut die Nummer 16 punkto Einsatzzeit zu werden, daran zweifelt der 32-Jährige schon jetzt ein wenig. «Ausser es passiert etwas Ungewöhnliches.» Callà kann nicht wirklich erklären, woran es momentan liegt.

Davide Callà muss im Training alles geben.

Davide Callà muss im Training alles geben.

Er könne es nur akzeptieren und im Training immer sein Bestes geben. Wenn es dann doch nicht reicht, dann sei man sicher auch unzufrieden. Zeigen würde er das aber nicht. Weil er die Mannschaft nicht stören wolle mit schlechter Laune und weil er gar nicht dazu komme, wie sonst stinkig zu werden, wenn er länger nicht gespielt hat. «Ich habe im Moment keine Argumente dazu, Stunk zu machen.» Er ist realistisch genug, zu merken, dass es aktuell nicht reicht.

Viel geändert hat sich auf den Positionen der Flügel zwar nicht. «Aber es hat eine andere Ausrichtung des Vereins gegeben. Auch das muss man akzeptieren. Manchmal passt man mehr rein, manchmal weniger.» Angst, den jungen Talenten im Weg zu stehen, wie sie Matías Delgado hatte, ist bei Callà nicht zu spüren. «Wenn ich nicht spiele, kann ich ihnen ja gar nicht im Weg stehen», sagt er und lacht.

Den Humor, den hat Callà nämlich trotz aller Schwierigkeiten nicht verloren. Er sei einfach in einer «neuen Rolle». Wie beispielsweise Germano Vailati, neben Callà letzter Verbleibende der Gruppe um Delgado, Behrang Safari und Walter Samuel, die nach den Essen immer noch etwas länger sitzen blieben und zusammen Kaffee tranken.

Trotzdem Freude am Sport

Der Rücktritt des Captains habe ihn getroffen, weil sie beide sehr viel miteinander zu tun hatten, auch privat. Man habe zwar immer wieder über ein mögliches Karriereende geredet – «gezwungenermassen, schliesslich sind wir beide nicht mehr die Jüngsten». Dass Delgado aber so plötzlich Nägel mit Köpfen gemacht habe, «das hat mich dann doch überrascht».

Ähnlich finale Gedanken hatte Callà selber noch nicht. Dafür macht ihm sein Beruf noch viel zu viel Spass. Und die Freude am Fussball nehme ihm auch die so ungewohnte Situation mit momentan null Einsätzen mit Sicherheit nicht. «Dafür bin ich zu gefestigt.» Davide Callà sagt, er habe noch ganz viel Lust, weiter zu «tschutten».

Die Freude am Sport hat Callà nicht verloren

Die Freude am Sport hat Callà nicht verloren

Auch über den Sommer 2018 hinaus. Bis dann läuft sein erst in diesem Februar um ein Jahr verlängerter Vertrag beim FCB noch. Je nachdem, wie sich die Situation in Basel weiterentwickelt, müsste er an eine Fortsetzung andernorts nachdenken. Dazu ist er realistisch genug.

Einsatz im Cup?

Schliesslich müsse einem die angedachte Rolle auch immer behagen. «Ich will nicht einfach Lohn dafür bekommen, dass ich präsent bin.» Jeder Fussballer wolle am Ende auf dem Platz stehen. Auch in der ersten Cup-Runde gegen Wettswil-Bonstetten. «Da würde mir mit Sicherheit kein Zacken aus der Krone fallen.» Viel mehr hätte Davide Callà grosse Freude daran, würde sein Name am Sonntag endlich wieder mal auf dem Matchblatt zu finden sein.