Basels Sportvereine
In der Judo Schule Nippon werden junge Sportler zu jungen Trainern

Die Judo Schule Nippon feiert nächstes Jahr ihr 25. Jubiläum und kann auf eine erfolgreiche Vereinsgeschichte zurückblicken.

Alexandra Toscanelli
Merken
Drucken
Teilen

Bald 25 Jahre ist es her, dass Tim Hartmann und Sandra Derron in einem Zeitungsinserat zum Judotraining einluden. Zwei neugierige Kinder erschienen damals im Training. Dieses findet noch angegliedert an einer Thaibox-Schule statt. Inzwischen hat die Judo Schule Nippon über 300 Mitglieder, 27 Kurse pro Woche und drei Standorte. Das Training ist primär für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ausgelegt.

Vereinssteckbrief Judo Schule Nippon

Name des Vereins: Judo Schule Nippon Basel


Gründungsdatum: 1. September 1996

 
Anzahl Mitglieder 2019: 300

 
Vereinsfarben: rot-schwarz

 
Heimstätte: Dojo Blotzheimerstrasse

 
Grösste Rivalen: Die Judovereine aus Morges, Uster und Brugg.

 
Grösste Erfolge: 36 Schweizer Meistertitel seit 2006

 
Bekannte (Ex-)Mitglieder: U.a. die Basler NachwuchssportlerInnen des Jahres Florian Droux (2012), Alina Lengweiler (2013) und Yannic Johner (2019)

 
Vereinsmotto: Judo - Sport und Lebensschule

Tim Hartmann, Psychologe, Sportlehrer und Sportwissenschaftler, welcher auch in Magglingen arbeitet, sagt: «Judo ist eine breite Sportart, die auch koordinativ sehr interessant ist. Gerade junge Kinder bekommen dadurch eine breite Basis. Wir machen sehr viel mit diesem Kindersportgedanken.» Deshalb ist die Philosophie: altersgerechtes Judotraining mit dem Ziel einer ganzheitlichen körperlichen und geistigen Entwicklung. Diese altersgerechte Bewegungsausbildung ist auch der Grund, wieso der Grossteil der Mitglieder eher im Breitensport anzugliedern ist. «Wir haben viele Kinder, die vielleicht ein oder zwei, vielleicht drei Jahre Judo machen und dann wechseln. Und das ist auch okay, weil sie eine gute und breite Basis mitbekommen haben. Beispielsweise haben sie gelernt, richtig zu fallen», erklärt Hartmann. «Natürlich habe ich aber sehr Freude, wenn sie es bis zum schwarzen Gürtel durchziehen», fügt er lachend hinzu.

Die Serie: Basels Sportvereine im Porträt

In einem langfristigen Projekt porträtiert die bz alle Sportvereine der Region auf einer ganzen Zeitungsseite und auch auf unserem Onlineportal. Bist auch Du in einem Verein, der eine tolle Geschichte zu erzählen hat, dann schreibe eine E-Mail an sportbasel@chmedia.ch.

Trotz der Breitensportförderung gibt es auch einige Spitzenathleten in der Judo Schule Nippon. «Es gibt eine kleine Gruppe, die sehr gut und intensiv für Wettkämpfe trainiert», sagt Hartmann. Und das mit Erfolg: Ganze 36 Schweizermeistertitel konnten seit 2006 gesammelt werden. Gerade Talente aus der Region können gefördert werden. So gab es in den letzten Jahren drei Athleten aus der Nippon Schule, welche zum Basler Nachwuchssportler beziehungsweise der Nachwuchssportlerin des Jahres gewählt wurden: Florian Droux (2012), Alina Lengweiler (2013) und Yannic Johner (2019).

Aline Lengweiler

Aline Lengweiler

Kenneth Nars

Die heute 24-jährige Alina Lengweiler ist zwölffache Schweizermeisterin und J+S-Leiterin Jugendsport. Obwohl sie selbst von Montag bis Freitag zweimal täglich und jeden Samstag im Leistungssportzentrum in Brugg trainiert, leitet sie jeden Freitag noch drei Trainings in der Blotzheimerstrasse. «Als ich etwa 15 Jahre alt war, begann ich als Assistenztrainerin. Dann habe ich den J+S-Grundkurs und die Weiterbildung gemacht und habe dann die drei Trainings am Freitag selbst übernommen», erzählt Lengweiler.

Nebst Alina leitet auch der achtfache Schweizermeister Florian Droux Trainings - sowohl in der Judoschule Nippon, als auch für das Kantonalkader vom Judo beider Basel. «Mit 16 gab ich die ersten Trainings als Assistenztrainer und vor vier Jahren habe ich dann die Wettkampfgruppe übernommen», erzählt der 26-Jährige.

Florian Droux

Florian Droux

Kenneth Nars

Tim Hartmann ist stolz darauf, dass viele der Nachwuchsathleten ins Trainerteam einsteigen (siehe Interview unten). Und auch die zwei Nachwuchssportler sind glücklich bei ihrem Verein: «Ich bin bei Nippon gross geworden und bekomme alle Unterstützung, die ich brauche», sagt Lengweiler.

Trainerbesuch mit dem Velo – aus St. Gallen

Nebst den vielen Erfolgen kann die Judo Schule Nippon auch auf einen sehr verrückten Besuch zurückblicken. Der österreichische Judotrainer Franz Kofler hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, in weltweit 1000 Judoclubs und -schulen 1000 Trainings zu geben und damit ein Buch zu füllen. Alle Wegstrecken absolviert er dabei mit dem Velo, wodurch er schliesslich auf fast 60'000 Kilometer kommen wird.

Franz Kofler

Franz Kofler

Sibylle Haltiner

2019 war er bei seiner Reise durch die Schweiz auch zu Besuch in der Judo Schule Nippon. Er war von St. Gallen mit dem Velo nach Basel geradelt und abends faszinierte er die jungen Judokas mit seinem Wissen im Training. Kofler erinnert sich gerne daran: «In der Schweiz gibt es wunderbares Judo. Es ist eine super Kameradschaft untereinander. An den Abend bei Nippon erinnere ich mich noch gut. Nippon ist ein toller Verein und Tim Hartmann ein sehr innovativer Trainer.»

Noch immer ist er in regem Austausch mit den Vereinen in der Schweiz: «Während der Coronazeit haben wir online eine Challenge mit dem Obi (Judogürtel) gemacht. Dabei mussten gewisse Übungen mit dem Obi so schnell wie möglich absolviert und davon ein Video eingereicht werden. Durch solche Onlinegeschichten sind wir immer wieder im Austausch miteinander.»

Franz Kofler zu Besuch bei der Judo Schule Nippon 2019.

Franz Kofler zu Besuch bei der Judo Schule Nippon 2019.

zVg

Bis jetzt hat der 62-Jährige schon über 200 Judoclubs und 450 Judotrainings besucht. Bevor er in zweieinhalb Jahren pensioniert wird, möchte er die 1000 voll machen. Das gefüllte Buch möchte er dann mit dem Velo nach Japan fahren. Für das Gelingen des zehnjährigen Projekts fehlen aber noch einige Trainings mit dem Namen «Matte der Freundschaft».

Mit diesem Projekt möchte Franz Kofler auch zeigen, dass Judo mehr ist als nur ein Sport. Die Judokas sollen die Werte Hilfsbereitschaft, Wertschätzung, Selbstdisziplin, Freundschaft, Höflichkeit, Ehrlichkeit, Respekt, Geduld und Demut leben. So sieht das auch Tim Hartmann: «Wir leben das Vereinsmotto: Judo – Sport und Lebensschule.»

Interview mit Tim Hartmann, Gründer und technischer Leiter bei der Judo Schule Nippon

Tim Hartmann: «Die jungen Trainer sind Vorbilder für die Kleinen»

Tim Hartmann: «Die jungen Trainer sind Vorbilder für die Kleinen»

Kenneth Nars

Der diplomierte Judolehrer und J+S-Experte Kindersport und Jugendsport Tim Hartmann arbeitet im Bundesamt für Sport und ist Dozent an der Uni Basel. Er selbst ist mehrfacher Medaillengewinner an Schweizer Meisterschaften. 1996 hat der 45-Jährige die Judo Schule Nippon mit Sandra Derron gegründet.

Was macht den Club aus?

Tim Hartmann: Wir haben wirklich sehr gute Nachwuchsathleten, von denen wir viele ins Trainerteam reinziehen können. Florian Droux oder Alina Lengweiler sind noch extrem jung und übernehmen schon Verantwortung. Das ist auch irgendwo der Wunsch und schön für den Verein, wenn man junge Leute nachziehen kann. Die sind Vorbilder für die Kleinen. Ich finde es auch cool, dass ich mich selbst rausnehmen kann und mit gutem Gewissen jemand Jungem das Training überlassen kann und weiss, dass es funktioniert.

Wie viele solcher Nachwuchstrainer habt ihr?

Sicher zehn junge Leute, die ein- bis zweimal pro Woche Trainings geben.

Machen Sie selber noch Judo?

Ich leite einfach am Freitagabend in Basel Trainings. Das zweite Training ist U18 und U21, also junge Erwachsene, und dort mache ich punktuell ein wenig mit. Ich mache zwar sehr viel Sport, aber Judo weniger im Moment. Das ist aber eher ein zeitliches Problem. Ich arbeite in Magglingen und mit dem Pendeln bleibt halt meistens nur Zeit für Mittagssport.

Wie sieht es in Zukunft aus? Bleiben Sie immer oder geben Sie es irgendwann ab?

Das weiss ich noch nicht. Ich habe mir noch keine Zukunftsgedanken gemacht. Im Moment ist es so stimmig. Ich mache deutlich weniger als auch schon. Es gab Zeiten, in denen ich mit Sandra zehn bis 15 Trainings pro Woche gegeben habe. Es war ein Reifeprozess, dass man weniger macht an der Front.

Wenn Sie noch einen Wunsch für den Club frei hätten, welcher wäre das?

Ich fände es schon toll, wenn jemand von uns an den Olympischen Spielen kämpfen würde. Im Wettkampfsport ist das immer die Vision, von jedem jungen Mädchen oder Jungen, der anfängt. In dieser Sportart sind die Olympischen Spiele das Grösste. Im Judo ist es vom Qualifikationsmodus her extrem schwierig, dies zu erreichen. Man muss in Europa schon fast in den Top 5 oder Top 8 sein; das ist sehr anspruchsvoll. Wir hatten und haben sehr viel gute Leute, welche vor allem national erfolgreich waren. Aber der letzte Schritt, um international nach vorne zu kommen, ist extrem schwierig. Bis jetzt hat es leider noch nicht geklappt, aber ich bin zuversichtlich.