Als Grenzwächter hat es der Allschwiler Marc Stoffel fast täglich mit Fahrzeugkontrollen und damit mit Pferdestärken, sprich PS, zu tun. Hobbymässig kümmert sich der 32-Jährige in seiner karg bemessenen Freizeit zudem um die Kupplung des 3500-PS-Boliden von Marcus Hilt aus dem Trouble Racing Motorsports. Einer Rennsport-Crew, die international an Viertelmeilen-Rennen startet. 

«Ich bin der Kupplungsmechaniker», sagt Stoffel. Bei einem Beschleunigungsrennen also quasi der «Master of Universe». Ohne eine top funktionierende Kupplung ist in dem Fall jedes PS heisse Luft. Selber hat sich der Athlet vom SK Binningen einen Chevrolet Camaro Baujahr 1969 aufgebaut und ist derzeit an der Restaurierung eines Mustang aus dem Jahr 1967 – sogenannte Muscle Cars, mit denen er selber an Viertelmeilen-Rennen teilnimmt.

«Aber nur zum Spass, das ist eine ganz andere Liga als beim Trouble Racing Team», hält der gelernte Polymechaniker fest. Das Autoschrauben hat sich der handwerklich äusserst begabte Turnerschwinger, der derzeit ausserdem sein Haus baut, selber beigebracht.

Bruno Gisler besiegt

Langweilig wird es Marc Stoffel nie, denn da ist ja auch noch das Schwingen. «Ich habe so viel Spass daran, wie nie zuvor», sagt er. Seit er nicht mehr so verbissen um Platzierungen und Rangierungen kämpft, «läuft es mir eigentlich viel besser.»

Zuletzt holte er sich am Nordwestschweizerischen in Jonen seinen dritten Kranz in dieser Saison. Kann er morgen an seinem Heimfest, dem Jubiläums-Baselländischen in Ormalingen, erneut vor die Kranzjungfer treten, so würde er mit dem vierten Kopfschmuck die für ihn bislang erfolgreichste Saison krönen.

«Ich hoffe natürlich, dass es mir gelingt, den Kranz zu machen. Aber einfacher, nur weil es mein Heimfest ist, wird es nicht», sagt Stoffel. Tagesform, Gegner und Einteilung spielten wie immer eine wichtige Rolle. «Geschafft ist es erst, wenn du am Abend den Kniefall machst.»

Am Schwung und vor allem dem Selbstvertrauen sollte es nicht fehlen. Immerhin hat Stoffel heuer schon Bruno Gisler, Sieger des Nordwestschweizer Fests, aufs Kreuz gelegt, gegen einen Bieri Christoph am Solothurner Kantonalen gestellt, keinen Gang gegen ihm zugeteilte Kranzer verloren und alle Gänge gegen Nicht-Kranzer gewonnen. «Ziel erfüllt», sagt Marc Stoffel.

Zweite Karriere

Der Spass und die Kameradschaft stehen für den Baselbieter seit seiner Rückkehr wie erwähnt an erster Stelle. So sagt er den auch: «Am meisten bewundere ich eigentlich die Schwinger, die nur ab und zu – wenn überhaupt – einen Kranz gewinnen und trotzdem an jedem Fest wieder dabei sind.» 2005 beendete Stoffel nach einer wiederholten Meniskus- und Bänderverletzung seine erste Schwing-Karriere.

Es folgten zwei Jahre Dienst für die Swisscoy im Kosovo. Danach arbeitete er als Polymechaniker und an den Wochenenden zudem im Sicherheitsdienst. 2012 liess er sich zum Grenzwächter ausbilden und kehrte 2013 ins Sägemehl zurück, nachdem ihm Kollege Andreas Henzer, quasi der Captain der Basler Hosenlupf-Legion, verbal eingeheizt und ihn dazu animiert hatte.

Auf Anhieb holte er sich am Baselstädtischen darauf den Kranz. «So kam ich wieder zurück und es macht mir richtig Freude.» Heute trainiert er drei bis vier Mal die Woche im Schwingkeller. «Die cheibe Technik», so Stoffel mit einem Schmunzeln.

Auf Krafttraining, wie es viele seiner Konkurrenten machen, verzichtet er fast gänzlich. Ziel des Routiniers ist das «Eidgenössische» 2022, dannzumal 40-jährig, in seiner Heimat. «Ich hoffe, dass es die Gesundheit erlaubt, bis dann weiterzumachen.» Insofern dürften die zwölf Kränze, die Stoffel bislang sein Eigen nennen darf, bis dann noch ziemlich viele Gspänli erhalten.