Während sie feiern und frohlocken, tobt im Hintergrund Volero-Präsident Stav Jacobi. Lautstark teilt er Cédric Grellier, dem ersten Schiedsrichter, seine Meinung mit. Mehrfach war er mit den Entscheidungen der Linienrichter nicht einverstanden. Er hätte von Grellier erwartet, dass er es besser gesehen und seine Assistenten überstimmt hätte.

Sm’Aesch-Trainer Andreas Vollmer kann sich ein Lächeln nicht verkneifen: «Man darf das nicht überbewerten. Sie haben insgesamt 157 Angriffe gehabt, vielleicht zwei oder drei könnten falsch gewesen sein. Seien wir doch ehrlich, wenn man über den Schiedsrichter diskutiert, ist das doch meist eine Ausflucht.»

Recht hat er, denn das Spiel war zwar äusserst umkämpft und knappt (25:22, 24:26, 26:24, 25:23), den Sieg aber haben die Baselbieterinnen nicht gestohlen. Vor allem auch dank einer überragenden Leistung der Kanadierin Jazmine White.

Sm’Aesch verdrängt Volero von der Spitze.

Sm’Aesch verdrängt Volero von der Spitze.

Die 1,86 Meter grosse Mittelblockerin überzeugte mit 17 Punkten als zweitbeste Skorerin – hinter Nicole Walch mit 17 Punkten – nicht nur offensiv. Fünfmal blockte sie einen Volero-Angriff zum direkten Punktgewinn, zwölfmal punktete sie mit meist harten Smashes. Vollmer lobt: «Jazmine hat heute richtig stark aufgespielt.»

Nachdem Sm’Aesch im Dezember gegen Kanti Schaffhausen verlor und dann zu Beginn des Jahres auch gegen Volero den Kürzeren zog, musste man die Tabellenführung an die Zürcherinnen abgeben. Dann aber schlugen die Baselbieterinnen im Europacup sensationell Mladost Zagreb. Und während sie mit viel Selbstvertrauen in diesen Spitzenkampf stiegen, konnten die Zürcherinnen eine gewisse Verunsicherung nicht verbergen.

Das mag zum einen mit der Ankündigung von Stav Jacobi zusammenhängen, dass er sein Team aus der Schweiz abziehen und in Frankreich weitermachen will. Denn sein grosses Ziel, den Sieg in der Champions League, wird er mit einer Mannschaft in der Schweiz nicht realisieren können, wie er feststellen musste. Die Konkurrenz hierzulande ist zu schwach, um sein Team gebührend und über die Zeit zu fordern.

Zum anderen musste Volero ausgerechnet im Spitzenkampf auf Weltklasse-Angreiferin Rosir Calderon (Schulter-Probleme) verzichten. «Natürlich hat es das für uns ein bisschen einfacher gemacht. Sie schliesst 70 Prozent ihrer Angriffe erfolgreich ab. Aber wir haben heute eine Profi-Mannschaft geschlagen, ein Team mit zahlreichen Nationalspielerinnen», sagt Vollmer.

«Ungemein wichtig für die Moral»

Lange können sich er und sein Team aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Schon am Mittwoch geht es weiter. In der zweiten Runde des Europacups trifft Sm’Aesch auf die rumänische Spitzenmannschaft Stiinta Bacau (momentan Platz 3). Sichtlich euphorisiert meint Vollmer: «Wir haben unter grossem Druck vor voller Halle bestanden. Das gibt Selbstvertrauen.

Dieser Sieg ist ungemein wichtig für die Moral.» Und Präsident Werner Schmid ergänzt: «Einen besseren Spitzenkampf hätten wir den Leuten nicht zeigen können. Jeder Satz war umstritten, die Spannung war greifbar. Das war beste Werbung, damit wir auch am Mittwoch volles Haus haben.»

Auch im Hinblick auf die danach kommenden Partien – das Meisterschaftsspiel vom kommenden Samstag gegen Franches Montagnes und den Cup-Viertelfinal vom Sonntag, in dem Sm’Aesch erneut auf Volero trifft, ist der gestrige Sieg von grosser Bedeutung. Denn mit Ausnahme vom Spiel am Samstag tritt Sm’Aesch in allen anderen Partien stets als Aussenseiter an.

Vollmer schätzt die Rumäninnen aus Bacau noch deutlich stärker ein als die Kroatinnen in der ersten Runde des Europacups. Das mag auch mit Trainer Florin Grapa (63) zusammenhängen. Seit rund 30 Jahren trainiert er das Team und gewann in dieser Zeit viermal die Meisterschaft und fünfmal den Cup.