Im Baseball kommt es sehr selten vor, dass eine Partie Zu-Null gewonnen wird. Denn mag der Pitcher noch so gut sein – er lässt in den neun Innings in der Regel ein paar Runs zu. Dies war die Meinung des kleinen Fachpublikums am Sonntagmittag und nachmittags auf der Känelmatt in Therwil.

«Mercy Rule» in beiden Spielen

Auf dem Feld standen sich die Flyers und die ebenfalls in Blau-Weiss gekleideten Lions aus Zürich gegenüber. Doch die Klubfarben sind die einzige Gemeinsamkeit der Baselbieter und Zürcher. Denn auf dem Spielfeld trennen Welten die beiden Mannschaften. Die Geschichte der beiden Matches ist schnell erzählt. In beiden Vergleichen kam die «Mercy Rule» zur Anwendung. Diese Regel wird dann angewendet, wenn nach sieben von neun Innings (Durchläufen) das eine Team mit zehn Punkten in Führung liegt. Das war im Spiel 1 und im Match 2 der Fall. Im Boxen wäre, wegen Inferiorität, das Handtuch geworfen worden. Im Ringen wird wegen technischer Überlegenheit der Kampf abgebrochen.

Weiterer Kantersieg

Bereits vor einer Woche hatte der Vize-Meister seine beiden Meisterschaftspartien beim Tabellenletzten Wil Devils mit 13:1 und 19:2 gewonnen. Bei diesen Steinzeit-Resultaten stellt sich die Frage nach dem Sinn, oder eben Unsinn, nach solchen ungleichen Vergleichen. «Im Moment sind Wil und die Lions sicher überfordert. Es wäre besser, wenn die Nationalliga A nur aus sechs Teams bestehen würde», meinte ein Zuschauer, der zu den Pionieren im Schweizer Baseball zählt, aber anonym bleiben will. Allerdings spielen die Wil Devils und Zürich Lions, im Gegensatz zur Konkurrenz, ohne ausländische (Profi-)Verstärkung.

Leemann sorgt für Highlight

Höhepunkt der Partien gegen Zürich war der «Inside-the-Park-Homerun» von Sven Leemann. Der 17-jährige Basler, in den USA geboren und mit sieben Jahren in die Schweiz gekommen und seither ein Flyer, wurde für diesen seltenen Run vom Publikum und den Teamkollegen gefeiert. Es kommt sehr selten vor, dass ein Homerun gelingt, wenn der Ball das Spielfeld nicht verlassen hat. Dazu braucht es nicht nur einen weiten Schlag in eine der Spielfeldecken, sondern auch Unzulänglichkeiten des Rivalen. «Bei den Junioren ist mir ein solcher Run schon mehrmals geglückt, in der Nationalliga A noch nicht», strahlte der Nationalspieler, welcher wie neun seiner Teamkollegen für die Schweiz spielt und kürzlich an der B-Europameisterschaft in Zürich im Einsatz stand.

Mehrere Kontrahenten

Die Flyers haben noch vier Partien ausstehend. Beide Rivalen kommen aus Zürich, wobei die Challengers und Barracudas kein Kanonenfutter à la Lions sind. «Wir wollen alle Spiele gewinnen, um die Qualifikationsphase als Erster zu beenden», sagt Teamcaptain und Klubpräsident Sebastian Zwyer. Ob es wie in den letzten Jahren zum obligaten Playoff-Finale gegen die Bern Cardinals kommen wird, liess «Mister Baseball» offen. «Zuerst Erster werden, dann das Halbfinale gewinnen und im Endspiel Heimvorteil haben», schmunzelt Zwyer.

In dieser Saison spricht alles dafür, dass die Therwil Flyers ihren insgesamt neunten Meistertitel, und den ersten seit 2009, feiern werden.