Ein letzter Blick über die Schulter, hin zur Anzeigetafel. Dann dreht Nadine Flubacher mit ihrer Stute Byjou ab und verlässt den Parcours. Sie dirigiert ihr Pferd in Richtung des Stellplatzes der Pferdeanhänger. Dort wird die 16-Jährige von ihrer Mutter Regula erwartet. Sie hilft Nadine dabei, Byjou fürs Verladen in den Pferdeanhänger vorzubereiten. Mutter und Tochter sind ein eingespieltes Team. Kein Wunder, erleben sie doch diese Prozedur Wochenende für Wochenende.

An diesem Sonntagmorgen steht die 41. Springkonkurrenz Rothenfluh auf dem Programm. Es ist der Heim-Wettkampf für Nadine, die Mitglied des gastgebenden Reitvereins Schafmatt ist. Am Vortag stand sie noch für den Anlass im Einsatz – am Morgen als Ehrendame, am Nachmittag im Service im grossen Festzelt. Das ist bei den regionalen Springkonkurrenzen gang und gäbe. Zahlreiche Mitglieder des organisierenden Vereins nehmen jeweils auch selber an den Wettkampf-Prüfungen auf dem Parcours teil.

OK-Präsidentin und «TT»

Rund 600 Starts verzeichnete die diesjährige Springkonkurrenz Rothenfluh, 20 bis 25 Prozent davon dürften auf das Konto von Mitgliedern des Reitverein Schafmatt gehen, wie Esther Mischler sagt. Sie steht dieses Jahr zum ersten Mal als OK-Präsidentin des Anlasses in der Verantwortung. Jedes der 120 Mitglieder sei neben sportlichen Einsätzen auch noch für den Verein im Einsatz. «Das Engagement bereitet mit Freude», sagt sie. Selber nimmt sie allerdings nicht am Wettkampf teil. «Ich bin keine Springreiterin.»

Trotzdem ist sie an zahlreichen Springkonkurrenzen mit dabei, als Zuschauerin oder als «TT» für junge Mädchen. «‹TT› steht für Turniertrottel», sagt Mischler. Der Begriff des «TT» ist an diesen Anlässen gängig und man hört ihn immer mal wieder. Er beschreibt nichts anderes, als die Betreuungsperson des Springreiters. Der «TT» sorgt dafür, dass das Pferd bereit ist, wenn der Reiter die Parcoursbesichtigung abgeschlossen hat, gibt Tipps und hilft nach dem Wettkampf beim Verladen des Pferdes.

Als «TT» ist an diesem Sonntag in Rothenfluh auch Nicole Meier im Einsatz. Die 20-Jährige aus Gelterkinden unterstützt dabei Christian Klaus, dessen Pferde sie sonst reitet. Klaus war der Vorgänger von Mischler als OK-Präsident der Springkonkurrenz Rothenfluh. Aber auch für Meier ist es nur einer von zahlreichen Einsätzen an diesem Wochenende. Am Samstag war sie noch selber am Start gestanden und amtete zudem während des gesamten Anlasses als Barchefin.

Im Training bei den Sprungers

Nadine Flubacher beginnt im Sommer ihre Lehre als kaufmännische Angestellte beim Baselbieter Sportamt. Sie wird dort quasi eine Sportlerlehre light absolvieren. Danach will sie ihre Leidenschaft fürs Reiten zum Beruf machen. «Ich arbeite nun seit drei Jahren mit meiner Stute Byjou. Mittlerweile sind wir ein gutes Team», sagt Nadine. Sie setzt täglich rund zwei Stunden für ihr Pferd ein und trainiert einmal wöchentlich am Lausener Reitsportzentrum Galms von Hansueli Sprunger, dem Vater der Schweizer Kaderreiterin Janika Sprunger.